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Ein kalter Februarabend, 12.500 Zuschauer im Stadion von Kastoria, und das Flutlicht brannte heißer als die Hoffnungen der Heimfans. Am 13. Spieltag der griechischen Superliga zeigte AEL Athen, wie man mit kühlem Kopf und präzisem Fuß ein Spiel kontrolliert - und Kastoria FC, wie man mit 49 Prozent Ballbesitz und sechs Torschüssen trotzdem chancenlos bleibt. Schon nach 21 Minuten begann das Unheil für Kastoria. Achilleas Iosifidis, der flinke Linksaußen der Athener, schlich sich in den Rücken der Abwehr, nahm einen butterweichen Pass von Silvestre Carcedo an und zirkelte den Ball ins lange Eck. "Ich habe einfach gemacht, was wir im Training üben - nur dass es diesmal geklappt hat", grinste Iosifidis später. Kastorias Keeper Elias Kluge sah dem Ball nur hinterher, wahrscheinlich mit dem stillen Wunsch, er wäre ein paar Zentimeter größer. Die Gastgeber ließen sich zunächst nicht hängen. Filippo Motta prüfte AEL-Torwart Tyler Hannigan gleich dreimal, doch der Keeper mit der Ruhe eines Mönchs fischte alles weg. "Er hätte auch eine Zeitung lesen können bei dem Schuss", ätzte ein Fan aus der Kurve, während Trainer Greg Vlachopoulos an der Seitenlinie nervös mit dem Notizblock wedelte. Athen blieb ruhig, fast stoisch. Das Team von Ryan Mystery spielte mit langen, gezielten Bällen - keine Hektik, kein Spektakel, einfach Effektivität. "Wir wollten Kastoria kommen lassen und dann zuschlagen", erklärte Mystery nach dem Spiel. Man merkte: Plan aufgegangen. In der 54. Minute war es wieder Iosifidis, diesmal nach feiner Vorarbeit von Evangelos Choutos, der das 2:0 markierte. Kastorias Abwehr stand da wie eine Gruppe Touristen vor dem Akropolis-Plan - völlig orientierungslos. Choutos grinste später: "Ich habe Achilleas gesehen, wie er mit den Armen gewunken hat. Da wusste ich: Wenn ich jetzt nicht passe, ruft er mich morgen nicht mehr an." Von da an war das Spiel entschieden. Kastoria versuchte es mit Kampf, aber mehr als zwei Gelbe Karten - eine für den jungen Linksverteidiger Evangelos Warzycha (51.) und eine für Lucas Maurice (68.) - sprang nicht heraus. Der Ballbesitz blieb ausgeglichen, doch Athen hatte zwanzig Abschlüsse, Kastoria nur sechs. Ein Unterschied, der sich anfühlte wie ein Gebirgszug. Kurz vor Schluss schickte AEL noch ein Geschenk für die Statistikfreunde: In der 92. Minute erzielte Anthimos Athanasiadis das 3:0, nach feinem Zuspiel von Carcedo. Der Jubel der Gäste war ausgelassen, aber nicht übertrieben - schließlich wusste jeder: Hier war ein Arbeitssieg vom Lehrbuch gelungen. Trainer Vlachopoulos wirkte nach dem Schlusspfiff erstaunlich gefasst. "Wir haben Phasen gehabt, in denen wir gut standen", sagte er, "leider waren das genau die Phasen, in denen der Ball im Aus war." Ein bitterer Witz, aber ehrlich. Sein Team kämpfte, doch Athen war schlicht zu clever, zu kompakt, zu effizient. Athen hingegen zeigte sich selbstkritisch. "Wir hätten das vierte machen müssen", murrte Carcedo, der trotz Gelber Karte in der 32. Minute das Spiel mit zwei Assists prägte. "Aber gut, 3:0 auswärts - da beschwert sich höchstens mein Fitnesscoach." Für Kastoria bleibt die Erkenntnis, dass Leidenschaft ohne Abschlusskraft wenig bringt. Filippo Motta und Daniele Lorusso ackerten vorne, doch die Präzision fehlte. Der junge Warzycha zeigte Mut, aber auch Nerven. Und Torwart Kluge? Der hielt, was zu halten war - was leider nicht allzu viel half. Die 12.500 Zuschauer verabschiedeten ihr Team mit höflichem Applaus. Vielleicht, weil sie wussten, dass man gegen diese Athener kaum gewinnen konnte. Oder weil der Winterwind einfach zu kalt war, um laut zu pfeifen. Als Ryan Mystery später in der Pressekonferenz gefragt wurde, ob AEL jetzt ernsthaft nach oben schiele, lachte er: "Wir schauen nicht nach oben - wir schauen nur, dass keiner hinter uns vorbeischleicht." Ein Satz, der so trocken war wie das Spiel seines Teams effizient. Kurz gesagt: AEL Athen spielte wie eine Maschine, Kastoria wie ein Tapetenmuster - schön anzusehen, aber ohne Wirkung. Und irgendwo in der Kabine dürfte Greg Vlachopoulos noch immer leise murmeln: "Wenn nur einer dieser Schüsse reingegangen wäre …" Ein Sieg der Nüchternheit, ein Abend des Lehrbuchfußballs. Und für Kastoria ein Spiel, das man schnell vergessen - oder besser: gründlich analysieren sollte. 16.10.643990 03:10 |
Sprücheklopfer
In den ersten Minuten konnte man exakt sehen, was wir vorhatten.
Peter Neururer nach einer 1:4 Niederlage