// Startseite
| Athlitiki Icho |
| +++ Sportzeitung für Griechenland +++ |
|
|
|
Ein kühler Februarabend in Athen, Flutlicht, 22.876 Zuschauer - und ein Spiel, das alle Facetten des griechischen Fußballs zeigte: frühe Euphorie, lange Durststrecken und ein spätes Happy End für die Gastgeber. Am Ende trennten sich Atromitos und Livadia FC zum Auftakt der Saison 1:1 (0:1). Schon nach sechs Minuten sah es so aus, als würde der Abend für Trainer Michael Graf und seine Atromitos ein sehr langer werden. Livadias zentraler Mittelfeldmotor Leonardo Guardia traf nach feinem Zuspiel von Rechtsverteidiger Felipe Marques trocken ins rechte Eck. "Ich hab’ einfach draufgehalten, ehe mich einer weggrätscht", grinste Guardia später. Da wusste er noch nicht, dass sein Tor die Mannschaft über 80 Minuten lang tragen musste. Atromitos schüttelte sich kurz, dann begann ein zähes, aber zunehmend druckvolles Anrennen. 17 Torschüsse verbuchten die Gastgeber am Ende - doppelt so viele wie die Gäste. Aber der Ball wollte zunächst einfach nicht rein. Mal stand ein Bein im Weg, mal der blendend aufgelegte Livadia-Keeper Vicente Valentin. "Vicente hatte heute Spiderman-Hände", lobte Trainer Jorge Jesus mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Erleichterung pendelte. Vor allem Atromitos-Stürmer Daniel Celine dürfte noch eine Weile vom Pfosten träumen: zwischen der 40. und 66. Minute hatte er gleich vier Mal eine Großchance - und jedes Mal blieb der Torjubel im Hals stecken. "Ich hab irgendwann überlegt, ob das Tor kleiner geworden ist", knurrte Celine nach dem Spiel, "aber nein, Vicente war einfach überall." In der ersten Halbzeit war Livadia das cleverere Team. Mit rund 49 Prozent Ballbesitz und gefährlichen Kontern gaben sie das Spieltempo vor. Nach der Pause aber drehte Atromitos auf. Graf ließ offensiv ausrichten, die Pässe wurden länger, der Einsatz härter. Die Statistiken untermauern es: 51 Prozent Ballbesitz, leichtes Tackling-Übergewicht (52 Prozent gewonnene Zweikämpfe) und ein Pressing, das in den letzten Minuten beinahe verzweifelt wirkte - aber eben nur beinahe. Denn in der 84. Minute kam, was kommen musste: Oscar Neil, eigentlich linker Verteidiger, schlug eine butterweiche Flanke in den Strafraum, und Connor Kinmont, 33 Jahre alt und mit der Ruhe eines Mannes, der schon viel erlebt hat, köpfte wuchtig zum 1:1 ein. Der Jubel im Peristeri-Stadion war ohrenbetäubend. "Ich hab nur gedacht: Endlich!", rief Kinmont nach dem Abpfiff in Richtung der Fans, die seinen Namen sangen. "Manchmal muss man alt sein, um geduldig zu bleiben." Livadia versuchte danach noch einmal zu antworten - Karl Lehmann verpasste in der 85. Minute mit einem Schlenzer nur um Zentimeter, und der junge Davib Besson setzte in der 87. Minute den letzten Schuss über die Latte. Danach sah Felipe Marques in der Nachspielzeit Gelb - sinnbildlich für den Nervenkitzel, den die Gäste in den letzten Minuten kaum noch ertrugen. "Wir haben zwei Gesichter gezeigt", fasste Atromitos-Trainer Graf treffend zusammen. "In der ersten Halbzeit waren wir zu brav, in der zweiten endlich mutig. Und Mut wird manchmal spät belohnt." Sein Gegenüber Jesus sah es ähnlich, nur mit anderem Unterton: "Wenn du 84 Minuten führst und dann so ein Tor kassierst, fühlt sich ein Punkt plötzlich wie eine Niederlage an." Taktisch war es ein interessantes Kräftemessen: Livadia spielte die meiste Zeit ausgewogen, mit starkem Zentrum und kontrolliertem Aufbau - typisch für Jesus’ Schule. Atromitos dagegen stellte von Beginn an offensiv, blieb aber lange zu ungeduldig. Erst das späte Umschalten auf lange Bälle und aggressives Pressing brachte den Durchbruch. Unterm Strich war es ein gerechtes Unentschieden - auch wenn beide Trainer das natürlich anders sehen. Die 22.876 Zuschauer durften jedenfalls ein Spiel erleben, das zwar kein Feuerwerk an Toren bot, dafür aber reichlich Spannung, Emotion und, wie man in Athen sagt, "Herz bis zur letzten Minute". Und während die Flutlichter langsam erloschen und die Fans Richtung Tavernen strömten, sagte ein älterer Atromitos-Anhänger mit einem zufriedenen Grinsen: "Wenn wir immer so kämpfen, dann kann der Frühling kommen." Der Frühling vielleicht noch nicht - aber der erste Punkt der Saison ist da. Und der fühlt sich für Atromitos fast wie ein Sieg an. 30.05.643990 00:50 |
Sprücheklopfer
Die Brisanz dieses Spieles hat man daran erkannt, dass sich Franz Beckenbauer über unsere Tore gefreut hat.
Mehmet Scholl nach einem der Derby der Bayern gegen die Löwen