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Wer zu spät kam, den bestrafte am Montagabend der Fußballgott - und Bull Bay. Ganze fünf Minuten dauerte es, bis Alexander MacMillan den 56.465 Zuschauern in Spanish Town klar machte, dass der Abend wohl nichts für schwache Heimfan-Nerven werden würde. Sein flacher Schuss aus 18 Metern zischte so schnörkellos ins Eck, dass selbst der Linienrichter kurz vergaß, die Fahne zu halten. Zwei Minuten später legte Fehmi Karaer nach - diesmal nach einem butterweichen Pass von Rechtsverteidiger Rene Couture, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte, dass er später die Kabine vorzeitig würde aufsuchen dürfen. Und als Otto Dahlstrom in der zehnten Minute den dritten Treffer nachlegte - manch einer auf der Pressetribüne hatte sich da noch nicht einmal den ersten Kaffee geholt - war das Spiel praktisch entschieden. "Wir wollten früh Druck machen", sagte Bull-Bay-Trainer Sports Mann nach der Partie trocken. "Dass wir so früh dreimal treffen, war dann wohl die Belohnung fürs frühe Aufstehen." Spanish Town hingegen wirkte in dieser Anfangsphase wie ein Team, das seine Hausaufgaben vergessen hat. Trainer Ioannis Exis tigerte schon nach dem zweiten Gegentor an der Seitenlinie entlang und rief seinem Team zu: "Ballbesitz ist keine Zier, Tore sind das Ziel!" Doch seine Spieler nahmen ihn offenbar wörtlich - zumindest was den Ballbesitz anging. 47 Prozent standen am Ende auf der Statistiktafel, gefühlt war es in der ersten Hälfte jedoch deutlich weniger. Die Gäste kombinierten nach Belieben, ließen den Ball laufen, spielten mit langen Pässen und blitzschnellem Umschalten. "Wir haben uns vorgenommen, sie gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen", erklärte Torschütze Karaer später. "Nach zehn Minuten dachte ich, das wird ein langer Abend für die anderen." Tatsächlich dauerte es bis zur zweiten Halbzeit, ehe Spanish Town ein Lebenszeichen von sich gab. Pedro da Costa, 35 Jahre jung und offenbar mit der Weisheit des Alters gesegnet, nutzte in der 54. Minute eine Hereingabe von Lewis Stanton, um den Ball kompromisslos ins Netz zu jagen. Das Publikum jubelte, als ginge es um die Meisterschaft. "Da war plötzlich Energie im Stadion", schwärmte ein Fan, "aber leider auch nur für fünf Minuten." Denn obwohl die Gastgeber nun mutiger auftraten und mit acht Torschüssen insgesamt fast gleichzogen, blieben weitere Treffer aus. Trainer Exis reagierte, brachte den jungen Jean-Pierre Lujan für den müden Ohlson und später Lewis Deschanel sowie Christopher Billet - allesamt Wechsel, die mehr Symbolcharakter hatten als taktische Wirkung. "Ich wollte zeigen, dass wir noch leben", sagte Exis hinterher, "aber Bull Bay hat uns einfach die Luft genommen." Für den einzigen Aufreger der Schlussphase sorgte ausgerechnet Rene Couture, der in der 77. Minute Gelb sah und zwei Minuten später Gelb-Rot - wohl aus Übermut, vielleicht auch aus Übermotivation. "Ich wollte nur zeigen, dass wir kämpfen", rechtfertigte er sich grinsend. Sein Trainer sah das etwas anders: "Rene hat wohl gedacht, er sei schon beim Feiern", knurrte Sports Mann. Trotz Unterzahl verwaltete Bull Bay den Sieg souverän. Spanish Town versuchte es mit langen Bällen, aber die fielen eher unter die Kategorie "Verzweiflungstherapie". Da Costa und der junge George Deschanel bemühten sich redlich, doch der Ball wollte einfach nicht mehr ins Tor. Am Ende stand ein verdienter 3:1-Auswärtssieg für Bull Bay, der sich vor allem in den Zahlen widerspiegelte: 52,8 Prozent Ballbesitz, 11 Torschüsse und die bessere Zweikampfquote. Spanish Town hingegen blieb der Trost, dass man zumindest die zweite Halbzeit "gewonnen" hatte - ein Umstand, den Trainer Exis mit einem ironischen Lächeln kommentierte: "Wenn Spiele nur 45 Minuten dauern würden, hätten wir heute einen Punkt geholt." Ein Journalist fragte ihn daraufhin, ob er an taktische Veränderungen denke. "Klar", antwortete Exis, "wir werden beim nächsten Mal einfach zehn Minuten später aufs Feld kommen. Dann sind die drei Gegentore vielleicht schon vorbei." Ein bisschen Galgenhumor schadet nie - vor allem, wenn man im eigenen Stadion 0:3 zur Pause hinten liegt. Bull Bay lacht derweil von der Tabellenspitze, Spanish Town hingegen muss wohl noch ein paar Nächte über diesen Startschuss im Schnellvorlauf schlafen. 04.11.643987 10:40 |
Sprücheklopfer
Ich glaube nicht, daß wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre.
Uli Hoeneß