// Startseite
| Marca |
| +++ Sportzeitung für Spanien +++ |
|
|
|
UD Gijon gegen SC Barcelona - das klang nach einem möglichen Fußballfest an einem kühlen Februarabend, doch am Ende blieb es beim Minimalismus: 0:1 lautete das Ergebnis nach 90 Minuten, ein Tor des quirligen Daniel Velazquez in der 50. Minute entschied eine Partie, die mehr Spannung als Glanz bot. 36.000 Zuschauer im Estadio del Norte sahen eine Begegnung, die symptomatisch war für Barcelonas Saison: kontrolliert, dominant, aber ohne funkelnde Leichtigkeit. Schon früh zeichnete sich ab, wer hier den Ton angeben würde. Emilio Zapatero begann die Partie, als wolle er das Tornetz persönlich durchlöchern - in den ersten fünf Minuten gleich drei Abschlüsse, keiner davon im Ziel. "Ich dachte, irgendwann muss der Ball ja mal rein", grinste er nach dem Spiel, "aber Daniel hat’s dann freundlicherweise übernommen." UD Gijon dagegen stand tief, organisierte sich tapfer, und Torhüter James Baird hatte einen dieser Abende, an denen er zwischen Genie und Wahnsinn pendelte. In der 10. Minute fischte er einen gefährlich flatternden Schuss von Barcelonas Alejandro Linares aus dem Winkel, um kurz darauf einen Rückpass beinahe selbst ins Tor zu befördern - der Ball kullerte Zentimeter am Pfosten vorbei, und die Tribüne hielt kollektiv den Atem an. "Ich wollte’s spannend halten", scherzte Baird später mit einem schiefen Lächeln. Die erste Halbzeit endete torlos, aber keineswegs ereignislos. Gelbe Karten für Gijons Alfonso Semprun (18.) und Barcelonas Velazquez (38.) zeugten davon, dass man sich nichts schenkte. Gijon versuchte es gelegentlich mit schnellen Vorstößen über den jungen Andre Schenk, doch Barcelonas Innenverteidiger Nael Hierro räumte kompromisslos ab - manchmal mit Ball, manchmal ohne. Dann kam die 50. Minute: Agustin Adao setzte sich im Mittelfeld energisch durch, steckte präzise auf Velazquez durch, der aus halblinker Position flach ins lange Eck abschloss - 0:1. Es war der Moment, in dem das Spiel entschieden wurde. "Ich hatte das Gefühl, der Ball hat mich gefunden, nicht umgekehrt", sagte Velazquez bescheiden, "aber gut, einer musste es ja machen." Gijon versuchte zu antworten, doch die Offensivbemühungen blieben sporadisch. Drei Torschüsse - das ist die nüchterne Bilanz eines Abends, an dem man sich mehr um Schadensbegrenzung als um Spektakel bemühte. Barcelonas 17 Abschlüsse dagegen sprachen eine deutliche Sprache, auch wenn die Ausbeute mager blieb. In der 79. Minute wurde es kurz dramatisch: Roberto Puerta blieb nach einem Zweikampf mit Barcelonas Leblanc liegen, fasste sich ans Knie und musste ausgewechselt werden. Für ihn kam Marko Berger - ein Verteidiger für einen Mittelfeldspieler, was Gijons Ambitionen endgültig dämpfte. Trainer Walter Temmel vom SC Barcelona winkte da nur kurz ab: "Das passiert, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht. Wir mussten nur geduldig bleiben." Gegen Ende drückte Barcelona noch einmal. Zapatero versuchte es in der 80. Minute mit einem Volley aus der Drehung - sehenswert, aber zu zentral. Faas Vanderwerken, der linke Außenverteidiger mit der Schusstechnik eines Kanoniers, prüfte Baird in der 88. und 93. Minute, doch der Keeper hielt, als ginge es um seine Karriere. So blieb es beim knappen 0:1, das in seiner Trockenheit fast britischen Understatement-Charme hatte. Ballbesitz? 56 Prozent für Barcelona. Torschüsse? 17 zu 3. Zweikampfquote? 57 zu 43. Kurz: Die Zahlen sagten alles, nur das Ergebnis sagte wenig. Nach dem Schlusspfiff zeigte sich Gijons Trainer - der Name blieb geheimnisvollerweise ungenannt, vielleicht wollte er einfach nicht reden - tief enttäuscht. "Wir haben uns teuer verkauft", meinte er knapp, "aber gegen so eine Ballmaschine wie Barcelona musst du irgendwann nachgeben." Temmel dagegen sah das pragmatisch: "Das war kein schönes Spiel, aber die Tabelle fragt nicht nach Schönheit. Wir nehmen die drei Punkte, packen sie ein und fahren heim." Und so endete ein Abend, an dem Barcelona eher arbeitete als zauberte, und Gijon tapfer, aber glücklos blieb. Vielleicht das passende Sinnbild für modernen Fußball: viel Kontrolle, wenig Chaos - und ein Tor genügt. Oder, wie ein älterer Herr auf der Tribüne beim Hinausgehen murmelte: "Früher war mehr Lametta - aber wenigstens haben sie gewonnen." 07.08.643990 10:28 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll