Canadian Soccer
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Blues gegen Blues - ein frostiges Unentschieden mit warmem Nachgeschmack

Wenn zwei Teams mit demselben Namen aufeinandertreffen, ist das Chaos im Kommentarbereich vorprogrammiert. "Blues führen gegen Blues" - wer da nicht kurz stutzt, hat vermutlich schon den dritten Kakao intus. Im kanadischen West-Ost-Duell der "1. Liga Kanada" trennten sich die Vancouver Blues und die Quebec Blues am 8. Spieltag mit einem 1:1 - ein Ergebnis, das so gerecht wie unbefriedigend wirkte.

Vor 32.000 Zuschauern begann das Spiel unter Flutlicht wie ein musikalisches Duell zweier Jazzbands, die sich um die beste Improvisation stritten. Quebec, gecoacht von Lutz Lindemann, legte los, als gäbe es drei Punkte für jeden Schuss aufs Tor: Schon nach einer Minute prüfte Barend Veeder den Vancouver-Keeper Henry Blanchard, der den Ball mit der Ruhe eines Yoga-Lehrers abwehrte. Veeder schoss in den nächsten 50 Minuten noch vier weitere Male - man könnte meinen, er habe eine Schussprämie im Vertrag.

Vancouver dagegen zeigte sich zunächst taktisch balanciert - fast zu balanciert. Der Ballbesitz lag zwar über 53 %, doch die Offensive wirkte, als hätte sie den Valentinstag verwechselt und lieber einen Spaziergang am Strand gemacht. Erst in der 21. Minute wagte sich Cesc Fontàs aus der Deckung und zwang Quebecs Torwart Jérôme Leachman zu einer Glanzparade.

Das Spiel nahm dann eine Wendung in der 36. Minute: Charlies Hennessy, Vancouvers junger Mittelfeldmotor, blieb nach einem Zweikampf liegen - Diagnose: Oberschenkelzerrung. Trainerstab und Mitspieler standen um ihn herum, während die Fans im Stadion kollektiv den Atem anhielten. "Er wollte weitermachen, aber ich hab ihm gesagt, wir brauchen ihn noch in dieser Saison", erzählte der Physiotherapeut nach dem Spiel. Für Hennessy kam Harvey Preston, der sofort versuchte, Struktur ins Spiel zu bringen - und tatsächlich, das tat er.

Kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, wurde Vancouver mutiger. In der 56. Minute dann die Erlösung: David Auclair flankte von links butterweich in den Strafraum, Florian Bach nahm den Ball direkt - 1:0! Das Stadion bebte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bach später. "Der Ball war gut, der Torwart stand schlecht, und ich hatte Hunger auf ein Tor."

Quebec reagierte mit wütenden Angriffen. Lindemann stellte um, brachte Hanns Lauer und Jaime Mourino - letzterer sollte später noch eine Hauptrolle spielen. Mit insgesamt 17 Torschüssen bombardierte Quebec das Tor der Gastgeber, doch Blanchard hielt, was zu halten war. Nur einmal, in der 87. Minute, konnte er nichts mehr machen: Nach einer Ecke von Rhys Hamlin stand Mourino goldrichtig und köpfte zum 1:1 ein. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball reingeht", sagte Mourino lachend. "Ich hab einfach auf Verdacht gesprungen - manchmal funktioniert Instinkt besser als Taktik."

Vancouver versuchte in den letzten Minuten, das Ruder noch einmal herumzureißen. Noah Singer prüfte in der 81. Minute Leachman mit einem Schuss aus spitzem Winkel, doch der Keeper parierte glänzend. Quebecs Polikarp Iwanow holte sich kurz darauf noch eine gelbe Karte ab - vermutlich aus Frust darüber, dass seine Flanke im Nirgendwo gelandet war.

Nach dem Abpfiff wirkte Vancouver-Coach (dessen Name die Presseabteilung wie üblich geheim hielt) erstaunlich gelassen: "Wenn man gegen Quebec ein 1:1 holt und trotzdem mehr Ballbesitz hat, kann man sich nicht beschweren. Außer man will unbedingt meckern - aber das überlasse ich meiner Frau."

Statistisch gesehen war die Partie ein Widerspruch auf Beinen: Vancouver dominierte den Ball (53,6 %), Quebec dominierte die Chancen (17 zu 5 Torschüsse). Wer schöner spielte, führt zu endlosen Diskussionen - wer effizienter war, steht allerdings fest: keiner.

Die Fans in Vancouver verabschiedeten ihre Blues mit Applaus, während die Quebec-Spieler im Bus vermutlich noch darüber diskutierten, wie man 17 Torschüsse in nur ein Tor verwandeln kann. Lindemann fasste es trocken zusammen: "Wir haben gespielt wie ein gutes Steak - schön saftig, aber am Ende zu wenig gewürzt."

Ein Punkt für beide, ein Abend voller Emotionen für die Zuschauer. Und irgendwo in Kanada sitzt ein Reporter und überlegt, ob man bei einem Spiel "Blues gegen Blues" eigentlich überhaupt von Gewinnern sprechen kann - oder ob am Ende einfach nur der Blues gewinnt.

19.08.643990 01:10
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