// Startseite
| El Colombiano |
| +++ Sportzeitung für Kolumbien +++ |
|
|
|
Ein lauer Februarabend in Cucuta, 50.545 Zuschauer, und ein Team, das offenbar beschlossen hatte, Fußball wieder so zu spielen, wie es in alten Straßenlegenden erzählt wird: mutig, frech, torhungrig. Atletico Cucuta besiegte am 33. Spieltag der 1. Liga Kolumbien den bedauernswerten Gast Deportivo Cuyabro mit 4:0 (2:0). Und das, obwohl der Ballbesitz fast ausgeglichen war - 50,1 zu 49,9 Prozent. Doch während die Gäste mit drei kümmerlichen Schüssen auf das Tor eher höflich bei Torwart Asier Domingos anklopften, bombardierte Cucuta das gegnerische Gehäuse gleich 15 Mal. Schon in der ersten Minute gab Silvestre Ruiz mit einem Schuss aufs Tor das Signal: Heute wird’s ernst. In der 19. Minute folgte dann die erste Explosion. Nelson Futre, der rechte Wirbelwind, nahm eine Vorlage von Ruiz auf, tanzte seinen Gegenspieler aus und schob den Ball mit der Seelenruhe eines Mannes ein, der genau weiß, dass das Netz gleich zappeln wird. "Ich hab nur gedacht: Warum nicht schon jetzt anfangen?", grinste Futre später in der Mixed Zone. Deportivo Cuyabro, von Coach (Name in den Unterlagen nicht genannt, aber vermutlich mit Sorgenfalten geboren) auf offensives Spiel eingestellt, fand danach kaum statt. Ihre besten Szenen waren zwei harmlose Distanzschüsse von Agustin Butragueno - der Name klang nach Sturmlegende, die Schüsse aber nach Rückpass. Kurz vor der Pause, in der 43. Minute, dann der nächste Streich. Fernando Frechaut, der 33-jährige Mittelfeldstratege, zog nach einem Doppelpass mit Alfred Abelson ab - und ließ Torwart Fabio Etxeita keine Chance. "Ich wollte eigentlich flanken", behauptete Frechaut später mit einem Zwinkern, "aber der Ball hat sich entschieden, selbst Karriere zu machen." So stand es 2:0, als Schiedsrichter Hernando Pinto zur Pause bat. Trainer Felix Eckball - ja, der Name passt zum Beruf - nutzte die Halbzeit, um Pol Hernando auszuwechseln, der schon in der 13. Minute Gelb gesehen hatte. "Pol ist ein leidenschaftlicher Typ", sagte Eckball hinterher. "Aber wenn er noch einmal so in den Zweikampf geht, gibt’s bald ein eigener Podcast über seine Platzverweise." In der zweiten Hälfte blieb Atletico Cucuta im Vorwärtsgang. Die Statistik sagte zwar "offensiv, aber ohne Pressing", doch in Wahrheit wirkte es, als hätten sie Cuyabro in dessen Hälfte eingemietet. Der junge Noe Cercas, zur Pause eingewechselt, sorgte mit zwei satten Schüssen für Aufsehen, ehe Jorge Mascarenhas in der 62. Minute kam und das Mittelfeld endgültig dicht machte. Als sich das Spiel seinem Ende näherte, verloren die Gäste endgültig die Ordnung - und Ramon Pacos die Geduld. Der flinke Linksaußen hatte schon in der 36. Minute angedeutet, dass er es heute wissen wollte. In der 85. Minute traf er nach Pass von Mascarenhas zum 3:0. Und weil’s so schön war, legte er in der 90. noch einen drauf. "Ich wollte eigentlich den Ball halten", sagte Pacos mit einem Lächeln, "aber er hat sich einfach ins Tor verliebt." Cuyabros Verteidiger Oscar Gomez sah in der 76. Minute noch Gelb - aus purer Frustration, wie man munkeln darf. Sein Trainer stand da schon regungslos an der Seitenlinie, das Klemmbrett schlaff in der Hand. Nach dem Schlusspfiff jubelte das Stadion, und Felix Eckball verschwand kurz im Kabinengang, um dann wieder herauszukommen - mit einem Grinsen, das man nur nach einem perfekten Heimspiel hat. "Wir haben heute das umgesetzt, was man auf dem Trainingsplatz immer nur andeutet: Tore schießen", sagte er. Cuyabros Spieler dagegen wirkten, als hätten sie lieber eine Fernreise gebucht. Kein Wunder: Drei Schüsse aufs Tor, kein Treffer, 0 Punkte. Fazit dieses Abends: Atletico Cucuta spielte, als hätten sie den Fußball gerade neu erfunden - und Deportivo Cuyabro schaute zu, als wären sie Statisten in einem Lehrfilm. "Vielleicht war’s zu viel Offensive bei uns", murmelte ein Cuyabro-Spieler beim Hinausgehen. "Oder zu wenig Ball." So oder so - das 4:0 war hochverdient, spektakulär und ein Statement: In Cucuta wird wieder Fußball gearbeitet, nicht gewartet. Und wer jetzt glaubt, das war nur ein Ausrutscher nach oben, der hat wohl nicht gesehen, wie selbst der Torwart Domingos in der 89. Minute noch applaudierte. Ein Abend, der in der Statistik als klare Sache steht - und in den Herzen der Fans als Fest mit Nachgeschmack: dem süßen Geschmack des Siegens. 13.04.643990 14:33 |
Sprücheklopfer
Wir müssen vor dem Tor einfach cooler sein, einfach heißer.
Thomas Doll