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54043 Zuschauer im Estadio del Caribe bekamen am Dienstagabend ein Fußballfest serviert, das in seiner Klarheit fast unverschämt wirkte. Atletico Chetumal fegte Monarquia Morelia mit 3:0 (2:0) aus dem Pokal und ließ dabei nie einen Zweifel, wer an diesem Abend die Hosen anhatte - oder besser gesagt: die Stutzen richtig hochgezogen. Von Beginn an zeigte Trainer Bastian Roemmlers Elf, dass "offensiv" bei ihnen keine taktische Floskel, sondern Lebensmotto ist. "Wir wollten sie früh packen, damit sie gar nicht erst glauben, hier was holen zu können", grinste Roemmler später in die Kameras - und seine Spieler setzten das in bester Manier um. Bereits in der 18. Minute klingelte es das erste Mal. Mikhail Kalaschnikow - der Name ist Programm - zündete auf der rechten Seite eine Flanke, die so präzise war, dass Amaury Dominguez nur noch den Kopf hinhalten musste. 1:0. Der Jubel hallte durch die Karibiknacht, während Morelia-Torwart Florea Zare wohl kurz überlegte, ob er nicht doch lieber Volleyballer hätte werden sollen. Morelia versuchte es in der Folge mit Ballbesitz, 50,2 Prozent standen am Ende auf dem Statistikblatt - aber was bringt das, wenn man damit höchstens Kreise auf der eigenen Hälfte zieht? Zwei kümmerliche Schüsse aufs Tor standen 13 Versuchen Chetumals gegenüber. Das nennt man dann wohl "optische Täuschung von Kontrolle". In der 26. Minute musste Morelia bereits wechseln. Innenverteidiger Joaquin Salinas verletzte sich ohne gegnerische Einwirkung - vielleicht war es der Anblick von Dominguez, der ihn zu Boden sinken ließ. Für ihn kam Vitor Longas, der sich gleich in die Abwehrschlacht werfen durfte. "Da wusste ich schon, das wird ein langer Abend", stöhnte er später. Lange dauerte es tatsächlich nicht, bis Atletico wieder zuschlug. In der 39. Minute rollte der nächste Angriff - wieder über rechts, wieder mit Kalaschnikow als Vorlagengeber. Seine Flanke fand Humberto Ortiz, der den Ball gefühlvoll ins lange Eck legte. 2:0. Trainer Roemmler ballte die Faust, während sein Gegenüber an der Seitenlinie resigniert die Arme hängen ließ. "Wir hätten zur Pause schon 4:0 führen können", meinte Dominguez später und grinste verschmitzt, "aber wir wollten das Publikum ja nicht langweilen." Nach dem Seitenwechsel änderte sich wenig. Morelia blieb brav ausgeglichen - zumindest laut Taktikzettel - und Chetumal blieb brandgefährlich. In der 53. Minute war es erneut Dominguez, diesmal nach Eckball von Eskil Dahlstrom, der zum 3:0 einköpfte. Ein klassisches "Deckung vergessen"-Tor, bei dem Morelias Abwehr kollektiv auf den Boden starrte, als läge dort das Geheimnis ihrer misslichen Lage. Gelbe Karten sammelten die Gastgeber dann fast im Sammelkartenspiel-Modus: Vicente Morte (59.), Nevio Morte (62.) und Pascal Linke (80.) trugen sich ins Notizbuch des Schiedsrichters ein. Trainer Roemmler nahm’s gelassen: "Wenn man so viel läuft, stolpert man halt auch mal in den Gegner." Die letzten 20 Minuten waren dann Schaulaufen. Marc Mendilibar, frisch eingewechselt für Vicente Morte, versuchte sich mit zwei Distanzschüssen, während Luca Fricke auf rechts noch ein paar Tricks auspackte, die eher an Streetball erinnerten als an Pokaldisziplin. Das Publikum war begeistert - und selbst Morelias Trainer konnte sich ein gequältes Lächeln nicht verkneifen. "Manchmal weiß man schon nach zehn Minuten, dass man heute keinen Punkt, sondern nur Erfahrung sammelt", murmelte er nach Abpfiff. Viel mehr als Erfahrung blieb seinem Team tatsächlich nicht. Atletico Chetumal dagegen zieht souverän in die nächste Pokalrunde ein - offensiv, aggressiv und mit einem Dominguez, der an diesem Abend alles überstrahlte. "Ich hab einfach Spaß gehabt", sagte der Doppeltorschütze, "und wenn man Spaß hat, fliegt der Ball halt rein." Ein Satz, der wohl bald über dem Kabinengang des Estadio del Caribe hängen wird - als Erinnerung daran, wie man Fußball spielt, wenn man’s ernst meint, aber nicht zu ernst. Und während die Fans noch die Wellen am nahen Strand rauschen hörten, dachte manch einer: Wenn Chetumal so weitermacht, wird dieser Pokal nicht im Vitrinenschrank verstauben - sondern glitzern wie die Karibik selbst. 03.05.643994 23:12 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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