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Was für ein Abend im Vogtlandstadion! Unter Flutlicht, vor 40.363 Zuschauern, verwandelte sich der unscheinbare Rechtsverteidiger Fernando Alves in den Mann des Abends. In der 70. Minute drosch er den Ball mit so viel Wucht und Entschlossenheit ins Netz, dass selbst die Eckfahne kurz erzitterte. 1:0 - und das sollte es bleiben. Der VfB Auerbach schlägt den favorisierten 1. FC Magdeburg in einer Partie, die weniger nach Taktik-Lehrbuch als nach ehrlicher Handarbeit aussah. Von Beginn an war klar, welche Rollen hier verteilt waren. Auerbach - von Trainer Harty Hardsen gewohnt offensiv eingestellt - presste hoch, kombinierte mutig, und suchte immer wieder die Lücke. Magdeburg dagegen wirkte, als hätten sie ihre Stollen im Mannschaftsbus vergessen. Defensiv, abwartend, und mit einer Prise übertriebenem Respekt - so beschreibt man wohl die "taktische Disziplin", die Coach Daniel Stoll später in der Pressekonferenz lobte. "Wir wollten erstmal sicher stehen", erklärte Stoll mit stoischer Ruhe. "Dass wir dann 42 Prozent Ballbesitz hatten, war… sagen wir mal… Teil des Plans." Der Satz löste unter den anwesenden Journalisten mehr Schmunzeln als Zustimmung aus. Tatsächlich: Auerbach hatte knapp 58 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse und ein gutes Dutzend gefährlicher Szenen. Magdeburg kam auf vier Schüsse - und mindestens ebenso viele genervte Blicke ihres Torhüters Oscar Aldecoa, der sich mehr über seine Vorderleute als über die gegnerischen Angreifer aufregte. Schon in der ersten Minute setzte Fabian Lindner ein erstes Ausrufezeichen - sein Schuss rauschte knapp über die Latte. Danach rollte Angriff um Angriff auf das Magdeburger Tor, doch ob Gotthard De Groot in der 33. oder Bernard Grantham kurz vor der Pause - keiner traf. Stattdessen gab es kurz vor der Halbzeit noch Gelb für Auerbachs William Carey, der nach eigenem Bekunden "einfach nur den Ball wollte". Der Ball wollte offenbar nicht zurück. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Auerbach drückte, Magdeburg verteidigte. Tomasz Blume versuchte es mal auf der anderen Seite, doch sein Schuss in der 48. Minute war so harmlos, dass Auerbachs Keeper Moritz Wegner Zeit fand, sich kurz die Handschuhe abzuklopfen. Dann kam die 70. Minute. Corneliu Andone, der quirlige rechte Mittelfeldspieler, zog auf seiner Seite an zwei Mann vorbei, legte quer - und Alves, der eigentlich hinten absichern sollte, tat das, was Außenverteidiger sonst nur in Träumen machen: Er zog einfach ab. Das Stadion explodierte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Alves später grinsend zu. "Aber wenn’s passt, dann passt’s." Magdeburg war danach gezwungen, aus der Defensive zu kommen. Trainer Stoll reagierte spät, brachte in der 88. Minute gleich drei frische Youngster - Paulsson, Braun und Reiter - und damit so viel jugendliche Unbekümmertheit, dass selbst die Auerbacher Fans kurz applaudierten. Nutzen tat es wenig. In der 77. Minute noch sah Magdeburgs Innenverteidiger Carl Maniche Gelb, nachdem er De Groot eher rustikal vom Ball trennte. "Das war kein Foul, das war Kunst", meinte er später mit einem Augenzwinkern. Schiedsrichter sah das anders. Die letzten Minuten gehörten Auerbachs Nerven. Ein letzter Schuss von Jens Lindner in der 85. Minute rauschte knapp vorbei, dann pfiff der Schiedsrichter ab. Harty Hardsen riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Das war kein schönes Spiel, aber ein ehrlicher Sieg", sagte der Coach. "Und wenn ein Rechtsverteidiger das Tor schießt, dann hat man alles richtig gemacht." Während die Auerbacher Fans feierten, stapften die Magdeburger Richtung Kabine. "Uns hat der Mut gefehlt", gab Stoll zu. "Vielleicht auch die Idee. Oder beides." So blieb es beim verdienten 1:0 für den VfB Auerbach, der mit Leidenschaft, Pressing und viel Laufarbeit die drei Punkte sicherte. In den Katakomben klopfte Kapitän Samuel Eliot seinem Torschützen Alves auf die Schulter und meinte lächelnd: "Ab sofort trainierst du bei den Stürmern mit." Ein Abend, der wieder einmal zeigte: Fußball schreibt die besten Geschichten, vor allem, wenn sie keiner erwartet. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Fan beim Hinausgehen: "Wenn der Alves jetzt noch öfter so trifft, dann nennen wir ihn bald den Ronaldo vom Vogtland." Man möchte es ihm fast glauben. 23.02.643994 16:46 |
Sprücheklopfer
Ich freue mich, meine ehemaligen Spieler später irgendwo auf der Welt wiederzutreffen. Oder in der Schweiz.
Köbi Kuhn, Nationaltrainer Schweiz