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Es war ein lauer Sommerabend im Estadio Azul, 63.600 Zuschauer, Trommeln, Fahnen, und dieses Gefühl, dass heute etwas Großes passieren könnte. Am Ende passierte auch etwas - nur nicht so, wie sich das die Fans von Les Milionaros vorgestellt hatten. 1:2 hieß es nach 90 aufreibenden Minuten gegen Barbican FC, und das Hinspiel der zweiten Runde der Copa Libertadores Qualifikation bekam eine Wendung, die selbst Drehbuchautoren zu trivial gefunden hätten. Dabei begann alles so verheißungsvoll. Les Milionaros, von Trainer Rodrigo Rodriguez gewohnt offensiv eingestellt, drückten früh aufs Gaspedal. Schon in der sechsten Minute zischte der Ball von Alex Vazquez’ rechtem Fuß nur Millimeter am Pfosten vorbei. "Ich hab’ den Jubel schon gehört", grinste Vazquez später, "leider wohl zu früh." Nach einer halben Stunde dann die erlösende Führung: Damian Miro, der bullige Mittelstürmer mit dem Gesicht eines Unschuldslammes, köpfte nach einer Ecke von Innenverteidiger Humberto Moutinho zum 1:0 ein (32.). Rodriguez riss die Arme hoch, der Stadionsprecher überschlug sich fast - und zwei Minuten später war alles dahin. Barbican FC, bis dahin eher defensiv pragmatisch unterwegs, schlug mit chirurgischer Präzision zurück. Ellis Chisholm, der rechte Flügel mit dem Sprint eines 100-Meter-Läufers, legte quer auf Emilio Marco - 1:1 (34.). Zwei Angriffe, ein Tor, und plötzlich war das Stadion still. "Wir wussten, dass sie über die Außen kommen würden", murmelte Rodriguez später, "aber ich dachte nicht, dass sie’s so schnell beweisen." Bis zur Pause blieb es beim Unentschieden, doch die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag: In der 53. Minute drehte Barbican das Spiel. Dieses Mal war Chisholm selbst der Vollstrecker, nach feinem Pass des Griechen Emmanouil Gekas. 2:1 - eiskalt, effizient, fast schon britisch im Understatement. Trainer Peter Heinze, sonst die Ruhe in Person, sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager. "Ich hab’ gesagt: Wenn wir einmal in Führung gehen, lassen wir’s nicht mehr los", erklärte er später mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und blankem Erstaunen pendelte. Les Milionaros drängten nun, hatten mehr Ballbesitz (51 %), mehr Torschüsse (13 zu 10), aber am Ende weniger vom Glück. Vazquez traf in der 66. und 76. Minute jeweils nur den Torwart oder die eigene Verzweiflung, und als Ersatzmann Roger Delmas in der Nachspielzeit aus spitzem Winkel abzog, hielt Barbican-Keeper Christophe Martineau den Ball, als wäre er ein neugeborenes Kätzchen. Das Spiel verflachte nicht, im Gegenteil - es überhitzte. In der 73. Minute verlor Barbicans Rechtsverteidiger Mason Pilat die Nerven und sah Rot nach einem übermotivierten Zweikampf an der Mittellinie. Heinze winkte nur ab: "Er wollte zeigen, dass er lebt. Jetzt hat er Pause." Mit einem Mann weniger verteidigten die Gäste mit allem, was sie hatten - und manchmal mit noch etwas mehr. Rodriguez brachte Nevio Couto für den müden Miro, später Delmas für Pacos, doch es half nichts. "Wir hätten noch zwei Stunden spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen", stöhnte Kapitän Timofej Switow nach Abpfiff. Vielleicht lag’s an der Nervenstärke der Gäste, vielleicht an der eigenen Hektik. Vielleicht auch daran, dass Barbican einfach die besseren Nerven hatte. Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen wie ein Jongleur im Wind: Ballbesitz 51 zu 49, Zweikampfquote 51 zu 49, Schüsse 13 zu 10 - nur in der wichtigsten Kategorie stand’s eben 1:2. Nach Spielende standen die Milionaros-Spieler lange auf dem Rasen, als wollten sie den Platz nicht verlassen, bevor jemand das Ergebnis korrigiert. Rodriguez sprach ihnen Mut zu: "Das Rückspiel ist noch offen. Und wenn wir so weiterlaufen, treffen wir irgendwann auch das Tor, nicht nur die Torhüter." Barbican dagegen feierte den Sieg mit jener stoischen Freude, die nur englischsprachige Teams beherrschen. Emilio Marco, Torschütze des Ausgleichs, zeigte ein Lächeln, das man sonst nur bei Zahnpastawerbung sieht: "Ein Tor ist ein Tor. Aber auswärts? Das schmeckt doppelt." So endet ein Spiel, das alles hatte - Chancen, Karten, Dramen, und einen Schiedsrichter, der wohl lieber in Ruhe seinen Feierabendtee getrunken hätte. Les Milionaros müssen nun im Rückspiel in Kingston angreifen, während Barbican FC nur noch 90 solide Minuten von der nächsten Runde entfernt ist. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne zusammenfasste, kurz bevor er seinen Schal frustriert zusammenrollte: "Wir hatten alles im Griff - außer das Ergebnis." 05.03.643987 05:40 |
Sprücheklopfer
Die Alte ist trotzdem unheimlich in Ordnung! Ich habe sie kennengelernt, als ihr Zahnarzt mir das Esszimmer neu tapeziert hat. Kerstin merkte sofort, dass ich bei der Behandlung ein bißchen Schiss hatte. Sie hielt mir ganz lieb das Händchen.
Rudi Assauer über seine neue 24-jährige Lebensgefährtin, die als Zahnarzthelferin arbeitet