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Es war einer dieser Abende in Athen, an denen sich Fußballfans fragen, warum sie sich das eigentlich antun - und dann dankbar sind, dass sie es getan haben. 23.403 Zuschauer im Atromitos-Stadion erlebten beim 31. Spieltag der griechischen Superliga ein 3:2, das an Dramatik, Durcheinander und Leidenschaft kaum zu überbieten war. Atromitos-Coach Michael Graf hatte sein Team gewohnt offensiv eingestellt - "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir zu Hause Herr im Haus sind", sagte er später und grinste dabei, als hätte er selbst gerade drei Tore geschossen. Sein Gegenüber, Alex Alex von Ilisiakos, konterte trocken: "Ja, das haben sie dann ja auch tatsächlich getan." Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Ilisiakos keineswegs als Punktelieferant angereist war. Gabriel Marshal prüfte Atromitos-Keeper Jannis Lee in der 5. Minute, kurz darauf verpasste Miguel Mocana nur knapp das 0:1. Drei Torschüsse in neun Minuten - da rieben sich manche Heimfans schon nervös die Augen. "Wir haben geschwommen wie ein Schlauchboot im Sturm", gab Abwehrchef Isidoro Beto später selbstkritisch zu. Dann aber kam die 31. Minute - und mit ihr der Abend des Nevio de Almeida. Nach einem langen Ball von Ricardo Caballero nahm der linke Mittelfeldmann den Ball elegant mit der Brust an und hämmerte ihn aus 18 Metern in den Winkel. 1:0 für Atromitos, das Stadion bebte. Doch wer glaubte, das Spiel sei damit in sicheren Bahnen, kannte Ilisiakos schlecht. Nur zwei Minuten später - 33. Minute - schlug Roger Lessard zurück. Nach Vorlage von Marshal zog er trocken ab, und schon stand es 1:1. Trainer Alex Alex drehte sich zur Bank und rief etwas, das man wohlwollend als "Siehste, geht doch!" deuten konnte. Kurz vor der Pause kam erneut Bewegung in die Partie: Nicola Sala, der schon zuvor mehrfach gefährlich aufgetaucht war, verwertete eine butterweiche Flanke von Carles Castano zum 2:1 (43.). "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach zu mir", sagte Sala später mit einem Grinsen, das man auch von der Tribüne aus sehen konnte. Zur Halbzeit führte Atromitos - und das nicht unverdient: 56 Prozent Ballbesitz, acht Torschüsse, mehr Zug zum Tor. Aber Ilisiakos blieb gefährlich, und das zeigte sich nach dem Seitenwechsel. In der 57. Minute war es ausgerechnet Cuadrado, der Mittelstürmer mit der Stiernacken-Mentalität, der nach Vorarbeit von Lessard zum 2:2 traf. "Da haben wir kurz geschlafen", murrte Coach Graf, "aber nur kurz." Denn kurz darauf - die Uhr zeigte 64 Minuten - schlug wieder Nicola Sala zu. Nach einem klugen Pass von Mittelfeldmotor Humberto Ferreira versenkte der Italiener den Ball zum 3:2-Endstand. "Ich war einfach da, wo ein Stürmer sein muss", sagte Sala nüchtern - und setzte gleich noch hinterher: "Manchmal hilft’s, nicht nachzudenken." Ilisiakos versuchte danach alles, brachte gleich drei frische Kräfte in der 59. Minute: Ravoussis, Carvalho und Söderberg kamen - ein jugendlicher Angriff auf die Müdigkeit. Und tatsächlich drängte der Gast noch einmal, hatte durch Lessard (85.) eine große Chance, doch Atromitos-Keeper Lee rettete mit einem Reflex, der sich sehen lassen konnte. Am Ende blieb es beim 3:2, und die Zuschauer feierten ihre Mannschaft, als hätte sie gerade die Meisterschaft gewonnen. "Das war heute Herzblut pur", sagte Trainer Graf nach dem Abpfiff. "Natürlich haben wir Fehler gemacht, aber lieber 3:2 mit Herz als 0:0 mit Langeweile." Sein Gegenüber Alex Alex fand das weniger amüsant: "Wir hatten genug Chancen, um wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert - sonst würde ich jetzt Oper singen." Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 14:11 Schüsse für Atromitos, 56 zu 44 Prozent Ballbesitz - und ein gelber Karton für Ilisiakos-Verteidiger Gijs Mesick, der ab der 49. Minute mit besonderer Vorsicht agieren musste. Ein kleiner Junge auf der Tribüne fasste es wohl am besten zusammen, als er nach dem Schlusspfiff zu seinem Vater sagte: "Papa, ich will auch so Tore schießen wie Sala!" Darauf der Vater trocken: "Dann fang mit dem Training morgen an." Man kann es drehen und wenden, wie man will: Atromitos bleibt zu Hause eine Macht, Sala der Mann des Abends - und Ilisiakos der unglückliche Held einer Partie, die in Erinnerung bleibt. Und irgendwo in der Kabine soll Michael Graf beim Abwischen des Schweißes gemurmelt haben: "Wenn meine Jungs immer so spielen, krieg ich bald graue Haare - aber glücklich graue." 21.03.643990 14:52 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer