Athlitiki Icho
+++ Sportzeitung für Griechenland +++

Athen siegt mit Minimalismus - Kreta verzweifelt an der eigenen Chancenflut

Es war einer dieser Abende auf Kreta, an denen man sich fragt, ob die Fußballgötter eigentlich Humor haben. 39.813 Zuschauer im Pankritio-Stadion sahen eine Heimelf, die schoss, flankte, rannte und schließlich doch nur den Kopf schütteln konnte. Am Ende stand ein 0:1 gegen AEL Athen - ein Ergebnis, das in seiner Ironie kaum zu überbieten war.

Schon in der 15. Minute stellte Anthimos Papadopoulos mit einem trockenen Rechtsschuss die Weichen für die Gäste. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball war perfekt getroffen, da war nichts zu halten", grinste der rechte Mittelfeldmann später. Für OFE-Keeper Kian Boutin blieb nur das resignierte Schulterzucken. "Wir waren noch beim Einparken im Mittelfeld", murmelte er in Richtung seiner Abwehr.

Dabei hatte alles so offensiv begonnen. Trainer Jeff Johnson ließ seine Mannen mit wuchtigem Offensivdrang anlaufen - Formation: offensiv, Attitüde: volles Risiko. Schon früh prüfte Guillermo Yanez den Athener Keeper Simone Ferrari mehrfach (21., 25., 27., 29. und gefühlt jede weitere Minute bis zum Pausenpfiff). Doch Ferrari, sonst eher unauffällig, wuchs diesmal in die Rolle des Helden hinein. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, der Ball mag mich einfach", witzelte der Torwart nach dem Abpfiff.

Athen dagegen spielte das, was man liebevoll "Minimalismus mit Beton" nennen könnte. Defensiv eingestellt, lange Bälle, kaum Pressing - aber mit maximaler Effizienz. Trainer Ryan Mystery grinste nach dem Spiel: "Wir haben das Spiel kontrolliert. Naja, zumindest das Ergebnis." Tatsächlich kamen die Gäste auf ganze drei Torschüsse - einer davon zählte.

Kreta dagegen feuerte aus allen Rohren: 19 Schüsse aufs Tor, 48 Prozent Ballbesitz, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und trotzdem kein Treffer. Felipe Jemez, der emsige Mittelstürmer, schien irgendwann mit sich selbst zu verhandeln. "Noch einer, und ich schieße den Ball ins Meer", rief er nach seinem vierten Versuch in der 64. Minute Richtung Bank. Trainer Johnson blieb erstaunlich ruhig. "Wir haben alles versucht. Vielleicht zu sehr. Manchmal ist Fußball wie ein schlechter Witz - du kennst die Pointe, aber sie kommt nie."

Kurzzeitig sah es so aus, als könnte das Spiel völlig kippen. Nach dem verletzungsbedingten Aus von Athener Rechtsverteidiger Carl Barbosa (40.) musste Mystery früh umstellen. Der eingewechselte Jose Enrique Costa machte seine Sache ordentlich, aber Kreta nutzte die entstandenen Lücken nicht. Stattdessen hagelte es Gelbe Karten: erst Jose Couto (5.), dann Odysseas Christou (26.) - beide versuchten offenbar, das Spiel mit "körperlicher Präsenz" zu retten.

In der zweiten Halbzeit spielte praktisch nur noch OFE. Yanez, Jemez, Salpingidis - sie alle prüften Ferrari im Minutentakt. Zwischenzeitlich rief ein genervter Fan von der Tribüne: "Wir brauchen keine Stürmer, wir brauchen einen Exorzisten!" - was in der Pressetribüne für zustimmendes Lachen sorgte.

Athen verteidigte mit allem, was Beine hatte - und das mit zunehmender Entschlossenheit. "Wenn du 75 Minuten lang nur Bälle abwehrst, lernst du Demut", sagte Abwehrchef Gunnar Hoffmann, bevor er in der 56. Minute ausgewechselt wurde. An seiner Stelle kam Karolos Darlas, der das Bollwerk erfolgreich zu Ende brachte.

Auch taktisch blieb das Muster klar: Kreta drückte mit offensiver Ausrichtung, wählte ausgeglichenes Passspiel, setzte in der Schlussphase sogar auf aktives Pressing. Athen dagegen mauerte mit klassischer Defensive, langen Bällen und Kontern über die Flügel - ein Stil, der den alten italienischen Catenaccio nostalgisch wirken ließ.

In der 90. Minute dann der letzte verzweifelte Versuch: eine Flanke von Duarte Caneira, Jemez steigt hoch - und köpft am Tor vorbei. Ferrari lag schon am Boden, der Ball aber auch - nur eben neben dem Pfosten. Danach Pfiff, Schluss, Fassungslosigkeit.

"Ich werde heute lange wach liegen", seufzte Guillermo Yanez. "Aber wenigstens haben wir gezeigt, dass wir Fußball spielen können." Trainer Johnson ergänzte trocken: "Ergebnisse sind auch eine Form von Poesie - manchmal Reim, manchmal Dadaismus."

Athen feierte den Sieg wie einen Pokal. "Wir haben in Kreta gewonnen, das passiert nicht alle Tage. Jetzt gönn’ ich mir einen Ouzo", grinste Mystery.

Und so bleibt ein Spiel in Erinnerung, das alles hatte - außer Toren für die Mannschaft, die sie verdient hätte. Kreta wird sich an die eigene Courage erinnern und an das bittere Gefühl, wenn 19 Torschüsse nicht reichen. Athen dagegen reist heim mit drei Punkten und dem Gefühl, dass Effizienz eben manchmal die schönste Kunstform ist.

Vielleicht fasste es ein älterer Zuschauer auf der Tribüne am besten zusammen: "Kreta spielt wie ein Maler - nur dass keiner das Bild kauft."

22.04.643994 12:04
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