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Es war einer dieser Abende, an denen man sich fragt, ob Fußball mehr mit Glauben oder mit Physik zu tun hat. 27. Spieltag der 1. Liga Griechenland, Flutlicht, 27.000 Zuschauer, und ein Atromitos, der nach 45 Minuten aussah wie ein Boxer in der dritten Runde - taumelnd, aber noch nicht k.o. Am Ende stand ein 3:3-Unentschieden gegen Olympiakos, das sich wie ein Sieg anfühlte. Schon nach vier Minuten klingelte es im Kasten von Jannis Lee. Stefanos Venizelos, der Stürmer mit der Eleganz eines Tänzers und der Wucht eines Presslufthammers, schob nach Vorlage von Stavros Margaritis zum 0:1 ein. "Ich habe einfach instinktiv draufgehalten", grinste Venizelos später, "und gehofft, dass der Ball nicht im Stadionpark landet." Nur vier Minuten später erhöhte Javier Costinha - wieder nach Zuspiel von Margaritis - auf 0:2. Es lief wie geschmiert für Olympiakos, während Trainer Michael Graf an der Seitenlinie versuchte, die Miene eines Mannes zu bewahren, der nicht gerade innerlich in Panik gerät. Die Gäste dominierten das Geschehen: 53 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse, und eine Aggressivität, die irgendwo zwischen "energisch" und "übermotiviert" schwankte. In der 57. Minute kassierte Innenverteidiger Aris Kirastas dann auch folgerichtig Gelb, nachdem er Xavi Mino mit einem Tackling stoppte, das man auch als Bewerbung für ein Rugby-Team verstehen konnte. Als Philippos Xanthopoulos in der 59. Minute nach feinem Zuspiel von Paris Xanthis das 0:3 erzielte, begannen einige Atromitos-Fans bereits, das Stadion zu verlassen. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Denn plötzlich - vielleicht durch eine dieser mystischen Kräfte, die nur Fußball entfesseln kann - begann Atromitos, Fußball zu spielen. "Ich sagte den Jungs in der Halbzeit: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens mit Stil", verriet Trainer Graf später mit einem Schmunzeln. Und siehe da: In der 63. Minute zappelte der Ball im Netz von Omiros Nafpliotis. Heinz Kroll traf nach Vorarbeit von Gerhard Rieger zum 1:3. Ein Lebenszeichen. Nur drei Minuten später durfte das Stadion erneut jubeln: Nicola Sala verwertete, wieder auf Vorlage von Rieger, eiskalt zum 2:3. Der Spielverlauf hatte plötzlich eine neue Dramaturgie - und Olympiakos begann, nervös zu werden. "Wir dachten, es sei durch", gestand Olympiakos-Coach Dirk Reichmann später. "Aber dann fingen sie an, an sich zu glauben. Und wir hörten auf, an uns zu glauben." Atromitos rannte, kämpfte, biss. Izzet Aydemir wirbelte über die linke Seite, als hätte er Koffein intravenös bekommen. In der 87. Minute dann der Moment, der das Stadion explodieren ließ: Wieder war es Sala, diesmal auf Vorlage von Aydemir - 3:3! Das Dach des Stadions wackelte, und Michael Graf rannte die Linie entlang, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich wusste, dass wir das können", sagte Doppeltorschütze Sala nach dem Spiel, während er sich das Schweißband vom Kopf zog. "Na gut, eigentlich wusste ich’s nicht, aber es hat sich gut angefühlt." Olympiakos versuchte in der Schlussphase noch einmal alles, stellte auf Flügelspiel um, drückte mit aller Kraft. Doch Jannis Lee im Tor von Atromitos hielt, was zu halten war, und die Defensive kämpfte mit allem, was noch übrig war. Am Ende blieb es beim 3:3 - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie schmeckte und doch keiner Seite so richtig passte. Olympiakos verschenkte eine komfortable Führung, Atromitos gewann Moral, Stolz und vermutlich ein paar neue Fans. Statistisch betrachtet ging das Remis in Ordnung: 11 Torschüsse für Atromitos, 16 für Olympiakos, Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste. Aber wer nur auf Zahlen schaut, verpasst das Entscheidende: den Geist eines Spiels, das zeigte, warum man den Fernseher selten ausschalten sollte, bevor der Schiedsrichter pfeift. "Das war kein Spiel, das war eine Achterbahnfahrt", fasste Kommentator Nikos Panagoulis nach der Partie zusammen. Und tatsächlich - wer sich auf diese 90 Minuten einließ, bekam alles: Drama, Wut, Hoffnung, Erlösung. Vielleicht war es kein perfekter Fußballabend. Aber es war einer, an den man sich erinnert. Und das ist am Ende das, was zählt. 18.07.643993 22:10 |
Sprücheklopfer
Magaths Training ist wie ein Zahnarzttermin. Man fürchtet sich vorher, aber danach fühlt man sich besser.
Jan-Aage Fjörtoft