Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Atromitos siegt auf Kreta: Linksverteidiger Neil trifft doppelt beim 2:1-Auswärtserfolg

Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die kein Drehbuchautor wagen würde. Atromitos’ Linksverteidiger Oscar Neil, sonst eher zuständig für Grätschen als für Gänsehaut, avancierte beim 2:1-Sieg auf Kreta zum Helden - und das gleich doppelt. Zwei Tore ausgerechnet von einem Abwehrspieler, der "eigentlich nur vorne war, weil der Ball da zufällig hing", wie er später grinsend erklärte.

Vor 36.359 Zuschauern im sonnig erleuchteten Stadion von Heraklion begann die Partie zwischen OFE Kreta und Atromitos mit einem Sturmlauf der Gastgeber. Schon in der ersten Minute prüfte Minos Theodoridis den Atromitos-Keeper Jannis Lee, der sich mit einer Flugeinlage Marke "Fototapete" in Szene setzte. Kreta hatte mit 53 Prozent Ballbesitz mehr vom Spiel, schien aber nicht zu wissen, was damit anzufangen war.

Und dann kam die 12. Minute. Ein Freistoß aus dem Halbfeld, Gerhard Rieger chippt den Ball in den Strafraum - und Oscar Neil, der sich wohl verlaufen hatte, hält den Fuß hin. 0:1. "Ich wollte eigentlich zurück in die Abwehr laufen, aber dann war der Ball plötzlich da", sagte Neil später mit einem Schulterzucken.

Trainer Jeff Johnson von Kreta schlug in der Coachingzone die Hände über dem Kopf zusammen, während Kollege Michael Graf von Atromitos stoisch an seiner Wasserflasche nuckelte. "Wir wussten, dass Kreta viel Ballbesitz hat. Wir wollten den Ball lieber nicht so oft sehen", kommentierte Graf trocken - eine Taktik, die sich als erstaunlich effizient erwies.

Kreta drängte, rannte, fluchte - und traf Holz, Luft und die Nerven der Fans. Guillermo Yanez, der agilste Mann der Hausherren, scheiterte mehrfach am glänzend aufgelegten Lee. In Minute 29 holte sich Markos Kirastas Gelb ab, nach einem rustikalen Einsteigen, das mehr nach Ringerduell als nach Fußball aussah. Es passte ins Bild: viel Leidenschaft, wenig Präzision.

Nach dem Seitenwechsel kam Kreta mit zwei frischen Kräften - Jose Couto und Manuel Da Cru - aus der Kabine, und plötzlich lief es. In der 54. Minute endlich der verdiente Ausgleich: Kirastas flankt von links, Yanez schraubt sich hoch und nickt zum 1:1 ein. Das Stadion explodierte, Trainer Johnson warf seine Jacke in die Luft, und man glaubte, das Spiel kippe.

Doch kaum hatten die Fans ihren Atem wiedergefunden, kam der nächste Schlag. Zwei Minuten später, 56. Minute: Flanke von Tomislav Krizanac, und wieder steht Neil am richtigen Ort. Volley, präzise, unhaltbar. 1:2. "Ich hab’s gleich gemerkt, der Ball wollte zu mir", sagte Neil später, während Mitspieler Rieger lachend ergänzte: "Das war wohl der beste Stürmer, den wir heute hatten."

Kreta versuchte alles, sogar Pressing, das bis dahin eher ein theoretischer Begriff war. Johnson brüllte seine Elf nach vorne, die Fans sangen sich heiser, und Felipe Jemez prüfte Lee in der 76. Minute noch einmal gefährlich. Aber Atromitos verteidigte mit Herz, Härte und gelegentlichem Chaos.

Ab der 84. Minute mussten die Gäste sogar zu zehnt auskommen: Rechtsverteidiger Ricardo Caballero sah nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. "Ich hab nur den Ball getroffen - und ein bisschen den Gegner", rechtfertigte er sich, während Graf von der Bank nur grinste: "Das gehört bei Ricardo zur Spielphilosophie."

In den letzten Minuten war es ein Spiel auf ein Tor, Kreta drückte, Atromitos betete. In der Nachspielzeit verpasste Henri Couture mit zwei Kontern (92. und 94.) die Entscheidung, aber das war am Ende egal. Der Schlusspfiff ging im ohrenbetäubenden Pfeifkonzert der Heimfans unter.

Statistisch war es fast ausgeglichen: 12:14 Torschüsse, leichtes Ballbesitzplus für Kreta (53:47), aber die Tore zählen eben immer noch mehr. "Wenn man hinten so offen steht, hilft auch kein Ballbesitz", knurrte Johnson nach dem Spiel, während Graf seinem Team ein Lächeln gönnte: "Defensive ist auch eine Kunst - vor allem, wenn der Linksverteidiger doppelt trifft."

Oscar Neil wurde schließlich zum "Mann des Spiels" gekürt. Auf die Frage, ob er jetzt öfter stürmen wolle, antwortete er mit einem Augenzwinkern: "Nur, wenn der Trainer mich lässt - oder wenn der Ball wieder zufällig da liegt."

Ein Abend also, an dem Kreta mehr wollte, Atromitos mehr traf - und der Fußball einmal mehr bewies, dass er keine Logik kennt, sondern nur Geschichten schreibt.

Schlusswort:
Vielleicht sollte man Linksverteidigern öfter sagen, sie mögen einfach ihrem Instinkt folgen. Oscar Neil hat’s getan - und Kreta weiß jetzt, wie gefährlich das werden kann.

07.11.643990 23:27
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
In den ersten Minuten konnte man exakt sehen, was wir vorhatten.
Peter Neururer nach einer 1:4 Niederlage
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager