El Mercurio
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Atletico Serena ringt Solo-Solo nieder - ein Sieg der geduldigen Offensive

21.138 Zuschauer im Estadio Serena sahen an diesem Samstagabend ein Spiel, das man freundlich als "einseitig mit Nervenkitzelpotenzial" bezeichnen könnte. Atletico Serena besiegte CD Solo-Solo mit 1:0 - ein Ergebnis, das knapper klingt, als es das Spielgeschehen vermuten lässt. Denn die Gäste brachten es auf exakt null Torschüsse. Null. Nada. "Wir wollten erstmal sicher stehen", erklärte Solo-Solo-Trainer mit trockenem Humor nach dem Abpfiff. Das taten sie - allerdings auch so sicher, dass der eigene Angriff komplett eingemottet blieb.

Atletico dagegen startete stürmisch. Schon in der 5. Minute prüfte der junge Hugo Ramos die Reflexe von Torwart Meik Heinz, der an diesem Abend wohl mehr Schüsse abwehrte als in den letzten drei Spieltagen zusammen. Acht Minuten später wieder Ramos, dann Damian Valdes in der 27. Minute - die Offensive der Serener wirbelte, als ginge es um den letzten Platz in der Champions-Rangliste des guten Geschmacks.

Der entscheidende Treffer fiel schließlich in der 34. Minute. Tiago Antolinez, der spielintelligente Mittelfeldmotor, zog aus der zweiten Reihe ab, nachdem Innenverteidiger Vicente Flores sich einmal über die Mittellinie getraut und den Ball uneigennützig quergelegt hatte. Der Schuss, halb Strich, halb Gedicht, schlug unhaltbar im linken Eck ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Antolinez später grinsend. "Aber wenn der Ball so will, dann lasse ich ihn." Trainer Diego Malek kommentierte nur trocken: "Tiago schießt nie versehentlich."

Danach verpasste Atletico Serena die Entscheidung mehrfach. Valdes und Ramos im Minutentakt, Benett und Chalana mit Distanzschüssen - insgesamt 16 Mal zielten die Hausherren auf den Kasten. Solo-Solo? Schweigend, defensiv, stoisch. Der Ballbesitz war mit 51 zu 49 Prozent zwar fast ausgeglichen, doch das war eher Ergebnis des gepflegten Hin- und Herschiebens im Mittelfeld als echter Balance.

Zur Pause wirkte Malek entspannt. "Wenn wir’s nicht übertreiben, kriegen wir auch keinen Konter", sagte er seinem Co-Trainer - angeblich mit einem Schluck Mate in der Hand. Nach Wiederanpfiff blieb das Bild gleich: Atletico drückte, Solo-Solo wartete. In der 60. Minute kam Routinier Carl Assis für den jungen Flores, um die Defensive zu stabilisieren, weil Trainer Malek wohl ahnte, dass irgendwann einer seiner Verteidiger auf dumme Ideen kommen könnte.

Und tatsächlich: In der 89. Minute erwischte es Nevio Costa, der rechts hinten bis dahin solide gespielt hatte. Nach einem rustikalen Einsteigen sah er glatt Rot. "Ich habe den Ball berührt - also fast", murmelte Costa beim Gang in die Kabine, während Malek sich die Jacke über den Kopf zog, um das Lachen zu verbergen.

In Unterzahl verteidigte Serena den Vorsprung mit Hingabe. Solo-Solo, plötzlich in Überzahl, fand trotzdem keine Idee. Ihr Kapitän Xabier Tiago holte sich in der 90. Minute noch Gelb - aus Frust über die eigene Passivität, mutmaßlich.

Als Schiedsrichter Ortega nach 96 Minuten abpfiff, atmete das Stadion auf. Kein zweites Tor, kein Drama, aber drei Punkte. "Es war ein Arbeitssieg mit Stil", fasste Torschütze Antolinez zusammen. Torwart Elliot Robinson, der sich in 90 Minuten mehr gelangweilt als gefordert fühlte, meinte augenzwinkernd: "Ich hätte fast vergessen, dass ich Handschuhe anhabe."

CD Solo-Solo-Coach nickte anerkennend: "Atletico war heute besser. Wir müssen lernen, dass man zum Toreschießen den Ball braucht."

Statistisch bleibt wenig zu deuteln: 16:0 Torschüsse, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu ein Platzverweis, der mehr für Gesprächsstoff als Gefahr sorgte. Atletico Serena spielte offensiv über die Flügel, aggressiv, aber nicht kopflos - und gewann verdient.

Trainer Malek zeigte sich zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wenn du so viele Chancen liegen lässt, kann das auch mal schiefgehen. Aber heute haben wir uns belohnt."

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit stehenden Ovationen - ein bisschen Erleichterung, ein bisschen Stolz, und vielleicht auch ein Hauch von Verwunderung darüber, wie man ein Spiel so klar dominieren und doch so knapp gewinnen kann.

Am Ende bleibt der Eindruck eines Abends, an dem Atletico Serena Fußball arbeitete statt zelebrierte. Kein Feuerwerk, aber ein solides Handwerk mit gelegentlichem Funkenflug. Und Solo-Solo? Die werden sich wohl in der nächsten Trainingseinheit daran erinnern müssen, dass man auch aufs Tor schießen darf.

Ein Sieg ohne Glanz, aber mit Charakter - und vermutlich genau die Art von Spiel, über die man erst schimpft und dann zufrieden lächelt.

14.05.643987 18:58
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