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Wenn 6500 Zuschauer an einem frostigen Januarabend ins Stadion pilgern, hoffen sie auf ein kleines Fußballfeuerwerk. Was sie beim 0:2 (0:1) zwischen Bayern Hof und dem FC Bensheim am 15. Spieltag der 3. Liga zu sehen bekamen, war allerdings eher ein Lehrstück in Geduld, Effizienz - und Frustration. Die Gäste aus Bensheim, angeführt von Trainerin Jana Meiners, spielten von Beginn an, als hätten sie sich den Neujahrsvorsatz "mehr Torschüsse" ganz oben auf die Liste geschrieben. 23 Schüsse auf das Tor - das ist fast schon ein Bewerbungsschreiben für eine Torwartklinik. Hof dagegen brachte es auf magere vier Versuche und sah sich über weite Strecken in der eigenen Hälfte eingesperrt. Dabei begann alles gar nicht so hoffnungslos. Die ersten Minuten waren ein hektisches Abtasten, ein bisschen wie beim Schach - nur dass die Figuren ständig umfielen. Doch dann, in der 22. Minute, packte Tom Krebs aus 20 Metern den Hammer aus. Der 37-jährige Mittelfeldstratege traf mit einem trockenen Schuss ins rechte Eck - unhaltbar für Hofs jungen Keeper Nevio Schröder. "Ich dachte erst, der Ball wäre schon vorbei, dann hatte ich plötzlich die Arme voller Luft", sagte Schröder später mit einem gequälten Lächeln. Der Jubel der Bensheimer war so routiniert wie das Spiel selbst. Nevio Santos, der die Vorlage geliefert hatte, klopfte seinem Kollegen auf die Schulter und grinste: "Tom rennt nicht mehr viel, aber wenn, dann meistens Richtung Tor." Hof versuchte zu antworten, aber was immer sie versuchten - es blieb Stückwerk. Louis Frey prüfte den Bensheimer Keeper Christopher Jones in der 35. Minute mit einem satten Schuss, doch der 36-Jährige parierte souverän. Danach spielte fast nur noch das Team in Weiß und Blau. Özgen, Beauvilliers, Kabze - sie schossen aus allen Lagen, als wollten sie die Statistikabteilung beschäftigen. Trainerin Meiners blieb dennoch auffällig ruhig an der Seitenlinie. "Ich hatte das Gefühl, wir könnten noch drei Stunden spielen, ohne dass der zweite Treffer fällt", sagte sie später. "Dann hat Poyraz mich eines Besseren belehrt." In der 79. Minute war es soweit: Wieder war Tom Krebs beteiligt, diesmal als Vorlagengeber. Mit einem eleganten Pass in die Tiefe fand er den 38-jährigen Poyraz Özgen, der mit der Ruhe eines Mannes abschloss, der schon alles gesehen hat. 2:0. Das Spiel war entschieden, auch wenn Hof noch ein paar verzweifelte Versuche startete - Nico Reich in der 90. Minute scheiterte an Jones, Tom Walther kurz zuvor ebenfalls. Die Zahlen am Ende erzählten eine klare Geschichte: 51,6 Prozent Ballbesitz für Bensheim, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 23 Torschüsse - gegen vier von Hof. Eine Machtdemonstration, auch wenn die Taktik beider Teams offiziell als "offensiv" geführt wurde. Bei Hof klang das allerdings eher nach Hoffnung als nach Realität. "Wir wollten offensiv spielen", murmelte ein sichtlich bedienter Bayern-Coach nach Abpfiff, "aber irgendwie war der Ball ständig bei denen." Ein anonymer Spieler fügte mit Galgenhumor hinzu: "Wir hatten auch viel Ballbesitz - beim Einwurf." Bensheim hingegen klettert mit diesem Sieg weiter nach oben und darf wieder vom Aufstieg träumen. Das Team wirkt eingespielt, erfahren und erstaunlich gelassen. Besonders die alten Hasen wie Krebs und Özgen zeigen, dass Tempo zwar vergeht, Übersicht aber bleibt. Auf der Tribüne hörte man nach dem Schlusspfiff einen älteren Hof-Fan sagen: "Früher hätt’s dafür wenigstens noch einen Platzsturm gegeben." Doch diesmal blieb es bei höflichem Applaus - und vielleicht der Erkenntnis, dass an diesem Abend einfach die bessere Mannschaft gewonnen hat. Bensheim reist mit breiter Brust zurück in den Süden, Hof bleibt mit hängenden Köpfen und eingeschlafener Offensive zurück. Immerhin: Der Glühwein war heiß, und die Abwehr hielt zumindest 21 Minuten dicht. Am Ende, so könnte man sagen, war es ein Spiel wie ein Winterabend - kalt, klar und gnadenlos ehrlich. Und irgendwo in der Kabine von Bayern Hof soll man gehört haben, wie jemand seufzte: "Vielleicht hätten wir uns doch den Neujahrsvorsatz ’mehr Tore’ vornehmen sollen." 30.06.643987 04:05 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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