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Es war einer dieser Abende in Athen, an denen man sich fragt, ob der Fußballgott nicht heimlich Würfel benutzt. 22.460 Zuschauer im Stadion von Atromitos sahen beim 15. Spieltag der griechischen Superliga ein 3:3-Spektakel gegen Ergotelsis - mit allem, was dazugehört: früher Schock, wütende Gegenwehr, ein Doppelschlag des Tageshelden Sideris Samaras und ein Trainer, der nach Abpfiff zwischen Erleichterung und Erschöpfung schwankte. Dabei begann alles wie ein schlechter Witz für die Hausherren. Keine fünf Minuten waren gespielt, da rannte Ergotelsis’ Veteran Stelios Zagorakis nach Pass von Ioakim Mitroglou allein auf das Tor zu und versenkte eiskalt - 0:1, und die Fans von Atromitos rieben sich noch den Schlaf aus den Augen. "Wir waren wohl noch beim Aufwärmen", knurrte Trainer Michael Graf später und klopfte dabei mit dem Kugelschreiber auf den Notizblock. Das frühe Gegentor wirkte immerhin wie ein Weckruf. Atromitos, mit einer klar offensiven Ausrichtung gestartet, fand ins Spiel. In der 18. Minute belohnte sich die Mannschaft: Nevio de Almeida traf nach feinem Zuspiel von Humberto Ferreira zum 1:1. Ein Tor, das den Block Ost zum Beben brachte - und Graf erstmals an diesem Abend lächeln ließ. Doch die Freude währte kurz. Nur elf Minuten später stellte Ergotelsis den alten Abstand wieder her: Simone Tomasi, der elegante Linksfuß der Gäste, zog nach Vorlage von Diogenis Galakos aus 20 Metern ab - 1:2. Und als drei Minuten darauf Fotios Sisinis nach einem Konter das 1:3 markierte, schien die Partie entschieden. "Wir haben gespielt, als würden wir jeden Ball in den Souvenirladen schießen", ärgerte sich Graf später mit einem bitteren Grinsen. Doch Atromitos wäre nicht Atromitos, wenn sie nicht noch ein kleines Drama inszeniert hätten. Kurz vor der Pause, in Minute 41, schlug wieder Humberto Ferreira einen dieser präzisen Steilpässe, die nach Espresso riechen. Sideris Samaras nahm den Ball in vollem Lauf mit und schob ins lange Eck - 2:3. Und plötzlich war wieder alles offen. "In der Kabine habe ich nur gesagt: Jungs, ihr habt schon mal zwei Tore in einer Halbzeit geschossen - warum nicht drei?", verriet Graf später augenzwinkernd. Offenbar hatte jemand zugehört. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, stand Samaras erneut goldrichtig. Nach Vorarbeit von Carles Castano glich er in der 46. Minute zum 3:3 aus. Das Stadion tobte, und die Ergotelsis-Abwehr wirkte plötzlich so wacklig wie ein Tavernenstuhl. Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Atromitos schoss insgesamt 15-mal aufs Tor, Ergotelsis kam auf 11 Abschlüsse. Die Gäste hatten mit 55 Prozent mehr Ballbesitz, doch die gefährlicheren Szenen gehörten den Hausherren. Besonders auffällig: der eingewechselte Connor Kinmont, der nach einer Stunde gleich zweimal gefährlich abzog, aber am glänzend reagierenden Gästetorhüter Leandros Seitaridis scheiterte. "Das war kein Fußballspiel, das war ein Herz-Kreislauf-Test", japste Samaras nach Abpfiff, während er sich den Schweiß aus dem Gesicht wischte. "Aber wenn du so ein Comeback schaffst, fühlt sich das fast wie ein Sieg an." Auf der anderen Seite wirkte Ergotelsis-Trainer Kostas Mavridis (der Mann, der nach eigenen Worten "nie an ein 3:3 glaubt, weil er keine Mathematik mag") erstaunlich gelassen. "Wir haben gut gespielt, aber am Ende hat Atromitos einfach mehr gewollt", sagte er - und verschwand mit einem Schulterzucken im Kabinengang. Die Schlussphase war dann ein wilder Ritt: Heinz Kroll scheiterte gleich dreimal (71., 86., 90.) nur knapp, während Tomasi und der junge Timon Galakos auf der Gegenseite für Ergotelsis beinahe noch den Lucky Punch setzten. Torhüter Jannis Lee von Atromitos rettete mit einer Flugparade in der 85. Minute das Remis und wurde dafür von den Fans gefeiert, als hätte er den Pokal gewonnen. Am Ende stand ein 3:3, das beiden Teams irgendwie gerecht wurde. Atromitos kämpfte mit offenem Visier, Ergotelsis zeigte die reifere Spielanlage. Die Statistik bezeugt: 44,7 Prozent Ballbesitz für die Gastgeber, 55,3 Prozent für die Gäste - aber Leidenschaft lässt sich eben nicht in Prozent messen. "Wenn jedes Unentschieden so aussieht, unterschreibe ich das sofort", meinte Atromitos-Coach Graf zum Abschluss, während er auf dem Weg zur Pressekonferenz noch einem Balljungen die Hand gab. Ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst - und das wohl noch lange in den Tavernen von Athen nachklingen wird. 30.06.643987 04:35 |
Sprücheklopfer
Ich habe es mir sehr genau überlegt und dann spontan zugesagt.
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