Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Athen zaubert - Livadia stolpert: 0:3-Demütigung vor heimischem Publikum

Manchmal ist Fußball einfach grausam ehrlich. Da spielt Livadia FC eine erste Halbzeit, die an Tapferkeit grenzt, und geht trotzdem mit gesenktem Kopf vom Platz - weil AEL Athen im zweiten Durchgang beschließt, dass genug Anlauf genommen wurde. Das Ergebnis: ein klares 0:3 (0:0) am 27. Spieltag der 1. Liga Griechenland. 25.682 Zuschauer sahen ein Spiel, das in seiner Dramaturgie fast wie ein Theaterstück wirkte - nur dass Livadia die Hauptrolle des tragischen Helden innehatte.

Dabei fing alles so harmlos an. Trainer Jorge Jesus hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, mutig, fast trotzig. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Angst haben", knurrte er nach dem Spiel - und sah dabei aus wie jemand, der gerade erfahren hat, dass Mut allein keine Punkte bringt. Schon in den Anfangsminuten zeigten die Gäste, dass sie den Ball lieber behalten wollten: 54 Prozent Ballbesitz, 22 Torschüsse - und das meiste davon auf das bedauernswerte Tor von Humberto Morais, der an diesem Abend vermutlich mehr Zeit in der Luft verbrachte als ein durchschnittlicher Linienflug nach Kreta.

Anthimos Athanasiadis eröffnete das Feuerwerk schon in der ersten Minute. Ein Schuss aufs Tor, dann gleich noch einer in der dritten - und während Livadia noch suchte, wo der Ball eigentlich herkam, schoss Paisis Terzanidis aus 20 Metern knapp vorbei. Es war ein Vorgeschmack auf das, was folgen sollte: Athen attackierte, Livadia verteidigte - und zwar mit Herz, aber ohne Plan.

Bis zur Pause hielt das Bollwerk, und die Fans schöpften Hoffnung. "Wenn wir das so halten, geht vielleicht was", rief einer vom Oberrang. Ein anderer ergänzte trocken: "Oder auch nicht." Wie Recht er behalten sollte.

Nach dem Seitenwechsel kam Athen zurück, als hätte Trainer Ryan Mystery in der Kabine eine kleine Motivationsrede gehalten - oder einfach nur gesagt: "Schießt endlich rein, Jungs." In der 55. Minute war es dann so weit: Uwe Schubert, der deutsche Linksfuß im Team der Athener, nahm einen Pass von Alvertos Charisteas volley - 0:1. Schubert grinste später: "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball wollte wohl auch mal rein."

Nur sechs Minuten später legte der junge Engländer James Badham nach. Gerade erst eingewechselt für den müden Achilleas Iosifidis, bekam er einen Zuckerpass von Anargiros Lagonikakis und schob eiskalt ein. 0:2 - und im Stadion hörte man nur noch das Rascheln der Plastikbecher.

Livadia versuchte, eine Antwort zu finden, aber mit gerade mal zwei Torschüssen blieb es beim Versuch. Davib Besson scheiterte in der 24. Minute am glänzend reagierenden Simone Ferrari im Athener Tor, und das war es im Grunde schon mit den Offensivmomenten der Gastgeber.

In der 81. Minute setzte Anthimos Athanasiadis den Schlusspunkt. Nach einem Eckball von Karolos Darlas stieg er höher als alle anderen und köpfte zum 0:3 ein. "Ich hab einfach gespürt, dass der Ball zu mir will", sagte er später mit einem breiten Grinsen.

Danach spielte Athen die Partie routiniert herunter, drückte sogar noch aufs vierte Tor, während Livadia nach Luft schnappte. Vassilios Papadakis sah in der 83. Minute Gelb - wohl aus Frust, dass er den Ball häufiger rennen sah als sich selbst.

In der Statistik liest sich das alles wie ein Lehrbuch für Überlegenheit: 22 zu 2 Schüsse aufs Tor, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, dazu eine Passsicherheit, die den Ball fast magnetisch wirken ließ. Athen war in allen Belangen besser - und wirkte dabei nie überheblich, nur effizient.

"Wir haben heute gezeigt, was passiert, wenn man Geduld hat", erklärte Trainer Ryan Mystery nach dem Spiel, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. "Livadia hat gut gestanden, aber irgendwann fällt jede Mauer."

Jorge Jesus dagegen sprach von "einem gebrauchten Abend" und kündigte Extraeinheiten fürs Defensivverhalten an. "Wenn man 22 Schüsse zulässt, sollte man vielleicht den Begriff ’offensive Ausrichtung’ überdenken", murmelte er, bevor er in Richtung Kabine verschwand.

Als die Lichter im Stadion erloschen, blieb das Gefühl, dass AEL Athen an diesem Abend einfach eine Nummer zu groß war. Livadia kämpfte, aber es war wie ein Kampf mit stumpfen Waffen. Und so steht am Ende ein Ergebnis, das keine Fragen offenlässt - nur die, ob Jorge Jesus’ Offensive beim nächsten Mal vielleicht lieber etwas defensiver antritt.

Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen sarkastisch meinte: "Wenn wir schon keine Tore schießen, könnten wir wenigstens beim Warmmachen punkten."

18.07.643993 22:56
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Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund
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