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Ein lauer Januarsamstag in Thessaloniki, 23.322 Zuschauer im Toumba-Stadion, Flutlicht, Feta-Geruch in der Luft - und ein Fußballabend, der den Heimfans noch lange in Erinnerung bleiben dürfte. Leider nicht wegen der Punkteausbeute. Denn am 10. Spieltag der 1. Liga Griechenlands drehte Atromitos ein schon verloren geglaubtes Spiel und gewann 3:2 gegen Thessaloniki. Dabei hatte alles so verheißungsvoll für die Hausherren begonnen - beziehungsweise so verheißungsvoll, wie es nach fünf Minuten und einem Gegentor eben sein kann. Daniel Celine, Atromitos’ bulliger Mittelstürmer, nutzte gleich seinen zweiten Abschluss (nach einem ersten Versuch in der vierten Minute) und traf nach feinem Zuspiel von Carles Castano eiskalt zum 0:1. "Ich dachte, wir hätten das Spiel kontrolliert - bis der Ball plötzlich in unserem Netz zappelte", knurrte Thessalonikis Trainer Johnas Heun später. Doch seine Mannschaft reagierte mit Wut, Wille und 57 Prozent Ballbesitz. Chancen im Minutentakt: Konstatinou, Acevedo, Hensley - sie alle feuerten, als gäbe es doppelte Punkte für jeden Schuss. Ilias Konstantinou, gerade einmal 20 Jahre jung, machte es in der 34. Minute besser als alle zuvor: Nach Vorarbeit von Linksverteidiger Yannick Holz drosch er den Ball zum 1:1 unter die Latte. Jubel, Rauchfackeln, das übliche Chaos - Thessaloniki war zurück. Zur Pause fühlte sich das Spiel offen an, aber die Statistiken erzählten eine andere Geschichte: 12:6 Torschüsse für die Gastgeber, 1:1 Tore. "Wenn du so viele Chancen hast und nur einmal triffst, weißt du, was kommt", murmelte ein alter Fan auf der Tribüne, als er sich den nächsten Sonnenblumenkern in den Bart steckte. Und tatsächlich: In der 56. Minute schien Thessaloniki das Spiel zu kippen. Aris Pappas, der rechte Flügelflitzer, vollendete nach einem eleganten Pass von Dario Castello zum 2:1. Der Stadionsprecher überschlug sich beinahe, Trainer Heun streckte beide Fäuste in den Himmel - kurzzeitig sah alles nach einem Heimsieg aus. Aber Atromitos wäre nicht Atromitos, wenn sie nicht aus dem Nichts zurückkämen. Trainer Michael Graf hatte in der 52. Minute reagiert, den müden Celine rausgenommen und Joseph Cawdor gebracht. "Ich wusste, wir brauchen frische Beine und einen langen Atem. Und vielleicht ein bisschen Glück", sagte Graf und grinste. In der 77. Minute fiel das 2:2. Heinz Kroll, sonst eher für rustikale Zweikämpfe bekannt, traf nach Vorarbeit von Nevio de Almeida - und ließ sich anschließend prompt Gelb zeigen, weil er seine Jubelpose direkt vor der Heimkurve auskostete. "Ja, das war’s wert", lachte Kroll nach dem Spiel. Nur sechs Minuten später dann der endgültige Stich ins Herz der Gastgeber: Nicola Sala, der elegante Linksaußen, zog nach feiner Kombination über Oscar Neil und Carles Castano ab. Der Ball flatterte, Torwart Leonidas Spyropoulos griff daneben - 2:3 (83.). Das Stadion verstummte, nur aus dem Gästeblock dröhnte es: "Atromitos, Atromitos!" Thessaloniki versuchte alles. In der 92. Minute kam Linksverteidiger Manuel Quiles noch einmal gefährlich zum Abschluss, aber der Ball rauschte knapp vorbei. Das war’s. "Ich kann meinen Jungs keinen Vorwurf machen. Wir hatten 19 Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Herz. Aber am Ende zählt das Ergebnis - und das ist bitter", sagte Heun auf der Pressekonferenz, während er resigniert an seinem Mikrofon spielte. Sein Gegenüber Graf konterte charmant: "Manchmal gewinnt der, der weniger schießt, aber besser zielt. Heute waren wir das." Pikanterweise musste Heun kurz vor Schluss auch noch die Verletzung von Pol Acevedo verkraften - der erfahrene Stürmer humpelte in der 73. Minute vom Feld, für ihn kam der junge Artemios Siontis. "Ich hab’ nur einen Schlag abbekommen", winkte Acevedo später ab, "aber der Rasen in Thessaloniki ist härter als jeder Verteidiger." So blieb den Heimfans nur das schale Gefühl, ein gutes Spiel verloren zu haben. Die Statistik liest sich wie ein schlechter Scherz: 57 Prozent Ballbesitz, 19:10 Torschüsse, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem null Punkte. Vielleicht hilft da nur Humor. Ein Fan rief beim Verlassen des Stadions: "Wenigstens haben wir mehr geschossen als sie!" Ein anderer antwortete trocken: "Ja, aber leider nicht ins richtige Netz." Am Ende war es ein Abend, wie ihn der Fußball liebt - grausam für die einen, herrlich für die anderen. Thessaloniki sah lange wie der sichere Sieger aus, doch Atromitos hatte den längeren Atem, das bessere Timing und eine ordentliche Portion Unverschämtheit. Oder wie Trainer Graf es formulierte: "Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Krimi - du weißt, wer der Held ist, bis fünf Minuten vor Schluss." 03.05.643987 07:10 |
Sprücheklopfer
Denen wurde anscheinend kalt da draußen. Da haben sie halt hin und wieder die Fahne gehoben, damit sie nicht einfrieren!
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