Canadian Soccer
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Blues gegen Blues - Quebec singt, Vancouver seufzt

Es gibt Partien, bei denen der Name allein schon Verwirrung stiftet. "Blues gegen Blues" stand auf dem Spielplan des 5. Spieltags der 1. Liga Kanada, und 32.000 Zuschauer in Vancouver durften am Freitagabend erleben, dass Gleichfarbigkeit nicht Gleichwertigkeit bedeutet. Quebec gewann das Duell der Namensvettern mit 2:0 - und das durchaus verdient, wenn auch mit einer Prise Effizienz, die man sonst nur von Steuerberatern kennt.

Dabei fing es gar nicht schlecht an für die Gastgeber. Schon in der 3. Minute prügelte Ernst Maus den Ball mit so viel Wucht aufs Tor, dass die Latte noch Minuten später vibrierte - ein Weckruf, der die Quebecer allerdings mehr belebte als die eigenen Kollegen. "Wir waren da noch im Kopf in der Kabine", grinste später Torwart Thomas Trottier von Quebec, "aber dann hat Diego vorne gesagt: Jungs, das ist doch kein Museum, hier darf man schießen!"

Gesagt, getan. In der 32. Minute bekam Diego Sousa den Ball von Julio Ordonez auf den Fuß serviert, drehte sich elegant um die eigene Achse und schob zum 0:1 ein. Vancouver-Keeper Henry Blanchard streckte sich vergeblich, und man konnte förmlich hören, wie die Hoffnung der Heimmannschaft leise Luft entwich. Sousa erklärte danach nüchtern: "Ich habe einfach geschossen, weil ich dachte, sonst schießt wieder keiner."

Die Vancouver Blues hatten zwar mehr Ballbesitz (51,5 Prozent, um genau zu sein), wussten damit aber ungefähr so viel anzufangen wie ein Tennisspieler mit einem Curlingstein. Ihre sieben Torschüsse sahen gefährlich aus - bis sie das Tor verfehlten. Besonders Noah Singer, der in der 70. Minute einen dieser Momente hatte, in denen man kurz glaubt, Fußball sei eine Frage des Glaubens, nicht der Präzision. Sein Schuss ging knapp vorbei, und die Fans griffen synchron zum Bier.

Quebec dagegen spielte mit einer angenehm schamlosen Konsequenz. Trainer Lutz Lindemann hatte seine Offensivabteilung auf Dauerangriff eingestellt, aggressiv, aber kontrolliert. "Wir haben gesagt: Wenn wir schon Blues heißen, dann sollen wenigstens die anderen traurig nach Hause gehen", witzelte Lindemann nach Abpfiff.

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte: Vancouver mit viel Ball, Quebec mit viel Ziel. In der 73. Minute machte Kobe Piersens mit einem Schuss aus spitzem Winkel den Deckel drauf. Nach einem Kopfball von Verteidiger Leon Bureau landete der Abpraller direkt vor Piersens’ linkem Fuß - und der nutzte die Gelegenheit, als würde er ein Geschenk auspacken. 0:2. Die Quebec-Bank jubelte, die Vancouver-Spieler blickten betreten zu Boden, und auf der Tribüne sagte ein älterer Fan trocken: "Na wenigstens ist das Bier kalt."

Die Statistik zeigte hinterher, was das Auge längst wusste: Quebec hatte nur hauchdünn weniger Ballbesitz, dafür aber den klareren Plan. 9 zu 7 Torschüsse, eine Zweikampfquote von 50,7 zu 49,2 Prozent - es waren keine Welten, aber genug, um den Unterschied zu machen.

In der 84. Minute holte sich Vancouvers Innenverteidiger Pascal Prinsloo noch Gelb ab, wohl aus Frust über die eigene Harmlosigkeit. Quebecs Pascal Parent revanchierte sich drei Minuten später mit derselben Farbe. Eine Art sportlicher Höflichkeitsaustausch.

Nach dem Schlusspfiff standen sich zwei sehr unterschiedliche Stimmungen gegenüber. Während Quebec ausgelassen feierte, schlich Vancouver-Trainer - der sich zum Zeitpunkt des Spiels weise hinter seiner Kapuze verbarg - Richtung Kabine. "Wir haben gespielt, als hätten wir Angst, ein Tor zu schießen", soll er dort gemurmelt haben.

Sousa, der Torschütze zum 0:1, wurde zum Spieler des Spiels gewählt. "Das war Teamarbeit", sagte er bescheiden, "aber ich nehme den Preis trotzdem mit nach Hause - mein Sohn will ihn für seine Lego-Vitrine."

Und so endete ein Abend, der in Vancouvers Fußballgeschichte wohl nicht als Glanzpunkt vermerkt wird. Quebec hingegen setzte mit diesem Sieg ein Ausrufezeichen in der Liga und zeigte, dass Effizienz manchmal das schönste Lied des Blues ist.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sarkastisch meinte: "Wir sind alle Blues - nur manche spielen in Dur."

27.12.643993 20:48
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Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
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