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Ein frostiger Freitagabend in Quebec, 43.246 Zuschauer mit heißem Atem und kalten Füßen - das perfekte Setting für ein Spiel, das zunächst aussah wie ein englischer Spaziergang und endete wie ein kanadisches Eishockeydrama. Die Quebec Blues und London United trennten sich am 14. Spieltag der 1. Liga Kanada mit einem 2:2, doch der Weg dorthin war alles andere als gerade. London kam, sah und führte - und zwar früh und eiskalt. In der 32. Minute vollstreckte Robert Lindner, der rechte Flügel mit Torinstinkt und Namen wie ein deutscher Komponist, nach schöner Vorarbeit von Silvestre Ordonez. Nur elf Minuten später legte Volker Klein nach, der 22-jährige Mittelstürmer, der offenbar vergessen hatte, dass man in Kanada eigentlich höflich ist. 0:2 aus Sicht der Blues, und das Publikum im "Stade du Nord" begann bereits, sich mit dem Gedanken an eine frostige Niederlage abzufinden. "Wir haben sie in der ersten Halbzeit schockgefroren", grinste Londons Trainer Ron Wiesel nach der Partie - ein Lächeln, das ihm später noch gefror. Denn was die Blues in der zweiten Hälfte veranstalteten, war eine Lehrstunde in Geduld, Wut und kanadischem Trotz. Schon kurz nach Wiederanpfiff zeigte sich, dass Trainer Lutz Lindemann in der Kabine wohl etwas Deftiges gesagt hatte. "Ich hab ihnen gesagt, dass das da draußen kein Eislauf ist", verriet Lindemann später. Seine Spieler verstanden die Botschaft - allen voran Verteidiger Paul Musgrave, der in der 61. Minute plötzlich den Stürmer in sich entdeckte. Nach einem präzisen Zuspiel von Joseph Johnstone zog Musgrave von links ab und traf ins lange Eck. Das 1:2 - und das Stadion erwachte. London reagierte - allerdings nicht mit Spielkultur, sondern mit Gelb. Vincent Lenentine holte sich erst eine Verwarnung (48.) und sah dann in der 62. Minute Gelb-Rot, nachdem er Musgrave etwas zu enthusiastisch "begrüßte". Die englische Defensive nun ein Mann weniger, und Quebec witterte Blut. Was folgte, war ein Dauerfeuer: insgesamt 19 Torschüsse der Blues, die Gäste kamen auf ganze vier. Der Ballbesitz lag mit 51 Prozent knapp bei Quebec, aber die Intensität sprach Bände. "Wir haben gepresst, als ginge es um Leben und Tod", keuchte Stürmer Andre Pare nach Abpfiff. Und in der 80. Minute wurden sie belohnt: Julio Ordonez dribbelte sich links durch, legte quer, und Diego Sousa - gerade erst eingewechselt - grätschte den Ball über die Linie. 2:2! Das Stadion explodierte in einem kollektiven "Endlich!". Sousa riss die Arme hoch, während Lindemann an der Seitenlinie eine Mischung aus Erleichterung und Stolz zeigte. "Ich wusste, Diego würde treffen. Also - zumindest hab ich’s gehofft", lachte der Coach. Die letzten Minuten gehörten wieder den Blues. Pare prüfte Londons Torhüter Alrik Lindblom noch zweimal (85.), Musgrave sah Gelb (84.) - wohl weil er es zu gut meinte - und am Ende rettete London das Remis mit viel Glück und zehn Mann über die Zeit. Maurice Carriere kassierte in der 89. Minute noch Gelb, was Trainer Wiesel mit einem trockenen "Das war dann wohl unser Beitrag zur Farbpalette" kommentierte. Statistisch war alles klar: Mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Herz bei Quebec. London dagegen effizient, clever - und nach dem Platzverweis nur noch auf Schadensbegrenzung bedacht. Die taktische Entwicklung sprach Bände: Während Quebec in der Schlussphase voll auf Offensive, Pressing und Einsatzstärke setzte, zog London sich immer tiefer zurück - so tief, dass die Taktikanalyse für die 90. Minute schlicht "NONE" ausweist. "Wir haben heute Charakter gezeigt", sagte Blues-Kapitän Joseph Johnstone nach dem Spiel. "Und vielleicht auch ein bisschen Wahnsinn." Das Publikum jedenfalls verabschiedete sein Team mit stehenden Ovationen - wohl wissend, dass man dieses 2:2 eher als Sieg feiern durfte. Trainer Wiesel dagegen stapfte wortlos in den Kabinengang. Nur ein Murmeln war zu hören: "Zwei Tore Vorsprung - das hätten wir auch mit zehn Mann halten müssen." Vielleicht. Aber nicht an diesem Abend, nicht gegen diese Blues. Und so endete ein Spiel, das alles hatte: Dramatik, Karten, Tore und einen Hauch von britischem Drama im kanadischen Winter. Quebec Blues 2, London United 2 - und beide Teams gehen mit sehr unterschiedlichen Gefühlen nach Hause. Kurz gesagt: London begann mit Tee und Stil, Quebec beendete mit Schweiß und Seele. 27.10.643990 09:15 |
Sprücheklopfer
Das spricht vielleicht für eine schlechte Vereinskarriere - aber das war ein Höhepunkt meiner Laufbahn!
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, was ihm der Siegtreffer gegen Bayern München bedeutet