Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Atromitos zerlegt Ergotelsis - Couture dreifach, Neil doppelt, und keiner will nach Hause

Was für ein Abend in Athen! 23.719 Zuschauer sahen ein Spiel, das eher an eine Tor-Gala erinnerte als an einen regulären Ligakick. Atromitos besiegte Ergotelsis mit 6:1 (2:0) - und das war, so ehrlich muss man sein, noch schmeichelhaft für die Gäste.

Trainer Michael Graf stand nach dem Schlusspfiff grinsend am Spielfeldrand und meinte trocken: "Ich wollte, dass die Jungs Spaß haben. Offenbar haben sie mich zu wörtlich genommen." Spaß hatten sie - und wie.

Schon früh zeichnete sich ab, dass Atromitos in Spiellaune war. Nach ein paar vorsichtigen Minuten nahm Henri Couture die Sache in die eigenen Füße. In der 23. Minute verwertete er einen feinen Pass von Izzet Aydemir zum 1:0. Ein Tor, so elegant wie ein französischer Rotwein - und Couture schien ihn auch so zu genießen. Nur 14 Minuten später war er wieder zur Stelle, diesmal nach Vorlage von Gerhard Rieger: 2:0. "Ich hab einfach nur den Ball gesehen und gedacht: warum nicht noch mal?", lachte Couture später.

Ergotelsis, bis dahin bemüht, aber blass, kam nach der Pause kurzzeitig auf. In der 47. Minute traf Diogenis Galakos nach Vorarbeit von Astianax Papazoglou zum 2:1. Es keimte so etwas wie Hoffnung auf - allerdings nur für 60 Sekunden. Denn direkt nach Wiederanpfiff schlug Couture erneut zu. Wieder Aydemir der Vorlagengeber, wieder Couture der Vollstrecker. 3:1, Huttrick komplett, das Stadion tobte.

Ab da zerfiel Ergotelsis in seine Einzelteile. Xavi Mino erhöhte in der 50. Minute nach Vorlage von Nicola Sala auf 4:1, und man hatte das Gefühl, Atromitos wolle jeden Angriff in ein Kunstwerk verwandeln. Der Ballbesitz sprach zwar mit 51 Prozent leicht für die Gäste, doch was nützt die Kugel, wenn der Gegner sie im Strafraum so behandelt, als wäre sie heiße Lava?

Henri Couture hatte zu diesem Zeitpunkt bereits sechs Torschüsse auf dem Konto - und das war mehr als die gesamte Ergotelsis-Offensive zusammen.

Das Spiel trudelte dann eine Weile dahin, bis die letzten zehn Minuten zur Zugabe wurden. Oscar Neil, eigentlich linker Verteidiger, dachte sich offenbar: "Wenn alle treffen, kann ich das auch." In der 86. Minute drosch er nach einem Pass von Rieger den Ball humorlos unter die Latte. Und als das Stadion sich schon auf den Applausmodus vorbereitete, traf Neil in der 94. Minute erneut - diesmal ohne fremde Hilfe. 6:1.

"Ich wollte eigentlich nur Zeit schinden", grinste Neil nach dem Spiel, "aber dann lag der Ball halt da."

Ergotelsis-Trainer, dessen Name man an diesem Abend lieber nicht zu oft erwähnen wollte, stand fassungslos an der Seitenlinie. "Wir hatten einen Plan", murmelte er in die Mikrofone, "aber der Plan hatte offenbar keine Lust mitzuspielen."

Statistisch lässt sich das Debakel schwer schönreden: 16 Torschüsse für Atromitos, nur 6 für die Gäste. Und obwohl der Ballbesitz fast ausgeglichen war (49 zu 51 Prozent), hatten die Hausherren in jeder Hinsicht die besseren Ideen. Ihre Zweikampfquote von 56 Prozent zeigte, dass sie auch körperlich überlegen waren - und das, obwohl sie laut Taktikdaten nur mit "Standard"-Aggressivität spielten.

Der Torwart von Ergotelsis, Leandros Seitaridis, tat einem irgendwann fast leid. Nach dem fünften Gegentor klatschte ihn ein Mitspieler aufmunternd ab, worauf Seitaridis nur meinte: "Wenn sie noch einmal durchbrechen, fang ich an zu applaudieren."

Trainer Graf dagegen nahm es sportlich: "Heute hat einfach alles funktioniert. Morgen vielleicht wieder gar nichts - aber das ist Fußball."

Couture, mit drei Treffern der Held des Abends, wurde zum Mann des Spiels gewählt. "Ich widme den Ball meinem Friseur", sagte er schmunzelnd. "Er hat mir vor dem Spiel gesagt, die Frisur bringt Glück."

Am Ende blieb das Gefühl eines Abends, der für die Heimfans in Erinnerung bleiben dürfte. Für Ergotelsis hingegen war es eine Lehrstunde in Sachen Konsequenz.

Oder, wie ein älterer Zuschauer auf der Tribüne beim Verlassen des Stadions sagte: "Ich bin wegen eines Spiels gekommen - und hab ein Feuerwerk bekommen. Nur leider hat einer vergessen, Ergotelsis mitzunehmen."

Ein Abend, an dem Atromitos alles gelang - und der Rest der Liga nun weiß: Wenn diese Mannschaft so weiterspielt, braucht man bald mehr als Glück, um sie zu stoppen.

30.08.643990 15:07
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Halten Sie Ihre Klappe und spielen Sie Fußball, Herr Basler!
Otto Rehhagel
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager