Athlitiki Icho
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Atromitos zerlegt Ergotelsis - Ein Lehrstück in Effizienz und Konterkunst

Manchmal sagt ein Ergebnis mehr als tausend Pässe: 1:4 stand es am Ende auf der Anzeigetafel im Stadion von Ergotelsis. 26.625 Zuschauer erlebten eine Lehrstunde in Sachen Effektivität - dargeboten von einem entfesselten Atromitos, das die Gastgeber mit gnadenloser Präzision auskonterte. Während Ergotelsis den Ball liebte, liebte Atromitos das Tor.

Dabei fing alles gar nicht so schlimm an. Ergotelsis hatte zu Beginn mehr Ballbesitz, kombinierte gefällig, ließ den Ball laufen - und Atromitos ließ laufen. "Wir wussten, sie wollen spielen. Wir wollten gewinnen", grinste Gästetrainer Michael Graf später. Seine Mannschaft stand tief, lauerte, und schlug eiskalt zu.

Bereits in der 18. Minute klingelte es das erste Mal: Heinz Kroll, der rechte Flügelblitzer, traf nach feinem Zuspiel von Arnau Ortega zum 0:1. Ortega, eigentlich Rechtsverteidiger, war da schon mehr Flügelrakete als Abwehrspieler. Kaum hatten die Fans von Ergotelsis den ersten Schock verdaut, kam der zweite: Elf Minuten später zirkelte Izzet Aydemir den Ball nach Vorlage von Ricardo Caballero flach ins Eck - 0:2. Ein Treffer aus dem Bilderbuch für alle, die Konterfußball romantisch finden.

"Wir haben uns eigentlich gar nicht schlecht gefühlt", sagte Ergotelsis-Kapitän Diogenis Galakos nach dem Spiel, "aber jedes Mal, wenn wir in die Nähe ihres Strafraums kamen, stand es plötzlich hinten wieder gefährlich." Eine treffende Zusammenfassung eines Abends, an dem Zahlen und Gefühl weit auseinanderlagen: 56 Prozent Ballbesitz für Ergotelsis, aber 20 Torschüsse für Atromitos.

Nach der Pause wollte Ergotelsis das Spiel drehen - und fing sich prompt den nächsten Nackenschlag. Direkt in der 47. Minute donnerte Arnau Ortega, diesmal selbst als Vollstrecker, den Ball unter die Latte. Carles Castano hatte mustergültig vorbereitet. Der rechte Verteidiger mit Tor und Vorlage - ein Spiel für die persönliche Highlightrolle.

Doch die Gastgeber zeigten Moral. Nur sechs Minuten später, in der 53. Minute, drückte der junge Stavros Zagorakis eine scharfe Flanke von Innenverteidiger Karolos Ioannidis über die Linie. Der Anschlusstreffer zum 1:3 war die Belohnung für den couragierten Beginn der zweiten Hälfte. Das Stadion tobte, kurz glaubte man, die Partie kippe noch.

Aber Atromitos dachte gar nicht daran, sich beeindrucken zu lassen. Nur drei Minuten später, in der 56. Minute, stellte Connor Kinmont - so routiniert wie britisch kühl - nach Vorlage von Ortega den alten Abstand wieder her. 1:4, die Entscheidung. Danach war es, als ob jemand die Luft aus Ergotelsis’ Bemühungen ließ.

Trainer Graf wechselte clever: Kinmont kam für Nicola Sala, später durfte auch Ersatzkeeper Jannis Lee ran, während Timm Rauch den rechten Flügel beackerte. "Ich wollte jedem ein Stück vom Kuchen geben", meinte Graf augenzwinkernd. Der Kuchen hieß diesmal: drei Punkte und vier Tore.

Ergotelsis dagegen blieb blass, trotz engagierter Offensivversuche. Timon Galakos und Archondis Alexiou hatten noch Chancen, aber Gästekeeper Benjamin Gebhardt - später durch Jannis Lee ersetzt - hielt, was zu halten war. Zwei Gelbe Karten für die Hausherren (Goumas in der 51., Galakos in der 74.) zeigten, dass wenigstens der Kampfgeist nicht fehlte.

Statistisch sah Ergotelsis gar nicht so schlecht aus: Mehr Ballbesitz, ordentliche Passquoten, mehr Laufleistung. Aber wie sagte es Mittelfeldmann Simone Tomasi so schön: "Wir hatten den Ball, sie hatten den Plan."

Atromitos zeigte sich taktisch klar: offensiv ausgerichtet, lange Bälle, jederzeit gefährlich. Graf ließ auf Konter spielen, was bei manchen Trainern als feige gilt - bei ihm als Kunst. Und an diesem Abend war es hohe Kunst.

Als der Schlusspfiff ertönte, stand Michael Graf seelenruhig am Spielfeldrand und klopfte seinem Rechtsverteidiger Ortega auf die Schulter. "Wenn der Verteidiger zwei Tore vorbereitet und selbst trifft, dann weißt du, dass dein System funktioniert", sagte er mit einem Lächeln.

Ergotelsis-Coach (der sich den Fragen der Presse lieber nicht stellte) dürfte in der Kabine weniger gelächelt haben. Vielleicht hat er dort gesagt, was viele dachten: Dass man mit 56 Prozent Ballbesitz kein Spiel gewinnt, wenn der Gegner 56 Prozent seiner Chancen nutzt.

So bleibt ein bitterer Abend für Ergotelsis - und ein glorreicher für Atromitos, das mit dieser Effizienz wohl auch einem Tabellenführer wehgetan hätte.

Ein Fan im Block fasste es am besten zusammen: "Wir haben schön gespielt. Die anderen haben Fußball gespielt." Und das, liebe Leser, war an diesem Abend der feine, aber entscheidende Unterschied.

07.07.643993 09:02
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Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund
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