// Startseite
| Athlitiki Icho |
| +++ Sportzeitung für Griechenland +++ |
|
|
|
Wenn Fußball ein Tanz wäre, dann führte AEL Athen am Samstagabend in Volos - und Niki Volos trat den eigenen Mitspielern auf die Füße. 20.000 Zuschauer sahen im Panthessaliko-Stadion ein Spiel, das lange wie ein taktisches Schachduell wirkte, bevor es in der 65. Minute plötzlich explodierte. Endstand: 0:3 (0:0). Und das Ergebnis schmeichelte den Hausherren noch. Dabei begann alles recht verheißungsvoll für Niki Volos. Die Gastgeber hielten den Ball, wie man ihn sonst nur hält, wenn man ihn nie wieder hergeben will - über 53 Prozent Ballbesitz sprechen eine deutliche Sprache. Das Problem: Was nützt Ballbesitz, wenn am Ende jemand anders die Tore schießt? Genau das fragte sich Trainer Georgios Papadakis (der nach Spielende wortkarg in der Kabine verschwand, aber dort angeblich lautstark die Wasserflaschen tadelte). AEL-Coach Ryan Mystery hingegen grinste nach Spielschluss breit wie ein Lotteriesieger. "Wir wussten, dass Volos gerne den Ball hat. Also ließen wir sie - und nahmen ihnen dann das Spiel", sagte er trocken. Seine Elf war von Beginn an gefährlicher: 19 Torschüsse, davon ein halbes Dutzend brandheiß. Schon in der 3. Minute prüfte Anthimos Athanasiadis den Keeper Koudas, und in Minute 5 gleich nochmal. Man hätte meinen können, er hätte eine Wette laufen, wer zuerst den Ball in den Parkplatz schießt. Doch die erste Halbzeit blieb torlos. AEL kombinierte gefällig, Volos verteidigte tapfer, und das Publikum schwankte zwischen höflichem Applaus und genervtem Seufzen. "Das war wie Schach ohne Dame", witzelte ein älterer Fan auf der Tribüne, während sein Nachbar antwortete: "Eher wie Schach mit zwei Bauern zu viel." Dann kam die 65. Minute. Die Luft vibrierte, und plötzlich tanzte Jose Maria Costinha - 22 Jahre jung, schneller als seine Schatten - durch die Abwehr von Volos, als wären die Verteidiger nur Pylonen im Training. Nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Alkinoos Kyrastas schlenzte er den Ball ins lange Eck. 0:1. Drei Minuten später revanchierte sich Costinha: Er legte Achilleas Iosifidis den Ball so maßgerecht auf, dass dieser nur noch den Fuß hinhalten musste. 0:2. Volos wirkte benommen, als hätte jemand das Flutlicht gelöscht. Aber das Licht kam - für Athen. Denn in der 71. Minute setzte Costinha noch einen drauf. Nach Pass von Agisilaos Basinas zog er ab, und der Ball zischte ins Netz, als wolle er gleich noch den Fangzaun durchbrechen. 0:3. Drei Tore in sechs Minuten. Das nennt man dann wohl Effizienz mit Ausrufezeichen. "Ich hab’ einfach Spaß gehabt", grinste Costinha später. "Wenn du merkst, dass der Ball dich liebt, musst du ihn tanzen lassen." Trainer Mystery schüttelte lachend den Kopf: "Wenn er so weitermacht, muss ich ihn bald bremsen - oder adoptieren." Volos versuchte, irgendwie noch Ergebniskosmetik zu betreiben. Anton Kirjakow und Aristodimos Katranas versuchten es immer wieder, aber Tiago Pinto im Athener Tor hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend unbezwingbar zu sein. Selbst in der 88. Minute, als Katranas noch einmal abzog, segelte Pinto mit spektakulärer Flugshow in den Ball. Die Statistik sprach am Ende Bände: 19:7 Torschüsse für Athen, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe und ein Pressing, das zwar laut Datenanalyse "BEHIND" hieß, aber in Wahrheit eher "immer einen Schritt voraus" wirkte. Als der Schlusspfiff ertönte, klatschten die Gästefans rhythmisch, während die Volos-Anhänger still nach Hause schlichen - vielleicht in der Hoffnung, dass am nächsten Spieltag wieder jemand anderes tanzt. Ein junger Balljunge grinste noch in die Kamera: "Ich hab heute gelernt, was ein Doppelschlag ist." Vielleicht war das die treffendste Zusammenfassung des Abends. Denn AEL Athen zeigte, wie schnell ein Spiel kippen kann, wenn Tempo, Präzision und Selbstvertrauen zusammenfinden. Niki Volos dagegen zeigte, dass Ballbesitz und gute Vorsätze allein noch keine Punkte bringen. "Wir werden daraus lernen", murmelte ein erschöpfter Orestis Koudas später in der Mixed Zone. "Und vielleicht nächstes Mal den Ball nicht so lange streicheln." Ein sarkastischer Reporter fragte darauf: "Sondertraining Kuscheltaktik?" - Koudas grinste nur müde. "Eher Schussübung." Wenn das stimmt, darf sich der nächste Gegner von Volos warm anziehen. Aber für diesen Abend gehörte der Applaus eindeutig den Gästen aus Athen - und einem jungen Portugiesen namens Costinha, der das Spiel in sechs Minuten in ein kleines Kunstwerk verwandelte. 30.08.643990 13:48 |
Sprücheklopfer
Mein Sohn ist wegen dem Rennen hier, ich nur wegen den Boxenludern.
Mehmet Scholl auf die Frage, warum er beim Großen Preis in Hockenheim sei