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Blau-Gelb Wien schießt sich in einen Frühlingsrausch - 4:1 gegen Bad Aussee

Ein lauer Märzwind wehte durchs Praterstadion, doch auf dem Rasen von Wien brannte die Luft. 34.809 Zuschauer sahen eine Mannschaft, die offenbar beschlossen hatte, den 12. Spieltag der "1. Liga Österreich" zu ihrem eigenen Frühjahrsfest zu machen. Blau-Gelb Wien zerlegte den SC Bad Aussee mit 4:1 - und das mit einer Spielfreude, die selbst den grantigsten Wiener in der Kurve zum Lächeln brachte.

Schon nach acht Minuten war klar, wohin die Reise ging. Guillermo Assis, der 21-jährige Wirbelwind auf der linken Seite, traf nach feinem Zuspiel von Carlos Zubiaurre zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Assis später, "und gehofft, dass der Torwart noch im Halbschlaf ist." Offenbar war er das - Kay Bartsch streckte sich vergeblich.

Nur drei Minuten später legte Blau-Gelb nach. Diesmal war Assis der Vorlagengeber: Inigo Velez, ein Stürmer mit der Eleganz eines Kampfstiers, wuchtete den Ball zum 2:0 ins Netz. "Das war kein Torschuss, das war eine Kriegserklärung", murmelte ein älterer Fan auf der Haupttribüne, halb bewundernd, halb fassungslos.

Bad Aussee wirkte von da an wie ein Tourist, der in der U-Bahnlinie U1 in die falsche Richtung fährt - bemüht, aber völlig orientierungslos. Die Gäste kamen kaum ins Spiel, und wenn sie doch einmal in der Nähe des Wiener Strafraums auftauchten, dann höchstens als höfliche Besucher. Ihre sechs Torschüsse im gesamten Spiel dürften kaum jemanden in der heimischen Defensive ins Schwitzen gebracht haben.

Nach der Pause ging es munter weiter: Assis, schon in der ersten Halbzeit der auffälligste Mann, setzte in der 49. Minute das 3:0 drauf - wieder nach schöner Vorarbeit, diesmal von Johann Schramm über rechts. Trainer Patrick Jurkovitz klatschte an der Seitenlinie verhalten, als wolle er sagen: "Ja, so war’s geplant - aber bitte, bleibt bescheiden."

Doch bescheiden war an diesem Abend niemand. Nur sieben Minuten später durfte auch der jüngste im Bunde jubeln: Manfred Linke, 19 Jahre jung, traf nach erneuter Schramm-Vorlage zum 4:0. "Ich hab den Ball gesehen und einfach gedacht: Na gut, warum nicht?", sagte Linke später verschmitzt.

Danach schaltete Wien einen Gang zurück - vielleicht aus Erbarmen, vielleicht um Kräfte zu schonen. Bad Aussee nutzte das für einen Ehrentreffer in der 73. Minute: André Haag, der tapfer bis zuletzt rackerte, traf nach Zuspiel von Lubos Bejbl. Der Jubel der Gäste war ehrlich, aber kurz - zu deutlich war der Klassenunterschied.

Trainer Julyan Acen von Bad Aussee suchte nach Worten: "Wir wollten kompakt stehen, aber irgendwann war es eher ein Puzzle ohne Rand." Immerhin: Seine Mannschaft blieb kämpferisch, auch wenn zwei späte Gelbe Karten - für Jannik Lux (70.) und Heinz Lohmann (87.) - eher aus Frust denn aus Leidenschaft resultierten.

Wien hingegen zeigte, warum sie derzeit zum erweiterten Favoritenkreis gehören. 20 Torschüsse, 54 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von über 55 Prozent sprechen eine klare Sprache. "Wir haben heute mit Herz gespielt", meinte Coach Jurkovitz nach dem Spiel. "Und mit ein bisschen Wiener Schmäh natürlich."

Kurios am Rande: In der 56. Minute wechselte Acen überraschend seinen Torwart - Ersatzmann Maurice Billet durfte ran. Auf Nachfrage, ob Startkeeper Bartsch verletzt sei, antwortete der Trainer trocken: "Nein, aber er wollte mal sehen, wie das Spiel von außen aussieht."

Auch Blau-Gelb rotierte spät noch: Der 18-jährige Hartmut Berndt bekam in der 77. Minute sein Debüt. "Ich war so nervös, ich hab fast den falschen Schuh angezogen", gab er später lachend zu.

Am Ende stand ein 4:1, das in seiner Deutlichkeit kaum Fragen offenließ. Wien spielte nicht nur besser, sondern auch mit mehr Witz und Leichtigkeit - eine seltene Kombination im modernen Fußballbetrieb.

"Wenn wir so weiterspielen, müssen wir uns vor niemandem verstecken", rief Kapitän Marko Raab den Fans zu, während die Kurve "Blau-Gelb, olé!" skandierte.

Ein Abend, der zeigte, dass Fußball manchmal ganz einfach sein kann: mutig angreifen, Spaß haben, treffen - und die Statistik hübsch aussehen lassen.

Oder, wie es Jurkovitz bei der Pressekonferenz formulierte: "Ein schöner Abend. Nur schade, dass’s nicht immer so leicht aussieht, wie’s auf dem Papier steht."

Und irgendwo in der Kabine summte Assis leise eine Melodie, die wohl nach Siegesrausch klang - aber das bleibt, wie so vieles an diesem Abend, sein kleines Geheimnis.

18.03.643994 21:16
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Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
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