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59.000 Zuschauer in der vibrierenden Arena von Chetumal sahen an diesem Freitagabend ein Spiel, das auf dem Papier lange offen schien, auf dem Rasen aber zunehmend eine einseitige Note bekam. Deportivo Pachuca gewann verdient mit 3:1 (1:1) - und das, obwohl es zwischendurch so aussah, als hätte Atletico Chetumal den Rhythmus gefunden. Schon in den ersten Minuten deutete sich an, dass Trainer Bernd Franke seine Pachuca-Elf auf Angriff programmiert hatte. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir keine Angst vor tropischer Luft haben", grinste Franke später. Und seine Männer hielten Wort: Bereits in der 2. Minute prüfte Quinter De Ryck den Chetumal-Keeper Callum Greenwald mit einem satten Schuss, der die Handschuhe des Keepers auf Betriebstemperatur brachte. In der 16. Minute war es dann so weit: Salvador Alvaro, zentraler Mittelfeldmann mit dem Schienbein eines Uhrwerks, traf nach feinem Zuspiel von De Ryck zum 0:1. Ein Treffer, der so präzise war, dass selbst der Linienrichter kurz die Luft anhielt. "Ich hatte das Gefühl, der Ball war magnetisch gezogen", sagte Chetumals Abwehrchef Dominique Pare später leicht genervt. Doch Atletico zeigte Charakter. In der 33. Minute, nach einigen wackligen Szenen hinten und einem gelben Karton-Tango auf dem Rasen, war Guy Lancaster zur Stelle. Sein trockener Schuss nach Vorlage von Daniel da Costa zischte ins rechte Eck - 1:1, und das Stadion explodierte beinahe. Trainer Bastian Roemmler sprang an der Seitenlinie, als hätte er gerade den Jackpot gewonnen. "Das war der Moment, in dem ich dachte: Jetzt kippt das Spiel!", rief er später auf der Pressekonferenz - um dann mit einem bitteren Lächeln hinzuzufügen: "Tja, dummer Gedanke." Denn Pachuca kam nach der Pause noch wacher zurück. Nur vier Minuten nach Wiederanpfiff zirkelte Xabi Ordonez den Ball aus halblinker Position ins Netz - flankiert von einem butterweichen Pass von Joseba Costa. 1:2, und Chetumals Abwehr wirkte plötzlich wie ein Kartenhaus im Wind. In der Folge versuchte Atletico alles: mehr Ballbesitz (am Ende 48 Prozent), mehr Einsatz, mehr Gelbe Karten. Dennis Fleischer (56.) und Oscar Galindez (66.) sahen Gelb, Patrick Hayman setzte in der Nachspielzeit noch einen drauf. Zwischendrin wechselte Roemmler dreimal, brachte frische Beine, aber keine frischen Ideen. Andrew Neville, der für Raffaello Conflenti kam, sprintete zwar wie ein Duracell-Hase, doch gefährlich wurde es kaum. Pachuca hingegen spielte abgeklärt und mit jener Selbstverständlichkeit, die nur Teams haben, die wissen, wo das Tor steht. In der 85. Minute machte Quinter De Ryck endgültig den Deckel drauf - 1:3, nach einem schnellen Konter, den er eiskalt abschloss. "Ich hab einfach gedacht: Wenn ich jetzt nicht schieße, schimpft der Trainer wieder beim Abendessen", witzelte der Belgier nach dem Spiel. Kurz vor Schluss sorgte Bruno Beaupre mit einer Gelb-Roten Karte (89.) noch für ein wenig Chaos - offenbar hatte er vergessen, dass man nach Gelb nicht mehr unbegrenzt foulen darf. Sein Trainer Bernd Franke nahm’s gelassen: "Bruno wollte wohl noch duschen, bevor die anderen kommen." Statistisch blieb das Spiel recht ausgeglichen: 8:9 Torschüsse, 48 zu 52 Prozent Ballbesitz - doch die Effizienz sprach klar für Pachuca. Atletico Chetumal, das sich phasenweise mit Herz und Härte gegen die Niederlage stemmte, verlor am Ende gegen ein Team, das schlicht cleverer war. "Wir haben zu viel gedacht und zu wenig getan", bilanzierte Coach Roemmler, während er sich die Notizen vom Spiel zerknüllt in die Jackentasche schob. "Vielleicht sollten wir nächstes Mal einfach weniger hübsch und mehr hässlich spielen." Für Pachuca war es ein Sieg mit Signalwirkung - taktisch diszipliniert, technisch stark, und mit einer Portion südamerikanischer Lässigkeit. Selbst in Unterzahl brachten sie den Vorsprung souverän über die Zeit. Als die letzten Fans das Stadion verließen, hallte noch ein Satz durchs Rund: "Heute hat der Kopf gegen das Herz gewonnen." Und wer das Spiel gesehen hatte, wusste: Es war nicht nur ein Spruch, sondern die Wahrheit dieses Abends in Chetumal. 16.01.643991 08:13 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme