Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Atromitos geht früh in Führung - und Kreta dreht das Spiel im Handumdrehen

Wer am Sonntagabend im Athener Peristeri-Stadion saß, bekam gleich in den ersten 25 Minuten ein komplettes Fußballdrama geboten. 27.000 Zuschauer, Flutlicht, ein lauer Winterabend - und zwei Teams, die sich offenbar früh darauf einigten, das Verteidigen optional zu behandeln. Am Ende hieß es 1:2 (1:2) aus Sicht von Atromitos, und man fragte sich, wie viele Chancen OFE Kreta eigentlich noch gebraucht hätte, um das Ergebnis zweistellig zu gestalten.

Die Partie begann furios. Schon in der 7. Minute brachte Humberto Ferreira die Gastgeber in Führung. Nach einem klugen Steckpass von Nevio de Almeida zog Ferreira aus rund 18 Metern ab - und der Ball zischte unhaltbar für Kretas Keeper Kian Boutin ins rechte Eck. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste der Schütze später, "aber offenbar hatte er andere Pläne."

Doch die Freude währte nur kurz. Kreta, angetrieben vom unermüdlichen Mittelfeldmotor Manuel Da Cru, antwortete in der 20. Minute. Duarte Caneira legte quer, Da Cru zog ab - 1:1. Fünf Minuten später wurde es richtig bitter für Atromitos: Felipe Jemez spielte einen Pass in die Schnittstelle, Guillermo Yanez startete durch, blieb cool vor Torwart Jannis Lee und schob zum 1:2 ein. Zwei Tore binnen fünf Minuten - das nennt man wohl kretische Effizienz.

Von da an war Kreta Herr im fremden Haus. 17 Torschüsse verzeichneten die Gäste, während Atromitos ganze vier Mal halbwegs gefährlich wurde. 54 Prozent Ballbesitz für Kreta, dazu mehr gewonnene Zweikämpfe und das sichtbar bessere Positionsspiel. Trainer Jeff Johnson gab sich nachher betont gelassen: "Wir hätten das Spiel in der ersten Halbzeit entscheiden müssen. Meine Jungs haben dann einfach aufgehört, Tore zu schießen - vermutlich aus Mitleid."

Atromitos-Coach Michael Graf dagegen rang um Fassung. "Die ersten 15 Minuten waren stark. Danach haben wir Kreta eingeladen, bei uns Urlaub zu machen - mit All-inclusive im Strafraum." Seine Mannschaft kämpfte zwar, doch spielerisch blieb vieles Stückwerk. Lange Bälle, viel Hoffnung, wenig Struktur - die Statistik "Passquote Langholz" dürfte einen neuen Vereinsrekord aufgestellt haben.

Kurz vor der Pause reagierte Graf und brachte Sideris Samaras für Nicola Sala; später kamen Connor Kinmont und Theofanos Sisinis. Doch die Wechsel verpufften. Kinmont, eigentlich Stürmer, rieb sich meist im Mittelfeld auf, während Sisinis auf der linken Seite mehr foult als flankt. Immerhin: Mit zunehmender Spielzeit wurde Atromitos offensiver, das Pressing intensiver - aber ohne Ertrag.

Kreta verwaltete den Vorsprung clever. Da Cru, der Torschütze zum 1:1, sah zwar in der 69. Minute Gelb nach einem rustikalen Einsteigen, doch ließ sich davon nicht beirren. "Ich habe den Ball berührt", meinte er hinterher, "aber der Ball war halt der rechte Knöchel des Gegners." Auch Innenverteidiger Odysseas Christou sammelte Gelb, als er nach einem missglückten Kopfballversuch kurzerhand den Gegner umarmte.

In der Schlussphase dann etwas Dramatik: Kretas Rechtsverteidiger Agemar Corcoles musste nach 83 Minuten verletzt raus - er humpelte mit bandagiertem Knie vom Feld, während Ersatzmann Fernando Longas einsprang. "Ich hab nur kurz gezwinkert, da war er schon am Boden", witzelte ein Mitspieler später.

Atromitos drängte nun mit allem, was Beine hatte. Ferreira versuchte es aus der Distanz, Samaras scheiterte ebenfalls, und Innenverteidiger Mitroglou prüfte Boutin mit einem Kopfball in der 51. Minute. Doch der Torwart blieb sicher, und wer ehrlich war, musste sagen: Das 1:2 schmeichelte den Gastgebern noch.

"Wir haben zu spät verstanden, dass Fußball kein Wunschkonzert ist", meinte Kapitän Isidoro Beto, der in der 71. Minute Gelb sah. "Wir wollten spielen wie Brasilien, aber leider hatten wir die Pässe von Griechenland."

So blieb es beim verdienten Auswärtssieg der Gäste, die sich mit energischem Forechecking und jugendlicher Frische den dritten Sieg in Folge sicherten. Yanez, erst 23, wurde von den Fans gefeiert, Da Cru strahlte in der Mixed Zone, und Trainer Johnson murmelte beim Verlassen des Stadions: "Wenn wir so weitermachen, fliegen wir bald nicht mehr nach Athen - die kommen freiwillig zu uns."

Am Ende ein Abend, der zeigte, dass Offensivgeist manchmal über taktische Balance siegt. Und dass man in Athen künftig wohl an der Abwehrarbeit feilen muss - oder an der Einladungspolitik für kretische Stürmer.

Schlusswort? Vielleicht dieses: Atromitos hatte Mut, Kreta hatte Plan - und der Fußball, der hatte Spaß.

14.05.643987 20:50
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Denen wurde anscheinend kalt da draußen. Da haben sie halt hin und wieder die Fahne gehoben, damit sie nicht einfrieren!
Thomas Häßler über zwei Schiedsrichterassistenten
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager