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Wer in Saarbrücken an diesem frostigen Januarabend die Heimmacht SC Saar sehen wollte, bekam 62 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse, viel Einsatz - und trotzdem eine kalte Dusche. Der VfB Auerbach nahm die Punkte mit einem 2:1-Sieg mit nach Hause, dank zweier Treffer in der ersten Halbzeit und einer Abgeklärtheit, die Trainer Harty Hardsen nach Abpfiff "fast unheimlich" nannte. Vor 50.109 Zuschauern begann das Spiel mit einem Paukenschlag - allerdings von der falschen Seite aus Sicht der Gastgeber. Schon in der 26. Minute setzte sich Auerbachs bulliger Mittelstürmer Gotthard De Groot nach einem Zuspiel von Xabi Velez durch, ließ Verteidiger Dietrich aussehen wie einen Laternenpfahl und schob trocken ein. "Ich hab nur den Ball gesehen, nicht den Gegner", grinste De Groot nachher, "vielleicht war das auch besser so." Nur sechs Minuten später doppelte Wouter Roemer nach. Der flinke Rechtsaußen jagte einem langen Ball von Felipe Pacos hinterher, nahm ihn mit der Schulter an und zimmerte ihn ins kurze Eck - 0:2. Auf der Tribüne rieb man sich die Augen: Zwei Torschüsse, zwei Tore. "Das war brutal effizient", seufzte SC-Coach Peter Wessel später. "Wir hätten wahrscheinlich noch 90 Minuten weiterspielen können, ohne dass der Ball reingeht." Dabei tat Saar alles, was man tun kann, um ein Spiel zu drehen - außer treffen. Stille Vrooman prüfte Auerbachs Keeper Isaac MacKintosh gleich mehrfach, Enzo Beltrame feuerte aus allen Lagen. Erst als Beltrame in der 51. Minute nach Vorarbeit des agilen Ewan Blanchard endlich traf, war wieder Leben in der Bude. 1:2, und das Publikum erwachte aus der Winterstarre. "Da hab ich kurz gedacht: Jetzt kippt das Ding", sagte Wessel. Doch Auerbach blieb cool. Hardsen gestikulierte an der Seitenlinie, als würde er einen Jet einweisen, und seine Spieler rückten geschlossen hinter den Ball. Pressing? Fehlanzeige. Dafür eine defensive Disziplin, die selbst die Ordner beeindruckte. "Wir wollten Saar kommen lassen", erklärte Hardsen. "Die haben ja eh den Ball, also warum drum streiten?" Saar schnürte die Gäste in der Schlussphase regelrecht ein. Beltrame scheiterte in der 63. Minute knapp, Broderick traf nur das Außennetz, und Thuringer drosch den Ball in der 81. Minute in die Saar-Kurve. "Ich wollte den Ball mit Wucht aufs Tor bringen", sagte er entschuldigend. "Hat fast geklappt." Auerbach hatte in dieser Phase kaum Entlastung, wechselte defensiv - Albacar raus, Voigt rein, Barbieur runter, der junge Andone rauf - und verteidigte mit allem, was noch laufen konnte. In der 88. Minute tauchte der eingewechselte Jakob Ludwig sogar noch einmal vorne auf und zwang Saar-Keeper del Olmo zu einer Glanzparade. Das war’s dann auch. Statistisch gesehen war’s ein Paradoxon: Mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse, bessere Zweikampfquote (51 zu 49 Prozent) - und trotzdem verloren. Aber Fußball wird nun mal nicht nach Prozenten entschieden. "Wenn’s danach ginge, hätten wir schon dreimal Meister werden müssen", spottete Saar-Kapitän Riley Broderick. Nach dem Schlusspfiff klatschten die Auerbacher Spieler in Richtung Gästeblock, wo rund 500 Unentwegte trotz Kälte lauthals feierten. Hardsen umarmte De Groot, der mit einem dicken Eisbeutel auf der Wade humpelte, und meinte trocken: "Er hat sich den Abend verdient - und ich den Schnaps danach." Peter Wessel dagegen stapfte mit gesenktem Kopf in die Kabine. Auf die Frage, was er seiner Mannschaft sagen wolle, antwortete er: "Dass Fußball manchmal einfach ein dummer Sport ist." Fazit: Auerbach hat aus wenig viel gemacht - und Saar aus viel fast nichts. Ein Lehrstück in Effizienz, das zeigt: Wer trifft, hat recht. Und wer Ballbesitz will, soll Schach spielen. Nächste Woche reist Saar nach Bremen. Vielleicht findet man dort nicht nur den Ball, sondern auch das Glück wieder. 02.08.643987 03:38 |
Sprücheklopfer
Ich habe kein Problem damit, der Arsch zu sein.
Oliver Kahn