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Ein lauer Abend in Sevilla, Flutlicht, 36.000 Zuschauer, die Sonne war gerade hinter den Tribünen verschwunden - und dann legte Bites Sevilla los, als hätte Trainer Hamudi Salman heimlich Energydrinks ins Pausenwasser gemischt. Nur: Das Tor fiel trotzdem zuerst auf der anderen Seite. Am Ende stand ein 1:1, das beiden Teams zu gleichen Teilen schmeichelte und ärgerte. Atletic Barcelona, trainiert vom charismatischen Mad Max (ja, der Name ist Programm), begann mutig. Schon in der 15. Minute prüfte Alex Montanés den Heimkeeper Frank Seiler mit einem satten Schuss, der die Handschuhe des 34-jährigen fast zum Glühen brachte. Und als die Sevillaner-Abwehr noch überlegte, wer eigentlich für Jorge Ramallo zuständig ist, hatte der 30-Jährige in der 24. Minute schon getroffen - ein präziser Schuss aus der zweiten Reihe, vorbereitet von Emilio Panero, der den Ball mit chirurgischer Präzision in den Lauf seines Kollegen legte. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Ramallo nach dem Spiel, "manchmal muss man nicht denken, nur treffen." Sein Trainer Mad Max nickte zufrieden: "Er hat das gemacht, was wir von ihm erwarten - Tore schießen und nicht philosophieren." Sevilla wirkte nach dem Rückstand kurz wie ein Boxer, der einen unerwarteten Haken kassiert hat. Corey Carter und Alejandro Xuarez versuchten es immer wieder, doch die Abschlüsse verpufften - elf Torschüsse am Ende, aber bis zur 70. Minute kein Ertrag. Dazwischen eine Gelbe Karte für Filipe Custodio, der in der 9. Minute meinte, dass man den Ball auch mit der Schulter UND dem Gegner gleichzeitig spielen darf. Dann kam der große Auftritt von Guillermo Postiga. 70. Minute, Flanke von - natürlich - Xuarez, der mit 36 Jahren immer noch Flügelrennen läuft wie ein Teenager. Postiga nahm den Ball volley, und das Stadion explodierte. 1:1. Ein Treffer, der so sauber war, dass man ihn am liebsten einrahmen würde. "Ich hab Alejandro nur zugerufen: ’Mach ihn scharf!’ Und er hat geliefert", sagte Postiga später lachend. Die letzten 20 Minuten waren ein wildes Hin und Her. Atletic Barcelona setzte auf lange Bälle, brachte mit Ethan Payne frische Beine, während Sevilla versuchte, das Spiel zu beruhigen - was ungefähr so gut funktionierte wie ein Regenschirm im Sturm. Montanés hatte in der 89. Minute noch einmal die große Chance auf den Sieg, schoss aber so knapp drüber, dass Mad Max an der Seitenlinie die Hände über dem Kopf zusammenschlug und murmelte: "Ich bestell ihm morgen extra Schusstraining." Statistisch gesehen hätte man denken können, Barcelona hätte leicht die Nase vorn: 12 Torschüsse, leicht bessere Zweikampfquote, offensivere Ausrichtung. Aber der Ballbesitz sprach für Sevilla - 54 Prozent, und das mit einer Balance, die an kontrollierte Langeweile erinnerte. "Wir wollten geduldig bleiben", erklärte Trainer Salman. "Leider blieb dann auch der Sieg geduldig." Die 36.000 Zuschauer im Estadio de los Bites gingen trotzdem nicht enttäuscht nach Hause. Sie hatten ein Spiel gesehen, das zwar keine taktische Offenbarung war, aber Unterhaltung bot - mit Emotionen, lautem Fluchen, schnellen Flügeln und einem Ergebnis, das am Ende gerecht war. Ein kleines Highlight am Rande: Torwart Frank Seiler, der in der Schlussphase einen gefährlichen Freistoß von Ramallo entschärfte, brüllte danach in Richtung seiner Abwehr: "Ihr könnt euch ruhig auch mal bedanken!" - woraufhin Innenverteidiger Marwin Deschanel trocken antwortete: "Mach erst mal weiter so, dann vielleicht." Als der Schlusspfiff ertönte, sah man zwei Trainer mit völlig verschiedenen Emotionen: Mad Max, der wütend auf die Uhr starrte, als hätte sie ihm den Sieg gestohlen, und Hamudi Salman, der seinem Assistenten zuflüsterte: "Na, wenigstens kein Chaos heute." Ein 1:1 also - eines dieser Ergebnisse, das man am nächsten Tag in der Tabelle sieht und denkt: "Ja, passt schon." Für Atletic Barcelona bedeutet es ein kleiner Dämpfer im Aufstiegsrennen, für Bites Sevilla ein weiterer Punkt im Kampf um die obere Tabellenhälfte. Und für die Zuschauer? Ein Abend voll Fußball, Emotionen und der Erkenntnis, dass man auch mit 36 Jahren (hallo, Alejandro Xuarez!) noch Flanken schlagen kann, die Geschichte schreiben. Oder, wie Torheld Postiga es beim Rausgehen formulierte: "Wenn wir nächste Woche so spielen wie in der zweiten Halbzeit, dann wird’s drei Punkte geben - hoffentlich diesmal ohne Herzstillstand." Ein Spiel, das keiner so schnell vergisst - nicht, weil es perfekt war, sondern weil es so schön unperfekt war. 09.12.643987 04:38 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme