Heraldo de Mexico
+++ Sportzeitung für Mexico +++

Atletico Chetumal siegt mit Stil - und einem Verteidiger als Torjäger

Ein lauer Abend in Chetumal, 38.923 Zuschauer, ein gepflegter Rasen und zwei Teams namens Atletico - das eine mit Selbstvertrauen, das andere mit Sorgenfalten. Am fünften Spieltag der 1. Liga Mexiko gewann Atletico Chetumal mit 2:0 gegen Atletico Atlas, und das Ergebnis war so klar wie verdient. Wer 19 Torschüsse abgibt, darf sich eben auch mal belohnen.

Trainer Bastian Roemmler stand nach dem Abpfiff mit einem zufriedenen Grinsen an der Seitenlinie. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn der Linksverteidiger trifft, gibt’s morgen frei", witzelte er - und genau so kam es. Dennis Fleischer, sonst eher für Grätschen als für Glanz zuständig, erzielte in der 51. Minute das 1:0. Nach feiner Vorarbeit von Daniel da Costa zog Fleischer einfach mal ab. Der Ball zischte mit so viel Selbstbewusstsein ins rechte Eck, dass Atlas-Keeper Ricardo Costa nur noch den Kopf schütteln konnte.

Bis dahin hatte Chetumal die Partie kontrolliert, aber ohne zählbaren Erfolg. Schon in den ersten Minuten prüften Raffaello Conflenti (2., 3., 37.) und Eugenio Taverna (7., 9.) den gegnerischen Torhüter - doch der zeigte, warum er seinen Job behalten darf. "Wir hätten in der ersten Hälfte schon drei machen müssen", murrte da Costa später, "aber vielleicht wollten wir’s einfach spannend halten."

Atlas, das Gastteam aus Guadalajara, blieb über weite Strecken blass. Vier Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände - und keiner davon wirklich gefährlich. Der junge Vicente Acevedo versuchte es früh (6.), doch sein Schuss landete eher im Bereich der lokalen Meteorologie als im Strafraum. In der 69. Minute durfte Fernando Sa Pint noch einmal einen Versuch wagen, aber Callum Greenwald im Tor der Gastgeber hatte einen dieser Abende, an denen Torhüter anfangen zu lächeln, wenn sie einen Ball fangen.

Chetumal spielte ruhig, fast britisch diszipliniert, mit 52 Prozent Ballbesitz und einem Passspiel, das so kurz und präzise war, dass man im Stadion das leise "Klack-klack" der Pässe übertönen hörte. Die Taktik: ausgewogen, aber mit spürbarem Drang nach vorn. "Wir haben einfach unser Ding gemacht", sagte Roemmler später, "keine wilden Flügelstürme, kein Pressing-Wahnsinn - einfach Fußball."

In der 74. Minute fiel dann die Entscheidung. Mikhail Kalaschnikow - ja, der Name ist echt - zog ab wie seine berühmte Namensvetterin feuern würde: trocken, direkt, unhaltbar. Nach Vorlage von Morgan Cort jagte der 21-Jährige die Kugel unter die Latte. 2:0, Stadion in Ekstase. Auf der Tribüne tanzte jemand mit einem Pappkartonhelm, der aussah wie eine improvisierte Kalaschnikow. Fußballpoesie, mexikanisch.

Atlas versuchte in den Schlussminuten noch einmal, den Schaden zu begrenzen, aber Filipe Assis’ Versuch in der 88. Minute blieb Symbol für den ganzen Abend: bemüht, aber ohne Ziel. Der eingewechselte Andrew Neville hätte in der 87. Minute sogar noch erhöhen können, doch sein Schuss ging knapp vorbei - "Ich wollte’s schön machen", grinste er später, "aber der Ball hatte andere Pläne."

Man merkte: Chetumal hatte Spaß. Selbst der Schiedsrichter, sonst eher ein Freund des ernsten Blicks, lachte, als Roemmler in der 80. Minute seinen Linksaußen Vicente Morte einwechselte und ihm zurief: "Mach’s besser als der andere Vicente!" - was Morte prompt mit einem ordentlichen Schuss (86.) beantwortete.

Nach dem Spiel standen die Fans noch lange auf den Rängen, sangen, winkten, diskutierten. "Das war Fußball, wie wir ihn lieben", meinte ein älterer Herr mit Chetumal-Schal, "ehrlich, direkt, mit einem Verteidiger als Helden."

Atlas-Trainer war nach dem Spiel kaum zu sehen, seine Mannschaft hatte zu wenig gezeigt. Kein Pressing, kein Risiko - ein bisschen so, als hätten sie vergessen, dass man für Punkte auch Tore braucht.

So bleibt von diesem Abend vor allem die Erkenntnis: Atletico Chetumal kann mehr als nur mithalten - sie können dominieren. Ein 2:0, das in Wahrheit nach 4:0 roch, und eine Mannschaft, die langsam danach aussieht, als wolle sie in dieser Saison mehr als nur Platz fünf.

Oder wie es Roemmler zum Schluss formulierte, mit einem Augenzwinkern: "Wenn Dennis Fleischer jetzt jede Woche trifft, muss ich mir wohl einen neuen Linksverteidiger suchen."

Und wer weiß - vielleicht ist das gar keine Drohung, sondern ein Versprechen.

06.03.643987 12:00
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