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36.000 Zuschauer im Estadio Jalisco sahen am Dienstagabend ein Fußballspiel, das in seiner ersten halben Stunde so aussah, als hätte der Heimverein Atletico Atlas tatsächlich die Kontrolle über die eigene Offensive. Am Ende aber ging die Partie des 19. Spieltags der 1. Liga Mexico mit 2:4 (2:2) an Deportivo Pachuca - ein Ergebnis, das den Spielverlauf deutlich realistischer widerspiegelt als die zwischenzeitlichen Jubelstürme der Atlas-Fans. Bereits nach zehn Minuten bebte das Stadion, als Jose Enrique Beto, der flinke Rechtsaußen, einen Pass von Vitorino Verdasco aufnahm und trocken ins linke Eck abschloss. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Beto später, "aber der Wind war heute unser zwölfter Mann." Trainer der Heimelf - dessen Name man sich vielleicht besser für den nächsten Spieltag merkt - ballte die Faust, während sein Gegenüber Bernd Franke nur kurz die Stirn runzelte. Doch Pachuca ließ sich nicht lange bitten. In der 20. Minute zimmerte Linksverteidiger Bruno Beaupre nach klugem Zuspiel von Salvador Alvaro den Ball unhaltbar unter die Latte - 1:1. "Wenn selbst der Linksverteidiger trifft, weißt du, dass der Abend lang wird", murmelte ein Atlas-Fan auf der Tribüne, während sein Bierglas gefährlich schwappte. Atlas schlug zurück: In der 32. Minute traf der erfahrene Mevlut Demirkiran nach Vorlage von Nestor de Silva erneut zur Führung. Ein Tor, das an alte Zeiten erinnerte, als der 33-Jährige noch den Beinamen "der Hammer vom Bosporus" trug. Doch die Freude dauerte kaum zehn Minuten. Kurz vor der Pause traf Duarte Ramallo für Pachuca zum 2:2-Ausgleich - nach herrlicher Vorarbeit von Mittelfeldmotor Xavi Velasquez. "Das war kein Zufall", erklärte Ramallo nach dem Spiel, "wir wussten, dass Atlas nach einer halben Stunde müde wird." Die Statistik gab ihm recht: Pachuca dominierte mit 26 Torschüssen und fast 58 Prozent Ballbesitz, während Atlas gerade einmal fünf Abschlüsse zustande brachte. In der zweiten Halbzeit zeigte sich dieser Unterschied in aller Deutlichkeit. In der 55. Minute krönte Xavi Velasquez seine Leistung mit einem trockenen Schuss aus 18 Metern - 2:3. Nur zwei Minuten später machte Adam Gunn mit einem präzisen Abschluss nach Vorarbeit von Joseba Costa alles klar. 2:4. "Da war die Luft raus", seufzte Atlas-Mittelfeldmann Fernando Sa Pint, bevor er in der 81. Minute verletzt ausgewechselt wurde. Sein Ersatzmann Vitor Aguas versuchte, mit langen Pässen das Spiel noch einmal anzukurbeln, doch Pachuca stand sicher. Die Zuschauer quittierten die Offensivbemühungen ihres Teams am Ende mit einem resignierten Applaus. Einige pfiffen, andere lachten bitter. "Wir haben offensiv gespielt, aber wahrscheinlich in die falsche Richtung", witzelte ein Fan beim Verlassen des Stadions. Immerhin: Die Gastgeber hielten in der ersten Halbzeit kämpferisch dagegen, auch wenn Filipe Assis bereits nach 21 Minuten Gelb sah. Danach aber fehlte der Mut, den Pachuca demonstrierte. Das Team von Bernd Franke blieb taktisch ausgeglichen, spielte über die Flügel, kombinierte sicher und schien nie wirklich nervös zu werden. Franke selbst fasste es nach Schlusspfiff trocken zusammen: "Wir wollten ruhig bleiben, den Ball laufen lassen - und Atlas hat uns den Platz gelassen. Mehr kann man sich als Trainer nicht wünschen." Auf der anderen Seite klang es weniger entspannt. "Wir müssen lernen, dass 30 gute Minuten nicht reichen", sagte ein sichtlich genervter Atlas-Verteidiger. "Manchmal frage ich mich, ob wir den Ball zu sehr lieben - wir geben ihn einfach nicht gern her, selbst im Strafraum." Dass Pachuca nicht noch höher gewann, lag allein an Atlas-Keeper Nevio Alvarez, der mehrere Großchancen vereitelte. In der 70. Minute etwa tauchte er spektakulär nach einem Schuss von Adam Gunn ab und rettete mit den Fingerspitzen. Eine Szene, die die Fans wenigstens einmal von den Sitzen riss. Als Schiedsrichter Lopez nach 96 Minuten abpfiff, war das Bild eindeutig: Pachuca jubelte, Atlas schlich vom Platz. 4:2 - ein Ergebnis, das wie eine freundliche Umschreibung für ein Spiel wirkte, in dem die Gäste über weite Strecken schalten und walten konnten. Vielleicht tröstet die Atlas-Fans eines: Der Fußball hat seine eigene Logik - und manchmal braucht es nur ein bisschen Trotz, um beim nächsten Mal wieder zu überraschen. Trainer Franke grinste jedenfalls, als er hörte, dass der Gegner trotz der Niederlage weiter offensiv spielen will: "Sollen sie ruhig. Wir freuen uns schon aufs Rückspiel." Und irgendwo auf der Tribüne blieb die letzte Bierdose des Abends stehen. Ein Fan hob sie und murmelte: "Auf die Hoffnung - und auf weniger Gegentore." 27.08.643987 04:55 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme