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Es war einer dieser Abende in Larissa, an denen der Ball einfach nicht ins Tor wollte - bis Agisilaos Basinas kurz vor dem Halbzeitpfiff beschloss, dass es nun genug sei mit dem Chancenwucher. Mit seinem satten Linksschuss in der 45. Minute sicherte der 28‑jährige Flügelspieler AEL Athen den knappen, aber verdienten 1:0‑Heimsieg gegen Astra Tripolis. 24 587 Zuschauer im Alkazar‑Stadion feierten das Tor, als hätte es die Meisterschaft entschieden. Dabei war das Spiel von Beginn an einseitiger, als es das Ergebnis vermuten lässt. AEL hatte 61 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse und eine Passquote, die jedem Statistikliebhaber feuchte Augen beschert hätte. Astra Tripolis dagegen kam lediglich auf sieben Abschlüsse - und die meisten davon wurden von Torhüter Tyler Hannigan mit einer Mischung aus Routine und gelangweilter Eleganz entschärft. "Ich musste mir zwischendurch die Handschuhe anpusten, um sicherzugehen, dass ich überhaupt noch da bin", witzelte Hannigan nach dem Abpfiff. Die Gäste aus Tripolis begannen mit forschen Kontern. Schon in der dritten Minute prüfte Thomas Albers den Athener Keeper mit einem strammen Schuss aus 20 Metern - der erste und letzte ernsthafte Versuch im ersten Durchgang. Danach übernahm AEL das Kommando. Anargiros Lagonikakis scheiterte in der 4. und 34. Minute knapp, der auffällige Rechtsaußen Anthimos Athanasiadis drosch den Ball in der 8., 10. und 27. Minute über das Ziel hinaus. "Wir hätten zur Pause 3:0 führen müssen", knurrte Trainer Ryan Mystery in der Pressekonferenz, "aber meine Jungs wollten wohl Spannung für die Fans." Diese Spannung kulminierte in der 45. Minute, als Sotirios Fotilas mit einem feinen Steckpass Basinas bediente. Der zog von links in die Mitte und schlenzte den Ball unhaltbar an Keeper Hartmut Breuer vorbei ins rechte Eck. "Ich habe einfach gespürt, dass es Zeit war", grinste Basinas, während er noch den Rasenklumpen vom Schuh klopfte. In der zweiten Hälfte blieb das Bild gleich: Athen dominierte, Tripolis konterte - theoretisch. Praktisch kamen sie selten über die Mittellinie hinaus. Trainer Kostas Karagounis reagierte nach einer Stunde mit einem Dreifachwechsel, brachte frische Beine wie Branko Lomic und Manuel Morais, doch auch die konnten dem Spiel keine Wende geben. "Wir hatten den Plan, Athen laufen zu lassen", erklärte Karagounis mit einem Gesichtsausdruck, der verriet, dass der Plan bereits in der 20. Minute gestorben war. AEL spielte weiter druckvoll, ohne das zweite Tor zu finden. Pagalis, Ioannidis, Iosifidis - sie alle versuchten ihr Glück, doch Breuer im Tor der Gäste hielt, was zu halten war. Als sich in der 74. Minute Takis Samaras und kurz darauf Valantios Ioannidis Gelb abholten, wurde es kurz hitzig. "Da war mehr Emotion als Gefahr", kommentierte der Schiedsrichter später trocken. In der Schlussphase brachte Coach Mystery den jungen Portugiesen Jose Maria Costinha, der in der Nachspielzeit gleich zwei gute Chancen hatte (94. und 96. Minute). Sein Schuss in der 94. Minute strich Zentimeter am Pfosten vorbei - der Trainer schlug dabei theatralisch die Hände über dem Kopf zusammen. "Wenn der reingeht, hätte ich mich selbst ausgewechselt", scherzte Mystery anschließend. Tripolis warf in den letzten Minuten alles nach vorn, kam aber nur noch zu einem harmlosen Versuch von Ramon Espriu in der 95. Minute. Der Ball flog so weit über das Tor, dass ein Balljunge ihn mit einem ironischen Applaus verabschiedete. "Das war bezeichnend für unseren Abend", seufzte Espriu später, "viel Aufwand, wenig Ertrag." Taktisch zeigte sich AEL über weite Strecken ausgeglichen und kontrolliert. Erst in der Schlussphase, als der Druck wuchs, stellte Mystery auf langes Passspiel und aktives Pressing um - eine riskante, aber wirkungsvolle Maßnahme, um Tripolis vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Karagounis dagegen blieb seiner Konterphilosophie treu, auch wenn die Konter eher an Sonntagsausflüge erinnerten. Nach dem Abpfiff feierte AEL den zweiten Heimsieg der Saison und kletterte in der Tabelle nach oben. Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit langem Applaus, während Basinas noch Autogramme schrieb. "Ein dreckiges 1:0", sagte Kapitän Fotilas, "aber manchmal ist das schöner als ein 4:0 ohne Schweiß." Ein sarkastischer Beobachter fasste den Abend treffend zusammen: "AEL Athen hat gewonnen, Astra Tripolis hat überlebt, und der Schiedsrichter musste sich wenigstens nicht langweilen." Manchmal braucht Fußball eben nicht viele Tore - nur einen Moment, in dem einer wie Basinas beschließt, die Geschichte zu schreiben. 26.07.643990 20:42 |
Sprücheklopfer
Er hatte plötzlich Sehstörungen. Vielleicht hat er deshalb das Tor getroffen.
Matthias Sammer über Lars Ricken, der nach einen Zusammenprall ein Tor schoss und dann mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ausgewechselt werden musste