Noticiero VeneVision
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Atletico Anzoategi ringt Real Caracas in hitzigem Duell nieder

Wer an diesem lauen Februarabend im Stadion von Puerto La Cruz pünktlich kam, der wurde sofort belohnt - und wer zu spät kam, musste sich ärgern. Schon nach 60 Sekunden zappelte der Ball im Netz: Andres Pere, der Taktgeber im Mittelfeld von Atletico Anzoategi, traf mit einem trockenen Schuss aus 18 Metern. "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte Pere später grinsend, "der Ball lag da, also hab ich ihn einfach mal gegrüßt."

20.000 Zuschauer jubelten, als wäre gerade der Meistertitel entschieden worden. Doch Real Caracas zeigte sich davon unbeeindruckt. Sechs Minuten später antwortete Michel Brinkmann, der gewiefte Regisseur der Gäste, mit einem wuchtigen Abschluss nach Vorarbeit von Innenverteidiger Kai Marx - ein kurioses Zuspiel, das wohl so nicht im Training geübt wird. "Ich wollte eigentlich klären", murmelte Marx nach dem Spiel verschämt, "aber wenn’s hilft, helf ich halt vorne auch mal mit."

Damit war nach kaum zehn Minuten das 1:1 hergestellt, und die Partie nahm richtig Fahrt auf. Real Caracas spielte mit 14 Torschüssen zwar zielstrebiger, während Atletico (nur neun Abschlüsse) eher auf Effizienz setzte, doch der Unterschied lag im Timing: Wenn die Hausherren kamen, dann brandgefährlich. Trainer Eiko Henke an der Seitenlinie von Caracas, sonst eher ein ruhiger Typ, brüllte seine Verteidiger mehrfach zusammen: "Ihr müsst die Mitte zumachen - das ist kein Tag der offenen Tür!"

Die erste Halbzeit blieb turbulent. Julian Tarrega, der bullige Mittelstürmer der Gastgeber, prüfte den Keeper Helmut Ackermann gleich mehrfach (23. und 28. Minute), doch der reagierte glänzend. Auch Fabio Santos auf der linken Seite sorgte mit zwei beherzten Läufen für Raunen auf den Rängen. Auf der Gegenseite wirbelte der erst 21-jährige Agemar Manuel, der offenbar beschlossen hatte, das Spiel als seine persönliche Bewerbungsshow zu nutzen. Drei Abschlüsse in der ersten halben Stunde, keiner drin - aber alle brandgefährlich.

Mit 1:1 ging es in die Pause, und während die Zuschauer an den Kiosken über die Chancenverwertung diskutierten, schien Atletico-Trainer (dessen Name geheimnisvollerweise in den Unterlagen fehlte - vielleicht wollte er sich selbst nicht zitieren lassen) in der Kabine die richtigen Worte gefunden zu haben. Denn kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, schlug Tarrega zu. In der 47. Minute verwandelte er eine butterweiche Vorlage von Andres Pere zum 2:1. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", grinste der 33-Jährige. Pere, sein Passgeber, konterte trocken: "Wenn er das nicht gemacht hätte, hätte ich ihn aus dem Team geworfen."

Real Caracas drängte danach mit Macht. Miguel Costa zog die Fäden im Mittelfeld, Francisco Gallardo sorgte auf links für Dauerbetrieb - doch es fehlte das letzte Quäntchen Präzision. Atletico verteidigte nicht immer schön, aber effektiv. Keeper Asier Juanez pflückte Flanken herunter, als hätte er Magnet-Handschuhe an.

Trainer Henke reagierte mit gleich drei Wechseln, brachte unter anderem den jungen Tiago Bauza (20) und den 17-jährigen Rafael Leao. Doch der frische Wind blieb mild. "Wir hatten die Spielkontrolle, aber kein Glück", haderte Henke später. Vielleicht lag es auch an der Gelben Karte für Innenverteidiger Tomas Fritz in der 89. Minute - sinnbildlich für den Frust der Gäste.

Atletico wiederum zeigte, dass man auch mit 54 Prozent Ballbesitz und nur neun Torschüssen ein Spiel gewinnen kann, wenn man die wichtigen Momente nutzt. "Wir haben heute mit Herz gewonnen, nicht mit Statistik", kommentierte Kapitän Tarrega im Kabinengang, noch mit Schweißperlen auf der Stirn.

Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen. Ein älterer Herr auf der Tribüne fasste es treffend zusammen: "Das war kein Fußballspiel - das war ein Drama in zwei Akten."

Und tatsächlich: Atletico Anzoategi bleibt mit diesem 2:1-Erfolg im Rennen um die oberen Tabellenplätze, während Real Caracas mit leeren Händen, aber nicht ohne Stolz die Heimreise antrat. "So ist Fußball", seufzte Henke. "Mal trifft der Gegner nach einer Minute, mal du selbst - heute halt keiner von uns nach der Pause."

Ein bisschen Ironie liegt in der Geschichte: Atletico spielte von Beginn an offensiv, Caracas dagegen ausgewogen und taktisch diszipliniert - am Ende entschied aber pure Leidenschaft. Vielleicht hätte man das ahnen können, als Pere schon in der ersten Minute beschloss, den Abend früh zu eröffnen.

Schlusswort? Nun, wer künftig zu spät ins Stadion kommt, sollte sich nicht wundern, wenn das Beste schon vorbei ist.

12.07.643987 00:15
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Hass gehört nicht ins Stadion. Solche Gefühle soll man gemeinsam mit seiner Frau daheim im Wohnzimmer ausleben.
Berti Vogts
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