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Es war eine jener Wiener Nächte, in denen Fußballfans auf ihre Kosten kommen - 39.782 Zuschauer im Stadion, Flutlicht, frostige Luft, und 22 Männer, die sich nichts schenkten. Blau-Gelb Wien besiegte am 5. Spieltag der 1. Liga Österreich den SC Bad Aussee mit 3:1, und das bereits nach einer ersten Halbzeit, die es in sich hatte. Dabei begann alles gar nicht so rosig für die Hausherren. Nach elf Minuten stand es 0:1. Felix Sundström, der rechte Mittelfeldmann der Gäste, schlich sich an den Strafraumrand, nahm den Pass von Nico Hinz mit und drosch den Ball - flach, präzise, unhaltbar - ins lange Eck. Torwart Ricardo Valdes streckte sich vergeblich. "Ich hab ihn noch an den Fingerspitzen gespürt", knurrte Valdes später, "aber das war so ein Schuss, der dich in der Nacht noch mal aufwachen lässt." Doch wer Blau-Gelb Wien kennt, weiß: Rückschläge sind für sie so etwas wie ein Weckruf. Ab Minute 20 rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Claus Persson. 22 Torschüsse sollten es am Ende werden, und irgendwann musste es krachen. In der 27. Minute legte Marko Raab mustergültig quer, Jacob Naumann blieb eiskalt - Ausgleich. "Ich hab nur geschaut, dass ich den Fuß richtig halte", grinste Naumann, "und diesmal hat er mich sogar gehört." Danach spielte Wien wie entfesselt. Jorge Exposito, der linke Flügelstürmer mit dem Charme eines südamerikanischen Straßenkickers, machte in der 39. Minute das 2:1 - artistisch, nach Vorlage von Jean-Pierre Baptiste. Der Ball zappelte im Netz, und Exposito rutschte jubelnd auf den Knien in Richtung der Fankurve. "Ich wollte eigentlich gar nicht rutschen", lachte er später, "aber der Rasen hat mich einfach eingeladen." Nur drei Minuten später war es wieder Naumann, der die Partie endgültig drehte. Salvador Xuarez flankte von links, Naumann stieg hoch, köpfte wuchtig ein - 3:1. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend, und Trainer Patrick Jurkovitz klatschte an der Seitenlinie so heftig, dass man um seine Handflächen fürchten musste. "Wir haben einfach auf unsere Chance gewartet", erklärte der Coach nach dem Abpfiff. "Nach dem frühen Rückstand war klar, dass wir die Ruhe behalten mussten. Und Jacob hat heute gezeigt, warum er unser Unterschiedsspieler ist." Die zweite Halbzeit verlief dann deutlich ruhiger - zumindest was die Tore betrifft. Blau-Gelb kontrollierte Ball und Gegner (Ballbesitz 55 %), während Bad Aussee zwar kämpfte, aber kaum noch gefährlich wurde. Nur vier Schüsse aufs Tor brachten die Gäste zustande. Das sagt alles. "Wir haben viel probiert", meinte SC-Trainer Julyan Acen mit hängenden Schultern, "aber nach dem 1:3 war bei uns ein bisschen die Luft raus." Es blieb dennoch unterhaltsam: Michail Borimirow sah bereits in der 17. Minute Gelb, Jorge Exposito in der 80., Marko Raab in der Nachspielzeit - offenbar wollte jeder einmal im Notizblock des Schiedsrichters auftauchen. Auf der Gegenseite kassierten Lubos Bejbl (68.) und Oliver Ritter (72.) ebenfalls Gelb, was Trainer Acen nur trocken kommentierte: "Unsere Jungs wollten wenigstens farblich mithalten." In der 71. Minute gab es noch eine rührende Szene: Torwart Valdes wurde ausgewechselt, der 17-jährige Jürgen Röder durfte ran - sein Debüt vor fast 40.000 Zuschauern. "Ich hab die Knie gar nicht mehr gespürt", sagte der Nachwuchskeeper später strahlend. "Aber Valdi hat mir zugerufen: ’Nur nicht über die Linie stolpern!’" Blau-Gelb nahm in den Schlussminuten das Tempo raus, Jurkovitz brachte mit Aksel Ebbesen (18) und Liam Unger (ebenfalls 18) zwei weitere Youngster. Ein klares Signal: Die Wiener wollen nicht nur die Gegenwart gewinnen, sondern auch die Zukunft aufbauen. Taktisch blieb Jurkovitz seiner Linie treu - ausgewogen, ballsicher, kein wildes Pressing, aber stets die Kontrolle. Sein Gegenüber Acen setzte auf kämpferische Balance und Konter, doch am Ende fehlte dem SC Bad Aussee schlicht die Durchschlagskraft. Als der Schlusspfiff ertönte, stand es immer noch 3:1 - das Ergebnis war längst in Stein gemeißelt. Die Fans feierten ihre Helden, während Naumann mit einem Augenzwinkern in die Kameras sagte: "Ich hätte gern noch einen gemacht, aber man soll ja nicht gierig werden." Fazit: Blau-Gelb Wien zeigte, dass man auch ohne viel Spektakel begeistern kann - mit klarem Kopf, feinem Passspiel und einem Stürmer, der weiß, wo das Tor steht. Bad Aussee hielt tapfer dagegen, doch am Ende blieb ihnen nur die Erkenntnis: In Wien ist der Platz für Geschenke knapp. Und irgendwo im Stadionflutlicht lächelte Patrick Jurkovitz zufrieden - vielleicht, weil er wusste, dass er an diesem Abend nicht nur drei Punkte, sondern auch ein bisschen Ruhe für die nächsten Presserunden gewonnen hatte. 06.03.643987 09:18 |
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft