Athlitiki Icho
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Atromitos wacht zu spät auf - Thessaloniki lacht zuletzt

Wenn 24.469 Zuschauer an einem kühlen Januarabend in Athen ihre Plätze einnehmen, hoffen sie auf Spektakel. Sie bekamen es - zumindest phasenweise. Am Ende jubelte aber der Gast aus Thessaloniki, der mit einem 2:1‑Auswärtssieg beim 27. Spieltag der 1. Liga Griechenland seine Ambitionen auf die oberen Tabellenränge untermauerte. Atromitos hingegen verschlief die erste Halbzeit so gründlich, dass selbst der Stadionkaffee mehr Dampf machte.

Schon in den ersten Minuten drängte Thessaloniki mit einer geradezu unverschämten Offensivlust nach vorn. Trainer Johnas Heun hatte seine Elf aggressiv eingestellt, "offensiv" und "ANYTIME" lautete offenbar das Motto - und genau so sah es aus. Bereits nach fünf Minuten prüfte Rene Hensley erstmals den Atromitos‑Keeper Jannis Lee. Wenig später folgten Schüsse von Pol Acevedo und Vikentios Leontiou - die Gastgeber taumelten, aber sie fielen noch nicht.

In der 15. Minute war es dann soweit: Rene Hensley setzte nach feinem Zuspiel von Leontiou aus 20 Metern zum platzierten Flachschuss an - 0:1. Das Publikum stöhnte, Trainer Michael Graf raufte sich die Haare. "Wir standen zu weit weg, und der Ball war einfach zu gut geschossen", murmelte er später in der Pressekonferenz, halb bewundernd, halb verzweifelt.

Wer dachte, das würde Atromitos wachrütteln, irrte. Thessaloniki blieb am Drücker. Pol Acevedo wirbelte über links, Aris Pappas über rechts, und der 20‑jährige Ilias Konstantinou lauerte in der Mitte. In der 30. Minute durfte er schließlich jubeln: Jose Maria Simao flankte maßgenau, Konstantinou nickte ein - 0:2. Es war eine Lehrstunde in Konsequenz und Tempo.

"Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste der junge Torschütze später - und genau das tat er. Atromitos‑Torhüter Lee hingegen blickte verdutzt, als wolle er fragen, ob jemand die Zeit zurückdrehen könne.

Die Halbzeit kam wie eine Erlösung für die Gastgeber. Graf reagierte, brachte den flinken Tamas Lorant und den offensiveren Arnau Ortega. Die Taktik wechselte von "balanced" auf "offensive", das Pressing wurde schärfer, und plötzlich wirkte Atromitos wie verwandelt.

Gerade zwei Minuten nach Wiederanpfiff keimte Hoffnung auf: Achilleas Agritis leitete einen Konter über links ein, flankte präzise - und Nicola Sala drosch den Ball kompromisslos in die Maschen. 1:2, und das Stadion erwachte endlich zum Leben.

"Da hat man gespürt, dass noch was geht", sagte Sala später. "Leider war der Fußballgott heute eher nordgriechisch gestimmt." Und tatsächlich, trotz weiterer Chancen - Lorant in der 57. und 69. Minute, Celine in der 58., wieder Sala in der 63. - blieb der Ausgleich aus. Thessaloniki verteidigte clever, notfalls rustikal. Pol Acevedo holte sich in der 43. Minute eine gelbe Karte ab, Athinagoras Mitroglou folgte in der Nachspielzeit - beides kleine Fouls im Dienste der Stabilität.

Währenddessen gestikulierte Michael Graf wild an der Seitenlinie. "Wir wollten nicht nur lange Bälle schlagen, aber irgendwann blieb uns nichts anderes übrig", erklärte er nach dem Spiel mit einem gequälten Lächeln. "Immerhin: Der Einsatz in der zweiten Halbzeit war stark - leider 45 Minuten zu spät."

Thessaloniki dagegen zeigte, warum man oben mitspielt: 17 Torschüsse, 51 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von knapp 54 Prozent sprechen eine klare Sprache. Doch Trainer Heun wollte von Dominanz nicht viel wissen. "Wenn man so viele Chancen liegen lässt, darf man sich am Ende nicht wundern, wenn’s nochmal eng wird", sagte er, während er sich die Krawatte löste. "Aber wir nehmen die Punkte gern mit - und vielleicht auch ein bisschen Sonne aus Athen."

Atromitos versuchte in der Schlussphase alles. Selbst Innenverteidiger Isidoro Beto tauchte in der 88. Minute im gegnerischen Strafraum auf - sein Schuss verfehlte das Tor knapp. Ein Raunen ging durchs Stadion, das kurz darauf in ein resigniertes Schweigen überging.

Als Schiedsrichter Marinakis nach 94 Minuten abpfiff, war klar: Atromitos hatte Moral, aber Thessaloniki hatte die Tore. 1:2 (0:2) stand auf der Anzeigetafel, und die Gäste feierten ausgelassen vor ihrem kleinen, aber lautstarken Anhang.

Vielleicht war es bezeichnend, dass sich Atromitos‑Kapitän Humberto Ferreira beim Abgang kurz zu Hensley umdrehte und ihm anerkennend auf die Schulter klopfte. "Er hat uns wehgetan - aber fair", sagte er später.

So endete ein Spiel, das zwei Gesichter hatte: ein schläfriges vor der Pause, ein aufmüpfiges danach. Nur reicht das in der 1. Liga nicht immer. Thessaloniki nimmt die drei Punkte mit, und Atromitos bleibt die Erkenntnis, dass man Spiele nicht erst in Halbzeit zwei beginnen sollte.

Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions trocken meinte: "Wenn wir so anfangen wie wir aufgehört haben - dann gewinnen wir das Rückspiel 3:0." Ein Satz, irgendwo zwischen Trotz, Humor und Hoffnung - also ganz so, wie Fußball in Griechenland eben ist.

27.11.643987 17:02
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