Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Atromitos verspielt Führung - Giannina dreht das Spiel in 13 wilden Minuten

26669 Zuschauer im Athener Peristeri-Stadion sahen am Samstagabend ein Spiel, das erst nach der Pause so richtig explodierte. Am Ende jubelte der Außenseiter: Giannina gewann nach 0:1‑Rückstand noch mit 3:2 gegen Atromitos - ein Sieg, der so unerwartet kam wie der Regen in der griechischen Trockenzeit.

Dabei begann alles nach Maß für die Gastgeber. Schon in der 15. Minute fasste sich Rechtsverteidiger Ricardo Caballero ein Herz. Nach einem Doppelpass mit seinem Kollegen Oscar Neil donnerte er den Ball aus gut 20 Metern ins rechte Eck - ein Schuss, so trocken, dass der Rasen noch immer staubt. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Caballero hinterher, "aber der Ball hatte andere Pläne."

Atromitos übernahm in der ersten Hälfte das Kommando, spielte mit fast 50 Prozent Ballbesitz leicht überlegen, und kam zu elf Torschüssen insgesamt. Der Gegner aus Giannina wirkte abwartend, fast schüchtern - die Taktik: Balanced, das Pressing: No. Trainer Kai Häntsch stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und sah zu, wie seine Elf kaum aus der eigenen Hälfte kam. "Ich wollte, dass sie ruhig bleiben", erklärte er später mit einem Lächeln, "nicht dass sie sich schon in der ersten Halbzeit verausgaben."

Die zweite Hälfte begann dann mit einem Donnerschlag - allerdings von der anderen Seite. In der 60. Minute stieg Innenverteidiger Johannes Heinrich nach einer Ecke von Glenn Verbeke höher als alle anderen und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz. 1:1, und plötzlich war die Stimmung im Stadion von südländischer Gelassenheit auf nordische Aufregung gewechselt.

Doch Atromitos schlug zurück: Vier Minuten später (64.) sorgte Achilleas Agritis nach feiner Vorarbeit von Humberto Ferreira für die erneute Führung. Ein satter Schuss aus dem linken Halbfeld, unhaltbar für Gianninas Keeper Alejandro Ronaldo. Trainer Michael Graf riss die Arme hoch, die Ersatzbank jubelte - allerdings zu früh.

Denn was folgte, war ein Lehrfilm über Effizienz. Giannina, bis dahin brav und kontrolliert, verwandelte sich in eine Tormaschine. Nur vier Minuten nach dem Rückstand (68.) knallte Jack Sutherland - der auffälligste Mann auf dem Platz - den Ball nach Vorlage von Jonas Kessler ins lange Eck. 2:2, und Atromitos begann zu wanken. Kaum hatten sich die Gastgeber sortiert, klingelte es schon wieder: In der 73. Minute schlenzte Salvador Dominguez nach Zuspiel von Jose Enrique Rivilla den Ball sehenswert ins Netz. 2:3 - drei Tore in 13 Minuten, und das Spiel stand auf dem Kopf.

"Wir haben uns einfach gesagt: jetzt oder nie", verriet Sutherland nach dem Abpfiff. "Und dann war’s halt jetzt." Sein Trainer Häntsch nickte zufrieden: "Das war kein Zufall. Wir wussten, dass Atromitos spät im Spiel anfällig wird, wenn man sie laufen lässt."

Atromitos versuchte danach alles, wechselte frische Kräfte ein - Joseph Cawdor kam für den müden Daniel Celine - und spielte mit vollem Einsatz (Effort: Strong, Pressing: Yes, wie die Taktiktafel später verriet). Doch mehr als ein paar harmlose Distanzschüsse kamen nicht heraus. In der 89. Minute holte sich Oscar Neil noch Gelb, vielleicht aus Frust, vielleicht aus Nostalgie an Zeiten, in denen Atromitos Spiele noch zu Ende brachte.

Trainer Graf suchte hinterher nach Worten, fand aber nur Schulterzucken: "Wir haben ein schönes Spiel gemacht. Leider auch für den Gegner."

Statistisch betrachtet war das Match nahezu ausgeglichen - 49,5 Prozent Ballbesitz für Atromitos, 50,4 für Giannina. Doch die Gäste waren treffsicherer: 17 Schüsse aufs Tor, drei Treffer. Atromitos kam zwar auf elf Abschlüsse, aber nur zwei davon fanden den Weg ins Netz. Man könnte sagen: Der Unterschied lag in der Präzision - oder, wie Gianninas Mittelfeldmotor Dominguez es formulierte: "Wir haben einfach öfter genau gezielt, wo der Torwart nicht stand."

Nach dem Schlusspfiff applaudierten die 26.669 Zuschauer artig, wenn auch etwas ratlos. Einige pfiffen, andere schüttelten die Köpfe. Nur die kleine Ecke mit den mitgereisten Fans aus Giannina sang sich heiser.

Ein Spiel, das Atromitos noch lange in Erinnerung bleiben dürfte - als Lehrstück in Sachen Spielkontrolle ohne Punkte, und als Mahnung, dass auch ein 1:0 zur Halbzeit kein Ruhekissen ist.

"Wir haben zu früh geglaubt, das Ding sei durch", sagte Kapitän Humberto Ferreira. "Aber Fußball ist kein Theater - da gibt’s keine Pause, in der man das Ende umschreibt."

Vielleicht das treffendste Zitat des Abends.

Und so bleibt Atromitos mit leeren Händen zurück, während Giannina auf der Rückfahrt vermutlich den Busfahrer bitten musste, nicht zu schnell zu fahren - zu groß war das Grinsen, das man nach so einem Comeback nur schwer wieder loswird.

12.10.643987 08:22
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