Canadian Soccer
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Astros trotzen den Blues - Ein 1:1, das keiner so recht verstand

32.000 Zuschauer im Windsor Stadium sahen am Sonntagabend ein Fußballspiel, das so aussah, als hätten beide Mannschaften beschlossen, sich gegenseitig in Geduld zu üben. Am Ende stand ein 1:1 zwischen den Windsor Astros und den Quebec Blues - ein Ergebnis, das man wohl am treffendsten mit dem Wort "gerecht" umschreiben kann, wenn man das Wort zufällig gerade nicht zu ernst nimmt.

Dabei begann alles mit ordentlichem Getöse. Die Quebec Blues, unter der Ägide von Trainer Lutz Lindemann, starteten offensiv, fast schon übermotiviert. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir Fußball spielen können - notfalls auch ohne Ball", grinste Lindemann nach der Partie, halb ironisch, halb erleichtert. Seine Mannschaft feuerte in den ersten 30 Minuten Torschuss um Torschuss ab - zwölf waren es am Ende insgesamt -, aber der Ball wollte einfach nicht rein. Besonders Diego Sousa und Andre Paré schienen in dieser Phase den Torwart Georges Burton mit Aufwärmübungen beauftragen zu wollen.

Burton, der Hüter der Windsor-Astros-Kiste, tat das, was Torhüter in solchen Spielen tun: Er flog, er schrie, er klatschte, und er rettete. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, die Blues schießen mir absichtlich auf die Handschuhe", witzelte er später in der Mixed Zone.

Die Astros hingegen wirkten taktisch diszipliniert, fast stoisch. Das Team von Trainer Cameron Harris (der an der Seitenlinie eher wie ein kühler Schachspieler als ein emotionaler Coach wirkte) setzte auf Ballbesitz - 52 Prozent sprechen für sich -, aber echte Gefahr ging selten aus. Erst nach der Pause kam Bewegung in die Sache, und zwar in der 61. Minute.

Daniel Bachellier, der agile linke Mittelfeldmann, zirkelte eine butterweiche Flanke auf Corey Dumont, der den Ball wuchtig per Kopf ins Netz beförderte. 1:0 Windsor, und plötzlich stand das Stadion Kopf. Dumont, gerade einmal 24 Jahre alt, riss die Arme hoch und rief in den Nachthimmel: "Endlich mal was für die Highlights!"

Doch die Freude hielt nur kurz. Vier Minuten später - man hatte gerade angefangen, über mögliche Tabellenführungen zu fantasieren - schlug Quebec zurück. Daan Bolsius, der unermüdliche Mittelfeldmotor, setzte Diego Sousa in Szene, und der Routinier netzte trocken ein. 1:1. Sousa drehte jubelnd ab, während Lindemann an der Seitenlinie die Faust ballte, als hätte er soeben persönlich den Ausgleich geschossen.

"Das war das Minimum, was wir verdient hatten", brummte Sousa nach dem Spiel. "Wir haben so oft daneben gezielt, irgendwann musste einer sitzen."

Danach wurde es ruppiger. Die Blues wechselten dreifach, erhöhten das Pressing und drängten in den letzten Minuten vehement auf den Sieg. Doch Burton im Tor der Astros hielt, was zu halten war - und manchmal auch das, was eigentlich nicht zu halten war. Auf der anderen Seite versuchte Callum Desjardins mit einem späten Schlenzer, das Spiel zu entscheiden, traf aber nur das Außennetz. Der Schiedsrichter pfiff ab, und man hatte das Gefühl, dass beide Teams nicht so recht wussten, ob sie sich freuen oder ärgern sollten.

Statistisch gesehen war Quebec gefährlicher - zwölf Torschüsse zu vier sprechen Bände. Windsor dagegen hatte das etwas reifere Passspiel, wirkte taktisch gefestigter, aber im letzten Drittel fehlte die zündende Idee. Ein Spiel also, das viel versprach und dann doch eher das klassische Unentschieden war: niemand richtig gut, niemand richtig schlecht.

Lutz Lindemann fasste es nach dem Spiel lakonisch zusammen: "Wenn du zwölfmal aufs Tor schießt und einmal triffst, ist das effizienter als letzte Woche - da haben wir 15-mal geschossen."

Cameron Harris konterte trocken: "Ich bin zufrieden. Nicht mit dem Ergebnis, aber damit, dass wir Quebecs Angriffswelle überlebt haben. Manchmal ist ein Punkt auch ein kleiner Sieg - besonders, wenn man den Bus nach Hause nicht mit hängenden Köpfen besteigen muss."

Am Ende verließen beide Mannschaften den Platz mit dem gleichen Gefühl: Es war mehr drin, aber wenigstens nicht weniger. Die Fans in Windsor nahmen es sportlich - und mit einem Schuss Humor. Ein älterer Herr im Vereinshemd fasste es beim Ausgang treffend zusammen: "War kein Spektakel, aber immerhin kein Schneesturm."

Ein Satz, der wahrscheinlich in beiden Kabinen ähnlich gefallen sein dürfte. Und so bleibt dieses 1:1 eines jener Spiele, die man schnell vergisst - es sei denn, man war Corey Dumont oder Diego Sousa. Die beiden werden sich wohl noch ein Weilchen an diesen Abend erinnern - der eine wegen seines Tores, der andere, weil er endlich getroffen hat.

Und für uns Zuschauer? Ein bisschen Drama, ein bisschen Taktik, ein bisschen Chaos - kurzum: Fußball, wie er eben ist.

10.06.643990 14:40
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