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Ein kalter Januarabend, Flutlicht über dem Parken-Stadion, und 16.000 Kopenhagener, die sich warm klatschen durften - denn ihr SC Kopenhagen zeigte am 28. Spieltag der 1. Liga Dänemark eine Vorstellung, die man wohlwollend als "souverän" und weniger wohlwollend als "eine Ein-Mann-Show von Bjarke Thomsen" bezeichnen darf. Am Ende steht ein 3:0 über den SC Roskilde, das ebenso verdient war wie erwartet. Schon nach einer Viertelstunde begann der Abend für die Gäste aus Roskilde, die mit einer blutjungen Truppe anreisten, in den bekannten dänischen Farben zu verlaufen: in Blau und Weiß - aber mit roten Köpfen. Bjarke Thomsen, der flinkfüßige Linksaußen der Gastgeber, nutzte einen präzisen Pass von Roberto Hernando und spitzelte den Ball ins lange Eck. 1:0, und der Rest des Spiels fühlte sich für Roskilde an wie eine besonders unangenehme Wiederholung. "Bjarke war heute einfach überall", grinste SC-Trainer Abe Boy später, während er sich demonstrativ den Schweiß von der Stirn wischte, "selbst in der Kabine hätte ich ihn noch erwartet, wenn er nicht draußen Tore geschossen hätte." Roskilde hingegen wirkte überfordert, wenn auch bemüht. Trainer Verti Bogts hatte seine Elf offensiv eingestellt, vermutlich in der Hoffnung, dass jugendlicher Mut die fehlende Routine wettmachen würde. Doch der Plan endete meist an der Strafraumgrenze oder in den sicheren Händen des Kopenhagener Torwarts Albert Mocana, der einen recht entspannten Arbeitstag verlebte. Ganze vier Torschüsse verzeichnete Roskilde - das ist weniger ein Angriff als ein höflicher Hinweis, dass man auch mitspielen möchte. Im zweiten Durchgang spielte Kopenhagen weiter kontrolliert, fast gelangweilt dominant. Der Ballbesitz lag mit 50,6 Prozent nur knapp über dem der Gäste, doch das täuscht: Die entscheidenden Aktionen gehörten klar den Hauptstädtern. Das Mittelfeldduo Hoj und Bendixen diktierte das Tempo, während Thomsen und Bendtsen vorn ihre Gegenspieler regelmäßig in die falsche Richtung schickten. In der 71. Minute dann wieder Thomsen - diesmal nach einer Flanke von Rechtsverteidiger Kim Frandsen. Mit der Präzision eines Uhrmachers und der Kaltblütigkeit eines Eisbären versenkte er den Ball zum 2:0. Während die Fans jubelten, grinste Thomsen nur schief und sagte später: "Ich hab eigentlich daneben zielen wollen, aber der Ball hatte andere Pläne." Roskilde reagierte mit dem Mut der Verzweiflung - offensiv, aber harmlos. Ein Schuss des 17-jährigen Luka Fischer in der 87. Minute sorgte kurz für ein Raunen, das aber bald in erleichtertes Lachen überging, als Mocana den Ball sicher fing. Und als alle schon an den Glühwein dachten, kam Jan Bendtsen in der 90. Minute noch einmal angerauscht. Nach einem Abpraller stand er goldrichtig und machte den Deckel drauf - 3:0. Der Jubel war groß, der Torjubel routiniert, und Bendtsen meinte anschließend mit einem Augenzwinkern: "Ich wollte eigentlich nur klären, aber na ja - wenn er halt reinfliegt…" Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - 12 zu 4 Torschüsse, 51 zu 49 Prozent Ballbesitz, aber das sagt, wie so oft, gar nichts über die Geschichte auf dem Rasen. Kopenhagen kontrollierte, Roskilde reagierte. Die jungen Gäste wirkten phasenweise überfordert, aber nie mutlos. Trainer Bogts sagte nach dem Spiel: "Unsere Jungs haben gelernt, was Tempo bedeutet. Nächste Woche lernen sie vielleicht, wie man damit umgeht." Kopenhagens Coach Abe Boy hingegen zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Das war solide, mehr nicht. Wir haben’s ruhig runtergespielt, aber wir müssen konsequenter werden - drei Tore sind schön, aber da war mehr drin." Ein Satz, der die Perfektionistenmentalität eines Teams zeigt, das sich im oberen Tabellendrittel festgesetzt hat. Fazit: SC Kopenhagen spielte, als sei das Ergebnis nie wirklich in Gefahr gewesen - und war es auch nicht. Roskilde darf immerhin sagen, dass sie sich nicht versteckt haben, auch wenn das Resultat anderes vermuten lässt. Und wenn man ehrlich ist: An einem Abend, an dem Thomsen in dieser Form aufläuft, hätten wohl selbst gestandene Profis ihre liebe Not gehabt. Oder wie ein Fan beim Hinausgehen sagte: "Wenn der Bjarke jetzt auch noch Flügel kriegt, können wir das Stadiondach gleich aufmachen." Ein Satz, der den Abend ziemlich gut zusammenfasst. 09.12.643987 03:52 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll