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Es war einer dieser Abende in Peristeri, an denen die Zuschauer im Stadion noch lange nach Abpfiff auf ihren Sitzen blieben - nicht, weil sie froren, sondern weil sie einfach nicht fassen konnten, was da gerade passiert war. 22.311 Fans sahen ein 2:1 für Atromitos gegen Niki Volos, das erst spät entschieden wurde, aber dafür umso lauter gefeiert wurde. Die erste Halbzeit? Nun ja - man könnte sie als "taktisch geprägtes Abtasten" bezeichnen, wenn man höflich ist. Oder als das, was Opa Kostas auf der Tribüne schnaubend "eine bessere Trainingseinheit" nannte. Atromitos schoss zwar aus allen Lagen (22 Torschüsse im gesamten Spiel!), aber die Genauigkeit ließ zu wünschen übrig. "Ich glaube, der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht war er beleidigt", scherzte Atromitos-Coach Michael Graf später. Volos dagegen spielte das, was man im Trainerdeutsch "kontrollierten Ballbesitz" nennt - 59 Prozent Ballbesitz, aber kaum Gefahr. Ihr Pressing: nicht existent. Ihr Mut: kurz nach der Pause plötzlich da. In der 57. Minute schlug Aristodimos Katranas eiskalt zu, nachdem Joshua Wyler über rechts durchgebrochen war und eine butterweiche Flanke servierte. 0:1 - und plötzlich war das Stadion still. "Da dachte ich kurz, wir müssen heute wohl in Schönheit sterben", gab Atromitos-Kapitän Humberto Ferreira später zu. Doch genau dieser Ferreira war es, der die Partie drehte. In der 76. Minute zog er aus 18 Metern trocken ab - ein Schuss, so präzise wie eine Steuererklärung. Der Ball zischte ins rechte Eck, Volos-Keeper Orestis Koudas streckte sich vergeblich. 1:1 und die Tribünen bebten wieder. Nur sieben Minuten später stand dann Heinz Kroll im Mittelpunkt, der schon die ganze Partie über mehr Kilometer gelaufen war als der Linienrichter. Carles Castano legte ihm den Ball perfekt in den Lauf, Kroll zog ab - 2:1! Die Fans rissen die Arme hoch, Graf sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager beim ersten Konzertbesuch. "Ich hab nur gedacht, bitte nicht wieder Pfosten!", lachte Kroll nach dem Spiel. Volos versuchte danach, mit gepflegtem Ballbesitz zurückzukommen, aber in Wahrheit war der Stecker gezogen. Stattdessen erlebte man noch zwei unschöne Szenen: Zuerst musste Niki-Verteidiger Valantios Lymperopoulos nach einem Zweikampf verletzt raus (76.), später erwischte es auch Castano (86.) - in beiden Fällen sah man schmerzverzerrte Gesichter und sorgvolle Blicke. Atromitos beendete das Spiel mit vollem Einsatz, Taktik hin oder her. Die Statistik zeigte: weniger Ballbesitz, aber mehr Biss. 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 22 Abschlüsse. Volos? Sechs Schüsse aufs Tor - davon einer drin. Man kann das effizient nennen, aber nicht erfolgreich. Nach Abpfiff sprach Trainer Graf von "einem Sieg des Willens". "Wir haben gezeigt, dass man auch mit langen Bällen Fußball spielen kann - wenn man sie wenigstens in die richtige Richtung schlägt", grinste er. Sein Kollege von Niki Volos - der Name blieb im Dunkeln, aber seine Miene sprach Bände - murmelte nur: "Wir hatten das Spiel im Griff, bis wir es verloren haben." Im Presseraum wurde viel gelacht, auch über den Moment in Minute 72, als Arnau Ortega nach einem rustikalen Einsteigen Gelb sah und lautstark protestierte. "Ich hab doch den Ball getroffen!", rief er - und sein Gegenspieler antwortete trocken: "Ja, aber danach auch noch mein Bein." Ein kleiner Junge mit Atromitos-Schal fasste das Spiel beim Hinausgehen wohl am besten zusammen: "Die haben einfach nicht aufgegeben!" Und genau das war es. Kein brillantes, aber ein ehrliches Fußballspiel, das am Ende den belohnt hat, der dranblieb. Mit dem Sieg klettert Atromitos in der Tabelle weiter nach oben und darf zumindest für ein paar Tage von Europa träumen. Volos dagegen fährt mit hängenden Köpfen nach Hause - und mit der Erkenntnis, dass Ballbesitz allein bekanntlich noch kein Tor schießt. Oder, wie es Heinz Kroll später in der Mixed Zone formulierte: "Manchmal musst du einfach draufhauen - irgendwann geht einer rein." Und so war’s dann auch. 04.11.643987 10:37 |
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Ich brauche Spieler, die auf dem Platz die Rute raus holen.
Matthias Sammer