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52.000 Zuschauer im Camp Nou sahen am Dienstagabend ein Spiel, das sich erst spät entschied - und dann gleich zweimal drehte. Am Ende trennten sich der SC Barcelona und UD Gijon mit 2:2, ein Ergebnis, das beide Lager mit gemischten Gefühlen verließ: Gijon jubelte über einen Auswärtspunkt, Barcelona haderte mit der eigenen Effizienz und einem hitzköpfigen Mittelfeldmann. Die erste Halbzeit war ein Paradebeispiel für gepflegtes Mittelfeldgeplänkel. Barcelona spielte offensiv - zumindest auf dem Papier. Die Statistik listet 13 Torschüsse, gefühlt waren es doppelt so viele, die aber meist von Emilio Zapatero irgendwo in die dritte Etage des Camp Nou segelten. "Ich wollte Druck aufbauen", erklärte der Stürmer später schmunzelnd, "aber vielleicht war’s ein bisschen zu viel Druck unter dem Ball." Gijon dagegen vertraute seiner ausgewogenen Taktik, lauerte auf Fehler und kam mit fünf Torschüssen gefährlich nahe. Besonders auffällig: Rechtsaußen Roberto Puerta, der sich früh als Unruhestifter entpuppte. Schon in der 15. Minute prüfte Oliver Henning Barcelonas Keeper Eduardo Contreras, der mit einer sehenswerten Parade glänzte. Sein Trainer Walter Temmel klatschte an der Seitenlinie - halb Beifall, halb Erleichterung. Nach torloser erster Hälfte änderte sich das Bild kaum - bis zur 64. Minute. Alfonso Semprun, bis dahin eher unauffällig, zog auf links an, flankte maßgenau in den Strafraum, und Puerta traf volley zum 0:1. Es war eines dieser Tore, bei denen man weiß, dass der Ball schon auf halbem Weg unhaltbar ist. "Ich habe nur gehofft, dass er nicht über’s Stadiondach geht", grinste Puerta nach dem Spiel. Das Gegentor weckte Barcelona endlich auf. Nur zwölf Minuten später schlug Alejandro Linares zurück: Nach einem beherzten Vorstoß des Linksverteidigers Pau Menendo kam der Ball in den Strafraum, Linares drehte sich elegant und versenkte flach ins rechte Eck - 1:1. Das Stadion explodierte, Trainer Temmel schrie seine Spieler nach vorne: "Jetzt haben wir’s doch!", rief er, als hätte er kurz vergessen, dass noch 15 Minuten zu spielen waren. Doch dann kam wieder dieser Puerta. In der 84. Minute schnappte er sich einen Abpraller und traf erneut - 1:2. Für einen Moment war das Camp Nou still, nur der kleine Gästeblock aus Asturien tobte. "Wir haben das Spiel in der Hand", jubelte Gijon-Coach sinnbildlich an der Seitenlinie - nur, um kurz darauf das Gegenteil zu erleben. Denn obwohl Barcelona ab der 81. Minute in Unterzahl spielte - Francisco Cascon hatte sich erst Gelb (59.) und dann Gelb-Rot (81.) abgeholt, weil er offenbar dachte, dass Schiedsrichterdiskussionen zum Pflichtprogramm gehören -, gaben die Katalanen nicht auf. In der 89. Minute, als viele Zuschauer schon auf dem Weg zum Ausgang waren, schlug wieder Linares zu. Nach einer Kopfballablage von Roberto Bermudez drosch der Stürmer den Ball aus kurzer Distanz ins Netz. 2:2. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und gehofft, dass keiner im Weg steht", gab Linares später zu. Trainer Temmel dagegen war weniger entspannt: "Wir haben Moral gezeigt, ja. Aber wir müssen lernen, vorher zu treffen. Ich kann nicht jedes Mal eine Herzmassage auf der Bank bekommen." Gijon-Trainer - der sich nach dem Spiel nur mit einem knappen "Ein Punkt ist ein Punkt" zitieren ließ - dürfte innerlich ähnlich gedacht haben. Seine Mannschaft hatte 51,9 Prozent Ballbesitz, spielte diszipliniert, aber ließ sich von Barcelonas späten Druckphasen überrollen. Und so endete ein Spiel, das lange wie ein müdes 0:0 aussah, in einem dramatischen 2:2, das keiner so richtig einordnen konnte. Puerta und Linares stahlen sich gegenseitig die Show, Cascon sorgte für die Farbtupfer im Kartenregister, und 52.000 Zuschauer gingen mit dem Gefühl nach Hause, irgendwie alles gesehen zu haben - von Kunstschüssen bis Kurzschlussreaktionen. Vielleicht war es am Ende wie das ganze Spiel: nicht perfekt, aber herrlich unberechenbar. Oder, wie ein alter Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn sie so weitermachen, brauchen wir bald eine Stadion-Apotheke - für die Nerven." 14.06.643993 02:30 |
Sprücheklopfer
Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
Matthias Sammer