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Ein lauer Abend in Kingston, 52.162 Zuschauer im Stadion, und man hätte fast meinen können, Barbican FC wollte dem Publikum zeigen, wie man Fußball *fast* perfekt spielt. Fast - denn am Ende stand nur ein 1:1 gegen die Kingston Blues, die mit Glück, Geschick und einer gehörigen Portion Trotz einen Punkt aus der Hauptstadt entführten. Schon früh schien alles nach Plan für Barbican zu laufen. In der 12. Minute zog Emmanouil Gekas aus der zweiten Reihe ab, als hätte er ein Date mit der Latte - nur landete der Ball direkt darunter im Netz. Francoís Reacock hatte den Angriff mit einem präzisen Pass eingeleitet, und das Publikum tobte. "Ich hab einfach gespürt, dass der Ball kommen muss", grinste Gekas später, während er sich den Schweiß aus den Haaren wischte. "Und diesmal war der Ball tatsächlich drin - das ist ja nicht immer so bei mir." Barbican dominierte die erste Hälfte fast nach Belieben. 14 Torschüsse insgesamt, 55 Prozent Ballbesitz, und ein Gegner, der mehr mit Verteidigen als mit Fußballspielen beschäftigt war. Die Blues standen tief, konterten selten, und wenn, dann sah es aus, als würden sie lieber einen Bus parken, als das Tor zu suchen. Trainer Peter Heinze von Barbican kommentierte zur Pause trocken: "Wir hätten vielleicht noch zwei machen können, aber ich wollte die Jungs nicht verunsichern, indem ich das sage." Doch der Fußballgott liebt seine Ironie. Direkt nach Wiederanpfiff - 46. Minute - legten die Kingston Blues ihren ersten wirklich gefährlichen Angriff hin. David Lavoie flankte von rechts, Andre Conklin rauschte heran und köpfte den Ball in perfekter Flugbahn in den Winkel. 1:1 - aus dem Nichts. "Ich hab’ gar nicht geguckt, ehrlich", sagte Conklin nach dem Spiel lachend. "Ich hab einfach den Kopf hingehalten, und plötzlich jubelten alle in Blau." Barbican wirkte geschockt, als hätte jemand den Strom abgestellt. Die Zuspiele wurden ungenauer, die Beine schwerer. Und dann, in der 69. Minute, die Szene, die das Spiel endgültig auf den Kopf stellte: Lavoie, der Vorlagengeber, sah nach einem hart geführten Zweikampf mit James Peltier glatt Rot. Schiedsrichter Brown zückte ohne Zögern - und die Blues mussten mit zehn Mann weitermachen. Trainer Kevin Tüllinghoff schnaubte: "David hat den Ball gespielt. Ich schwöre, ich hab’s gesehen - durch meine Sonnenbrille!" Was dann folgte, war ein Lehrstück in heroischer Verteidigung. Kingston zog sich weit zurück, der frisch eingewechselte Ersatztorhüter Jacques Gramont - Henry Combe war zur Pause verletzt raus - wuchs über sich hinaus. In der 84. Minute kratzte er einen Schuss von Peltier aus dem Winkel, dass selbst die Barbican-Fans kurz klatschten. "Ich wusste gar nicht, dass Jacques so springen kann", witzelte Tüllinghoff später. "Normalerweise hebt er nur die Arme, wenn er Kaffee bestellt." Trotz Überzahl und Dauerdruck wollte der Ball nicht mehr ins Tor. Emilio Marco verzog knapp (57. Minute), Marc Grenier scheiterte gleich dreimal an Gramont (62., 66., 76.). Und irgendwann, so schien es, glaubte Barbican selbst nicht mehr an den Sieg. "Wir haben sie an die Wand gespielt, aber keine Wandtore geschossen", seufzte Trainer Heinze nach Schlusspfiff. "Die Jungs müssen lernen, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Sonst spielen wir demnächst Curling." Die Zuschauer gingen mit gemischten Gefühlen nach Hause: einerseits beeindruckt von Barbicans Offensivdrang, andererseits frustriert, dass aus so viel Aufwand nur ein Punkt wurde. Kingston hingegen feierte das Remis wie einen Sieg. Conklin tanzte ausgelassen mit den Fans, und Torwart Gramont wurde auf den Schultern seiner Mitspieler vom Platz getragen - vielleicht, weil er der einzige war, der noch laufen konnte. Statistisch gesehen war alles klar: Barbican mit 14 Torschüssen zu 5, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen - aber eben nicht mehr Tore. Kingston mit einem effizienten Treffer und einer roten Karte, die sie scheinbar erst richtig wachrüttelte. Am Ende bleibt ein Spiel mit zwei Gesichtern: das des dominanten Barbican FC, der sich selbst im Weg steht, und das der zähen Kingston Blues, die in Unterzahl zeigten, dass Fußball manchmal weniger mit Zahlen als mit Herz zu tun hat. Oder, wie Trainer Heinze es zum Abschied formulierte: "Wir haben heute vieles richtig gemacht. Nur das Ergebnis - das war leider wieder falsch." Und irgendwo auf der Tribüne lächelte der Fußballgott zufrieden. 06.03.643987 07:40 |
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Ich brauche Spieler, die auf dem Platz die Rute raus holen.
Matthias Sammer