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Wenn 27.000 Zuschauer an einem Februarabend im Athener Peristeri-Stadion den Atem anhalten, dann weiß man: Es war kein langweiliger Kick. Atromitos bezwang AEL Athen am 5. Spieltag der griechischen Superliga mit 2:1 (1:1) - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber auf dem Platz alles andere als nüchtern zustande kam. Schon in der ersten Viertelstunde legten die Gäste los wie der Wintersturm über der Ägäis. Drei Torschüsse in elf Minuten, angeführt vom unermüdlichen Achilleas Iosifidis, der gleich in der ersten Minute einen satten Versuch aufs Tor brachte. "Wir wollten Atromitos überraschen, bevor sie ihre Abwehr sortieren", sagte AEL-Coach Ryan Mystery später. Und tatsächlich: Atromitos wirkte anfangs so defensiv, dass man fast dachte, Trainer Michael Graf hätte die Parkbus-Methode neu erfunden. Doch dann kam Xavi Mino. Der 31-jährige Mittelstürmer, sonst eher als stiller Arbeiter bekannt, hatte an diesem Abend Lust auf große Gesten. Nach einem feinen Pass von Gerhard Rieger in der 35. Minute nahm Mino Maß - und traf. Eiskalt, präzise, unwiderstehlich. 1:0 für Atromitos, das Stadion tobte. "Ich habe einfach geschossen, weil mir langweilig war, zu warten", grinste Mino später im Interview. Das Spiel kippte damit allerdings nicht sofort. AEL blieb gefährlich, spielte mit leichtem Übergewicht im Ballbesitz (50,6 Prozent) und suchte weiter den Weg nach vorn. Kurz vor der Pause belohnte sich die Mannschaft: In der 45. Minute kombinierte sich Anthimos Papadopoulos auf der rechten Seite durch, flankte scharf nach innen - und Achilleas Iosifidis drückte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. 1:1, und die Gäste jubelten wie befreit. "Da haben wir kurz vergessen, dass man auch nach einem Tor noch verteidigen muss", knurrte Atromitos-Coach Graf später. Er reagierte in der Pause prompt: Innenverteidiger Isidoro Beto musste runter, Alkinoos Mitroglou kam - und brachte Ordnung in eine Abwehr, die bis dahin eher wie ein offenes Scheunentor gewirkt hatte. Die zweite Halbzeit begann dann so, wie nur griechische Fußballabende beginnen können: mit Chaos, Leidenschaft und einem Tor, das keiner kommen sah. In der 58. Minute - Atromitos gerade dabei, sich aus der Umklammerung zu befreien - zog Linksverteidiger Oscar Neil einfach mal ab. Der Ball flatterte, AEL-Keeper Tyler Hannigan griff ins Leere, und plötzlich stand es 2:1. Vorlage: Nevio de Almeida, der kurz darauf ausgewechselt wurde und auf der Bank breit grinste. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Neil später zu. "Aber wenn’s so reingeht, war’s natürlich Absicht." Athen rannte an, doch Atromitos stand nun stabil. Die Gastgeber schalteten auf langen Ballbesitz um, ließen den Gegner laufen und warteten auf Konter. Henri Couture und Mino hatten weitere Chancen (insgesamt kam Atromitos auf 15 Torschüsse, AEL auf 14), doch das 3:1 blieb aus. In der 86. Minute hatte AELs Choutos noch den Ausgleich auf dem Fuß, aber Torhüter Benjamin Gebhardt parierte glänzend. "Er hat die Hände da, wo andere nur hoffen", sagte Kommentator Kostas Vassilakis im TV - und das war keine Übertreibung. Die Schlussphase war ein Lehrstück an kontrollierter Hektik: Athen drückte, Atromitos konterte, die Tribüne vibrierte. Als Schiedsrichter Sideris nach 94 Minuten abpfiff, lagen sich Graf und seine Spieler in den Armen, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen. "Das war kein schönes Spiel, aber ein erwachsenes", bilanzierte Michael Graf trocken. "Wir haben uns hinten nicht versteckt, sondern nur gut getarnt." AEL-Trainer Mystery wiederum zeigte sich enttäuscht, aber fair: "Wir hatten mehr Ballbesitz, mehr Ideen - aber Atromitos hatte mehr Tore. So einfach ist Fußball manchmal." Fazit: Ein spannendes, intensives Spiel mit leichtem Hang zum Theatralischen - typisch Griechenland eben. Atromitos klettert mit diesem Sieg in der Tabelle nach oben, während AEL Athen sich fragen muss, wie man 14 Torschüsse abfeuern und trotzdem mit leeren Händen dastehen kann. Oder, wie es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Wenn du den Ball nicht reinmachst, macht’s der Linksverteidiger vom Gegner." Treffender lässt sich dieser Abend kaum zusammenfassen. 24.07.643990 19:40 |
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