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Es war einer dieser Abende, an denen sich 26.472 Zuschauer fragten, ob das Runde jemals den Weg ins Eckige findet. Doch dann, nach 66 zähen Minuten zwischen Hoffen und fast schon Gähnen, brach Atromitos den Bann - und das mit Wucht. Am Ende hieß es 2:0 gegen Astra Agrotikos, ein Ergebnis, das so solide klingt, wie es sich am Ende auch anfühlte. Von Beginn an machte die Mannschaft von Trainer Michael Graf klar, dass sie nicht gewillt war, die Punkte zu teilen. 18 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn die ersten 65 Minuten eher ein Lehrvideo über "knapp vorbei" als über Effizienz waren. Besonders Daniel Celine, der wendige Mittelstürmer, prüfte früh und oft die Nerven seiner Fans - und des Gästekeepers Philippos Nafpliotis. Drei Mal in der ersten halben Stunde tauchte Celine gefährlich auf, drei Mal blieb es beim Versuch. "Ich dachte, der Ball hat irgendwas gegen mich", scherzte Celine später mit einem Grinsen. "Aber dann hat er sich wohl besonnen." Besonnen war das Stichwort - bis zur 66. Minute. Da war’s Orestis Diakos, gerade erst zur Halbzeit für den gelbverwarnten Isidoro Beto eingewechselt, der mit einem langen Ball die Abwehr von Astra aufriss. Celine nahm das Leder artistisch mit, ließ Dimoutsos aussteigen und schob trocken links unten ein. 1:0. Die Erlösung hallte durch das Stadion wie ein lang ersehnter Sommerregen. Astra Agrotikos, bis dahin bemüht, aber ohne rechte Durchschlagskraft (nur vier Torschüsse im gesamten Spiel), wirkte nach dem Rückstand wie ein Boxer, der merkt, dass seine Schläge nicht treffen. Zwar versuchten es Lagonikakis und Margaritis vor der Pause mit Distanzschüssen, doch Torwart Jannis Lee musste selten ernsthaft eingreifen - eher wirkte er wie ein Zaungast mit Handschuhen. Trainer Michael Graf blieb auch nach der Führung erstaunlich ruhig an der Seitenlinie. "Ich hab den Jungs gesagt, wir sollen weiter ruhig bleiben. Nur weil wir einmal getroffen haben, heißt das nicht, dass wir jetzt Samba spielen müssen." Doch ein bisschen Samba kam dann doch noch - in der 86. Minute, als das Duo Ferreira und Castano den Deckel draufmachte. Ein butterweicher Pass des Portugiesen Humberto Ferreira in die Tiefe, Castano nahm Maß und vollendete mit einem Schlenzer zum 2:0. Jene Art von Tor, die aussieht, als wäre sie im Training nie so geplant gewesen. "Humberto hat mir zugerufen: ’Lauf!’ Ich hab’s gemacht - und es war tatsächlich eine gute Idee", lachte Castano nach dem Spiel. Astra Agrotikos blieb brav, fast zu brav. Kein Pressing, kaum Risiko - und als Jan Grygera in der 60. Minute für ein taktisches Foul Gelb sah, war das schon das kämpferischste Lebenszeichen der Gäste. Ihr Trainer, dessen Name in den Statistiken verschollen blieb, wirkte auf der Bank zunehmend ratlos. "Wir wollten offensiv spielen", murmelte er nach Abpfiff. "Aber Atromitos wollte es irgendwie mehr." Statistisch gesehen war das Spiel fast ausgeglichen - 51 Prozent Ballbesitz für Atromitos, 49 für Astra. Doch das war reiner Zahlenkosmetik. In Wahrheit dominierte Atromitos das Geschehen, vor allem in der zweiten Hälfte, als Graf auf lange Bälle und Konter setzte. Das Pressing wurde in den Schlussminuten sogar aktiviert - ein seltener, aber wirkungsvoller Schachzug. In der Nachspielzeit kam noch einmal Bewegung ins Spiel, als Nevio de Almeida mit einem wuchtigen Linksschuss beinahe das 3:0 erzielte. Doch Nafpliotis flog, als wolle er zumindest einmal an diesem Abend Held sein - und parierte spektakulär. Als Schiedsrichter Papadopoulos schließlich abpfiff, brandete Applaus auf. Kein ekstatischer Jubel, eher ein zufriedenes Nicken: Mission erfüllt. "Wir haben heute Geduld bewiesen", resümierte Trainer Graf später. "Das ist manchmal schwieriger, als drei Tore zu schießen." Vielleicht hatte er da nicht ganz Unrecht - denn Atromitos’ Geduld war die Grundlage dieses Siegs. Und so endete ein kalter Januarabend in Athen mit warmen Herzen, zwei Toren und dem leisen Gefühl, dass Atromitos in dieser Saison noch öfter jubeln darf. Astra hingegen fuhr mit der Erkenntnis heim, dass man mit vier Torschüssen selten ein Spiel gewinnt - und mit der Hoffnung, dass der nächste Gegner weniger geduldig ist. Oder, wie es ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions trocken zusammenfasste: "Schöner Fußball? Vielleicht nicht. Effektiver? Absolut." 06.03.643987 10:05 |
Sprücheklopfer
Mark Hughes ist ein typich briticher Stürmer. Weder Fich noch Fleich.
Jupp Heynckes