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Ein kalter Februarabend in Wien, 33.637 Zuschauer im Stadion, und doch war es Blau-Gelb Wien, das die Szenerie zum Glühen brachte. Mit einem furiosen 4:0 gegen Neusiedl am See zeigte die Mannschaft von Trainer Patrick Jurkovitz am 15. Spieltag der 1. Liga Österreich, wer in dieser Liga das Heft des Handelns in der Hand hält. Schon nach einer Viertelstunde war klar, wohin die Reise an diesem Abend gehen würde. Tyler MacMillan, der quirlig-schnelle Rechtsaußen, zog nach innen, bekam den Ball vom erst 17-jährigen Luca Albrecht serviert - und hämmerte das Leder trocken ins rechte Eck. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", grinste MacMillan später. "Wenn du einmal so einen Ball triffst, fragst du dich höchstens, warum das nicht immer so klappt." Neusiedl wirkte überrascht, fast ein wenig beleidigt ob der Dreistigkeit des Gegners. Doch ehe sie sich sortieren konnten, klingelte es schon wieder. In der 26. Minute war es erneut MacMillan, diesmal nach feinem Zuspiel von Julius Adler, der das 2:0 erzielte. Trainer Jurkovitz, sonst ein Mann der stillen Gesten, reckte die Faust gen Flutlicht und murmelte etwas, das wohl "Na also!" hieß. Neusiedl mühte sich, hatte mit 51 Prozent sogar leicht mehr Ballbesitz, aber das war an diesem Abend so wirkungsvoll wie ein Regenschirm im Schneesturm. Ihre wenigen Chancen - vier Torschüsse insgesamt - versandeten in den Handschuhen von Ricardo Valdes, dem Wiener Torhüter-Veteranen, der sich nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern beschwerte: "Ich hätte mir eine Decke mitnehmen sollen. Mir war kalt da hinten." In der zweiten Halbzeit legten die Wiener nach, als wollten sie die Statistikabteilung gleich mit versenken. Inigo Velez traf in der 50. Minute zum 3:0, eingeleitet von einem herrlichen Pass seines Sturmkollegen Jorge Exposito. "Das war so ein Ball, da musst du nur noch Danke sagen", meinte Velez trocken. Und tatsächlich: Expositos Querpass war so präzise, dass man ihn fast hätte einrahmen können. Neusiedl tauchte noch einmal kurz auf, ein Schuss von Gabri del Rio in der 46. Minute flog knapp über die Latte. Ihr Trainer, dessen Name das Protokoll verschluckte, schüttelte an der Seitenlinie nur den Kopf und rief: "Spielt doch einfach Fußball!" - ein Satz, der in der 71. Minute bitteren Nachgeschmack bekam. Denn da war es Guillermo Assis, der junge Linksfuß der Wiener, der den Ball überlegt ins lange Eck schob. Wieder war Julius Adler der Passgeber, der an diesem Abend wohl die halbe Stadt Wien mit Zuckerpässen versorgt hätte, wäre das Spiel länger gegangen. Die letzten zwanzig Minuten wurden zur Kür. Jurkovitz brachte drei Teenager - Meik Schöne (17), Karl Stahl (17) und erneut Luca Albrecht (17) durfte kurz glänzen - und ließ sie laufen, als ginge es um den Schulausflug des Jahres. Schöne prüfte Neusiedl-Keeper Philip König gleich zweimal, während Stahl auf der rechten Seite so unbekümmert dribbelte, als hätte er in der Pause die Nervosität einfach im Spind vergessen. "Ich wollte den Jungen zeigen, dass man auch mit Spaß Fußball spielen darf", sagte Jurkovitz nach dem Spiel und grinste. "Und wenn’s 4:0 steht, ist das der beste Moment dafür." Die Statistik sprach am Ende eine klare, aber auch kuriose Sprache: 48,6 Prozent Ballbesitz für Wien, 51,4 für Neusiedl - doch die Torschussbilanz 14:4. Effektivität in Reinkultur also. Zwei Gelbe Karten für die Heimelf (die Jungspunde Albrecht und Domanico), aber keine Hektik, kein Gezeter - nur Spielfreude. Als der Schlusspfiff ertönte, stand das Stadion Kopf. Die Fans sangen, MacMillan klatschte in die Menge, und irgendwo auf der Bank grinste Torwart Valdes, der tatsächlich eine Decke um die Schultern hatte. "Wenn wir so weitermachen", meinte er, "brauchen wir bald Sonnencreme statt Handschuhe." Ein 4:0-Sieg, der in seiner Leichtigkeit fast unanständig wirkte - und ein Abend, an dem Blau-Gelb Wien bewies, dass Fußball manchmal ganz einfach sein kann: mit Mut, Tempo und einem Schuss jugendlicher Frechheit. Und Neusiedl? Wird sich wohl fragen, wie man 51 Prozent Ballbesitz haben kann und trotzdem aussieht, als hätte man das Spiel nie wirklich betreten. Doch so ist Fußball. Manchmal gewinnt eben der, der weniger hat - nur eben das Richtige. 08.11.643990 03:04 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
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