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21496 Zuschauer im Livadia-Stadion sahen am Samstagabend einen dieser Abende, an denen man sich fragt, ob die Anzeigetafel vielleicht ein wenig voreilig programmiert wurde. Doch nein - das 1:4 (0:3) zwischen Livadia FC und Atromitos war kein Schreibfehler, sondern das Resultat einer Lehrstunde in Sachen Effizienz und Zielstrebigkeit. Schon die ersten Minuten gaben den Ton an: Atromitos, von Trainer Michael Graf gewohnt offensiv eingestellt, legte los, als wolle man das Spiel gleich in der Anfangsphase entscheiden. Nach nur drei Minuten prüfte Heinz Kroll den Livadia-Keeper Vicente Valentin mit einem satten Schuss - die erste von insgesamt 15 Abschlüssen der Gäste. Livadia hielt mit 52 Prozent Ballbesitz zwar den Ball, aber selten die Kontrolle. In der 20. Minute war es dann so weit: Nicola Sala traf nach Vorarbeit von Carles Castano - ein Angriff, so flüssig, dass man den Eindruck hatte, Atromitos habe heimlich ein Trainingsspiel auf zwei Tore angesetzt. Elf Minuten später revanchierte sich Castano, als er nach einem herrlichen Doppelpass mit Sala trocken ins lange Eck vollendete. 0:2, und Livadia wirkte plötzlich wie ein Team, das noch auf die Spielanpfiff-Zeiten prüft. "Wir hatten eigentlich alles im Griff - bis der Ball rollte", sagte Livadia-Trainer Jorge Jesus mit einem bitteren Lächeln nach Abpfiff. In Minute 40 folgte der dritte Streich: Humberto Ferreira traf aus der Distanz, und der Ball senkte sich in einem eleganten Bogen über Valentin hinweg ins Tor. Das 0:3 zur Pause war deutlich, aber ehrlich. Die Zuschauer reagierten mit einem Gemisch aus Staunen und Resignation. Ein älterer Fan im Block G rief: "Vielleicht kommt ja die zweite Halbzeit!" - und er sollte zumindest ein wenig Recht behalten. Nach der Pause zeigte Livadia plötzlich Lebenszeichen. Lorenzo Grisolia, der junge Italiener auf dem linken Flügel, setzte sich in der 54. Minute nach Pass von Caio Assis durch und verkürzte auf 1:3. Der Jubel war laut, aber kurz - sieben Minuten später stellte Heinz Kroll mit einem wuchtigen Abschluss den alten Abstand wieder her, diesmal nach Vorlage von Daniel Celine. Das 1:4 war der Schlusspunkt eines Spiels, das Atromitos mit beeindruckender Konsequenz zu Ende spielte. Graf wechselte zur Pause gleich doppelt - unter anderem brachte er Benjamin Gebhardt für den jungen Torwart Jannis Lee. "Ich wollte, dass Benni auch ein bisschen schwitzt", grinste Graf später. Gebhardt musste sich tatsächlich ein paar Mal strecken, etwa bei einem Distanzschuss von Karl Lehmann in der 79. Minute, aber ernsthaft in Gefahr geriet der Sieg nie. Livadia bemühte sich, blieb aber harmlos. Fünf Torschüsse in 90 Minuten sind zu wenig, wenn man 52 Prozent Ballbesitz hat. Noch weniger hilfreich: Johann Schramm sah nach einem taktischen Foul in der 60. Minute Gelb und war fortan sichtlich gehemmt. "Ich wollte den Angriff stoppen, aber offenbar auch das Spiel", murmelte er danach halb entschuldigend. Taktisch blieb Livadia in der gewohnten Balance, während Atromitos - laut Daten durchgehend offensiv ausgerichtet - oft wie ein Schnellzug durch die Mittelfeldreihe des Gegners rauschte. Besonders auffällig: die unermüdliche rechte Seite mit Castano und Kroll, die den Livadia-Verteidigern regelmäßig Knoten in die Beine spielte. "Wir haben die Lücken gefunden, bevor sie da waren", sagte Torschütze Ferreira anschließend augenzwinkernd. Tatsächlich wirkte das Atromitos-Spiel stellenweise wie hellseherisch - oder wie einstudiert bis zur Perfektion. Livadia-Coach Jorge Jesus hingegen suchte die Worte: "Unsere Jungs sind jung, sie lernen. Heute haben sie gelernt, dass Ballbesitz keine Tore schießt." Das Publikum verabschiedete die Mannschaft trotzdem mit Applaus - wohl wissend, dass man gegen einen Gegner gespielt hatte, der an diesem Abend einfach eine Nummer zu clever war. Atromitos klettert mit diesem Sieg weiter in Richtung obere Tabellenhälfte, während Livadia im grauen Mittelfeld stecken bleibt. Für beide Teams geht’s nächste Woche weiter - für Livadia hoffentlich mit weniger Löchern in der Abwehr, für Atromitos vielleicht mit etwas weniger Arroganz im Torjubel. Oder, wie es Heinz Kroll lachend ausdrückte, als er mit den Fans Selfies machte: "Manchmal läuft’s einfach. Und heute sind wir gelaufen, bis Livadia stehen blieb." Ein Satz, der das Spiel perfekt zusammenfasst. 23.10.643987 21:55 |
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Ich brauche Spieler, die auf dem Platz die Rute raus holen.
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