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Blau-Gelb Wien verschenkt Sieg - Union Dornbirn bedankt sich höflich

Ein lauer Märzabend, 45.176 Zuschauer im Wiener Stadion und ein Spiel, das man so oder so erzählen könnte: als Lehrstück über verpasste Chancen oder als Gedicht über die Unberechenbarkeit dieses Sports. Am Ende stand es 2:2 zwischen Blau-Gelb Wien und Union Dornbirn - ein Ergebnis, das für die Hausherren wie eine bittere Pointe wirkte.

Dabei fing alles an wie gemalt für die Wiener. Schon in der zweiten Minute prüfte Carlos Zubiaurre mit einem satten Schuss den Dornbirner Keeper Marcio Moutinho, der den Ball mit der Lässigkeit eines Mannes parierte, der offenbar noch nicht ganz wach, aber bereits hellwach genug war. "Ich hab’ den eher mit dem Unterbewusstsein gehalten", grinste Moutinho später.

Dann aber kam die 27. Minute - und mit ihr die erste kalte Dusche. Ausgerechnet Innenverteidiger Mateo Gimenez, sonst eher bekannt für rustikale Grätschen als filigrane Abschlüsse, traf nach einer Ecke zum 0:1. "Ich dachte erst, der Ball sei zu hoch", gab er zu, "aber dann hab ich einfach gehofft, dass Physik heute mein Freund ist." Er war es.

Blau-Gelb schüttelte sich kurz, dann rollte Angriff auf Angriff. Marko Raab, der zentrale Mittelfeldmotor, schoss in der 32. Minute knapp vorbei, versuchte es in der 33. erneut - diesmal klatschte das Leder an den Pfosten. Als er in der 42. Minute Gelb sah, klopfte Trainer Patrick Jurkovitz nur ironisch auf die Schulter: "Immerhin trägst du jetzt was Gelbes, wenn’s mit dem Tor nicht klappt."

Doch Raab ließ sich das nicht zweimal sagen. Nur eine Minute später, in der 43., traf er nach Vorarbeit von Guillermo Assis zum 1:1. Ein Schuss aus der zweiten Reihe, trocken, präzise, unhaltbar. Raab jubelte Richtung Trainerbank, als wolle er sagen: "Na, so besser?"

Und dann, fast mit dem Pausenpfiff, kam Inigo Velez. Der 23-jährige Rechtsaußen zog in der 45. Minute ab und drehte das Spiel - 2:1. Das Stadion kochte, Jurkovitz pumpte die Faust, und sogar der Stadionsprecher klang kurz, als würde er gleich selbst eingewechselt werden.

Union Dornbirn wirkte in der Kabine vermutlich wie ein Philosophiekurs über Existenzkrisen, doch Olaf Dragon, der Coach mit dem klingenden Namen, fand offenbar die richtigen Worte. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen einfach weiterlaufen. Irgendwann stolpert einer rein", verriet er später mit einem Zwinkern.

Und tatsächlich - in der 68. Minute war es Oscar Muster, der das 2:2 erzielte. Kein Traumtor, eher ein Arbeitstreffer, aber auf der Anzeigetafel zählt kein Stil. Muster grinste nach dem Ausgleich: "Ich hab einfach das Tor ins Visier genommen. Mehr Plan war da nicht."

Danach wurde’s wild: Gelbe Karten für Janis Wegner (60.) und Werner Schreiner (71.), einige wütende Wiener Angriffe, eine Latte, ein halber Elfmeterpfiff, der dann doch keiner war. Nevio Manu, der junge linke Flügel, feuerte in der 85. Minute noch einmal aufs Tor, aber Moutinho war wieder da - diesmal mit vollem Bewusstsein.

Blau-Gelb hatte am Ende 14 Torschüsse, 55 Prozent Ballbesitz, die besseren Zweikampfwerte - und trotzdem nur einen Punkt. "Das ist wie ein Drei-Gänge-Menü und du vergisst den Hauptgang", murmelte Jurkovitz bei der Pressekonferenz. Sein Gegenüber Dragon war da schon wieder in Galgenhumor-Laune: "Wenn man in Wien einen Punkt holt, muss man sich fast entschuldigen. Aber ich mach’s nicht."

Die Fans der Wiener verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus - und einem Hauch von genervter Zuneigung. 2:2, ein Ergebnis, das sich anfühlt wie unvollendete Hausaufgaben.

Ein Reporter rief Raab auf dem Weg in die Kabine noch zu, ob er sein Tor wenigstens genießen könne. "Klar", lachte der Mittelfeldmann, "aber nur bis zum nächsten Training. Da lässt mich der Coach sicher wieder laufen - fürs Gleichgewicht."

Und so bleibt vom 24. Spieltag der 1. Liga Österreich ein Spiel in Erinnerung, das alles hatte: Tore, Emotionen, Gelb, Gesten - und das Gefühl, dass Blau-Gelb Wien nach Punkten so hungrig blieb wie vor dem Anpfiff.

Vielleicht ist das das Schönste am Fußball: dass selbst ein Unentschieden eine Geschichte erzählen kann, die nach mehr schmeckt - oder wie es Coach Dragon formulierte: "So lange keiner einschläft, war’s ein gutes Spiel."

24.06.643993 10:00
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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