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Es war ein Abend voller Tempo, Tumult und Teenagerhelden. Vor 43.463 euphorisierten Zuschauern im Estadio Metropolitano verwandelte sich der 4. Spieltag der 1. Liga Spanien in ein wogendes Fußballtheater. Athletic Madrid gewann 3:2 gegen Herculano Alicante - ein Ergebnis, das weniger von taktischer Disziplin als von jugendlicher Unbekümmertheit und einer Prise Wahnsinn geprägt war. Bereits nach fünf Minuten rieben sich die Madrider Fans die Augen: Damián Núñez, gerade mal 20 Jahre alt, stürmte nach einem Pass von Patrick Beaupré über rechts in den Strafraum, zog ab - und plötzlich stand es 0:1. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", gab Athletic-Trainer Rocky Schönknecht später mit einem gequälten Lächeln zu. "Aber Damián hat wohl eine andere Vorstellung von Physik." Athletic brauchte einige Minuten, um sich zu fangen. Doch dann begann das große Werk von Michel Baro, dem 19-jährigen Rechtsaußen, der an allen drei Toren der Madrilenen beteiligt war. Erst steckte er in der 39. Minute einen butterweichen Pass auf Duarte del Rio durch, der den Ball ins linke Eck schob - 1:1. "Ich hab nur gedacht: Bitte triff das Ding, bevor ich wieder atmen muss", grinste Baro nach dem Spiel. Und als hätte er das Publikum zum Jahresauftakt besonders beglücken wollen, legte Baro in der Nachspielzeit der ersten Hälfte nochmal nach. Seine präzise Ecke landete auf dem Kopf von Innenverteidiger Ivan Nuno, der den Ball wuchtig zum 2:1 versenkte. Madrids Fans tobten, Alicante wirkte konsterniert. Doch die Gäste, von Rob Van Wim an der Seitenlinie mit einem stoischen Pokerface gecoacht, gaben sich nicht geschlagen. Nur neun Minuten nach Wiederbeginn kombinierten sich Xavier Camacho und Patrick Beaupré über links durch die Madrider Abwehr. Beaupré drosch den Ball zum 2:2 ins Netz - ein Treffer, der das Stadion kurzzeitig verstummen ließ. Van Wim klatschte nur zweimal, dann steckte er die Hände wieder in die Manteltaschen. "Ich applaudiere nur, wenn sie wirklich etwas riskieren", murmelte er später. Danach wurde es hitzig. Zwei Gelbe für Alicante - Keller (15.) und Linares (55.) - sowie eine für Joan Valdés (21.) und Ivan Nuno (33.) auf Madrider Seite ließen die Emotionen hochkochen. Als Linares in der 70. Minute nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot sah, hatte Athletic plötzlich mehr Platz. "Wir wollten die Lücke nutzen, aber ehrlich gesagt: Wir waren selbst überrascht, dass es so viel Platz war", lachte Schönknecht. In der 86. Minute kam dann der Moment, auf den die Heimfans gewartet hatten: Wieder Michel Baro, wieder ein zauberhafter Pass - diesmal auf den aufgerückten Linksverteidiger Joan Valdés. Der zog aus vollem Lauf ab, der Ball segelte unhaltbar ins lange Eck. 3:2, das Stadion bebte. Valdés rannte jubelnd zur Eckfahne, Baro hinterher - und irgendwo in der Menge fiel ein Bierbecher vor lauter Glück um. "Ich wollte eigentlich gar nicht schießen", gestand Valdés später. "Aber Michel hat mich so angeschrien, dass ich dachte, ich mach’s lieber." Athletic hatte am Ende mit 17 Torschüssen und 54 Prozent Zweikampfquote die Nase vorne. Ballbesitz? Da lag Alicante mit 52 Prozent leicht vorn - ein schwacher Trost für ein Team, das nach der späten Gelb-Roten Karte kaum noch Struktur fand. In der Nachspielzeit musste auch Ivan Nuno nach einer zweiten Verwarnung vom Feld - ein kleiner Schönheitsfehler in einem ansonsten umkämpften, aber fairen Spiel. Schönknecht lobte nach Abpfiff vor allem seine blutjungen Offensivkräfte: "Wenn du mit einem 18- und einem 19-Jährigen vorne spielst, brauchst du starke Nerven - und vielleicht eine gute Krankenversicherung." Van Wim dagegen zeigte sich trotzig: "Wir haben gezeigt, dass wir mit den Großen mithalten können. Leider zählt das nur, wenn du auch Punkte bekommst." So endete ein Spiel, das mehr an eine Achterbahnfahrt erinnerte als an ein taktisches Schachduell. Drei Tore für die Gastgeber, zwei für tapfere Gäste, fünf Gelbe Karten, zwei Platzverweise und ein Publikum, das nach Abpfiff noch minutenlang sang. Ein augenzwinkerndes Fazit dieses Abends: Wer bei Athletic Madrid verteidigt, darf offenbar auch Tore schießen - und wer bei Herculano Alicante trifft, sollte vielleicht den Schiedsrichter umarmen, solange er noch kann. 22.02.643987 20:22 |
Sprücheklopfer
Ich hatte vor der Saison ein Angebot aus England. Wäre ich bloß hingegangen. In England ist Fußball wenigstens noch Männersport und nichts für Tunten.
Axel Kruse nach einer roten Karte