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"Das ging schneller als mein morgendlicher Kaffee kalt wird", murmelte Whistling-Coach Jokel Star nach dem Abpfiff, während er auf die Anzeigetafel starrte: 0:2 stand da, gnadenlos, nüchtern, endgültig. 49.151 Zuschauer im Whistle-Stadion hatten gerade erlebt, wie die Gäste vom Barbican FC ihre Effizienz zelebrierten - und die Heimelf an der eigenen Vorsicht erstickte. Schon nach sechs Minuten war klar, wohin die Reise gehen würde. Barbican, von Trainer Peter Heinze mutig und offensiv eingestellt, legte los wie ein tropischer Wirbelsturm. Marc Grenier, der flinke Rechtsaußen, traf nach Pass von Didier Greaves ins lange Eck - eiskalt, als sei er im Kühlschrank geboren. "Ich hab’s mit dem Außenrist versucht, weil mein linker Fuß zu müde war", grinste Grenier später in die Kameras. Das 0:1 war der frühe Schock, den Whistling nie so recht verdaute. Dabei hatten die Hausherren eigentlich mehr vom Spiel. 52 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse - die Statistik las sich wie der Bericht eines Teams, das mindestens ein Tor verdient gehabt hätte. Doch verdient ist im Fußball, wie bekannt, ein dehnbarer Begriff. Whistling kombinierte gefällig, schob den Ball sicher durch die eigenen Reihen - und stand dann plötzlich wieder vor Barbicans Sechzehner, als wüsste keiner so recht, was nun zu tun sei. Christophe Musgrave prüfte Keeper Martineau gleich dreimal (11., 47., 56. Minute), Andrej Beresuzki drosch den Ball in der 54. Minute beinahe durchs Tornetz - allerdings vorbei. Alex Gomez flankte, rannte, schimpfte - und bekam dafür immerhin in der 80. Minute die Sympathien der Kurve, als er einen Distanzschuss knapp neben den Pfosten setzte. "Wenn wir noch eine halbe Stunde dranhängen, machen wir vielleicht eins", scherzte er nach dem Spiel. Barbican dagegen blieb seinem Plan treu: defensiv kompakt, aggressiv in den Zweikämpfen, blitzschnell im Umschalten. Heinzes Mannschaft spielte auf Konter, und das mit chirurgischer Präzision. Das Mittelfeld-Duo Forsythe und Gekas verteilte lange Bälle, als würde man Darts spielen - Ziel, Schwung, Treffer. Kurz nach der Pause sah es so aus, als würde Whistling das Spiel endgültig kippen. Trainer Star gestikulierte wild, rief "Mehr Risiko!", während sein Team immerhin auf 6:3 Torschüsse in der zweiten Hälfte kam. Doch das Netz blieb leer. Stattdessen sammelten die Spieler Gelbe Karten wie Bonuspunkte: Bettencourt (68.) und Wyler (82.) sahen Gelb, letzterer schimpfte sich danach selbst aus. "Ich wollte den Ball spielen, ehrlich! Nur leider stand der Gegner im Weg", verteidigte er sich lachend. Das Schicksal nahm seinen Lauf in Minute 89. Während Whistling alles nach vorne warf, setzte Barbican einen perfekten Konter. Cristobal Mendez, der unermüdliche Rechtsaußen, sprintete über den Flügel, sah Michel Baskin einlaufen - und der 21-Jährige vollendete eiskalt zum 0:2. Das Stadion verstummte, nur in der Gästekurve tanzten ein paar Dutzend Fans in Gelbblau. "Wir trainieren das jede Woche - einer läuft, einer trifft", sagte Baskin später trocken. Kurz darauf zog Heinze noch die letzten Joker: Reacock kam für den ausgepowerten Greaves, Savard ersetzte Mendez. Eine Defensivmauer in den letzten Minuten, die selbst mit Pressing und Flankenwucht von Whistling nicht mehr zu knacken war. Als der Schlusspfiff ertönte, war Jokel Star der Erste, der seinem Gegenüber gratulierte - mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Galgenhumor und Respekt lag. "Wir wollten nicht verlieren, aber wenn schon, dann bitte gegen so einen Konterkurs", meinte er. Peter Heinze konterte charmant: "Wir haben einfach weniger gezögert vorm Tor. Manchmal ist Mut der beste Taktiker." Die Statistiken bestätigten das zweifellos: 9 Torschüsse für Barbican, 2 Treffer. Whistling dagegen 12 Versuche, 0 Erfolg. Ballbesitz, Passquoten, Laufleistung - alles schön, alles nutzlos, wenn der Ball nicht ins Netz will. Und so bleibt das Fazit dieses Abends: Whistling FC spielte gepflegt, Barbican FC gewann gepflegt. Zwischen Ästhetik und Effizienz siegte, wie so oft im Fußball, die schnörkellose Einfachheit. Oder, um es mit den Worten eines Fans auf der Tribüne zu sagen: "Whistling hat gepfiffen - Barbican hat gespielt." Ein Satz, der wohl noch in den Bars von Kingston zitiert wird, bis der nächste Anpfiff kommt. 22.08.643993 13:08 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic