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Wenn zwei Mannschaften mit fast identischem Namen aufeinandertreffen, ist Verwirrung vorprogrammiert. Doch was sich am Samstagabend beim "Astra-Derby" zwischen Astra Agrotikos und Astra Tripolis abspielte, war alles andere als langweilig. Vor 20.000 lautstarken Zuschauern im Stadion von Agrotikos setzte sich Tripolis mit 2:1 (0:1) durch - nach einem Spiel, das sich wie eine griechische Tragödie in drei Akten entwickelte. Zunächst schien alles nach Plan für die Hausherren zu laufen. Agrotikos, taktisch gewohnt ausgewogen und mit 55 Prozent Ballbesitz tonangebend, dominierte den ersten Durchgang. Trainer Kostas Karagounis von Tripolis hatte zwar vor dem Anpfiff noch trotzig verkündet, "wir kommen nicht zum Schauen, sondern zum Punkten", doch seine Elf sah in der Anfangsphase eher aus, als würde sie das Spielfeld mit einem Spaziergang durch den Olivenhain verwechseln. In der 35. Minute wurde die Überlegenheit des Heimteams dann endlich belohnt: Efthymios Fotopoulos, der rechte Wirbelwind, schloss eine feine Vorarbeit von Robert Fortin eiskalt ab. 1:0 für Agrotikos - und das Stadion bebte. Fortin grinste später: "Ich hab’ den Ball einfach reingeschoben, und Efthymios hat ihn mit Liebe verwandelt." Kurz vor der Pause gab’s noch die gelbe Karte für Orestis Sisinis, der offenbar glaubte, Gelb passe gut zu seinem Trikot. Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch. In der Kabine wirkte Agrotikos zufrieden, vielleicht ein bisschen zu sehr. "Wir dachten wohl, das läuft von selbst weiter", gab Kapitän Kleanthes Photopoulos später zu. Währenddessen schraubte Karagounis an seiner Strategie. Der Trainer mit der Miene eines Schachmeisters reagierte zur Pause doppelt: Neue Verteidiger, frische Beine - und offenbar auch ein kräftiger Espresso für seine Offensive. Tripolis kam mit Wucht zurück auf den Platz, plötzlich pressten sie hoch, liefen mehr, kämpften mehr. In der 59. Minute dann der Ausgleich: Der junge Rechtsaußen Vincent Corona sprintete in den Strafraum, nachdem Kosmas Margaritis ihm den Ball mustergültig serviert hatte - und traf eiskalt ins Eck. 1:1. "Ich hab nur die Augen zugemacht und gehofft, dass er reingeht", grinste Corona nach dem Spiel. Offenbar hatte er Glück - oder schlicht das bessere Timing. Der Treffer wirkte wie ein Weckruf. Agrotikos, bislang Herr im eigenen Haus, verlor die Kontrolle. Die Gäste, nun mit aggressiverem Pressing und 15 Torschüssen insgesamt, setzten nach. Besonders auffällig: Nuno Barbosa, eigentlich Innenverteidiger, tauchte immer wieder vorne auf - und war in der 78. Minute plötzlich dort, wo ihn niemand erwartete. Nach einem Eckball, Corona diesmal als Vorlagengeber, wuchtete Barbosa den Ball per Kopf ins Netz. 2:1 Tripolis, Spiel gedreht. Der Jubel der Gäste war ohrenbetäubend, während sich die Gesichter der Heimfans verwandelten - von euphorisch zu entsetzt, von "Das holen wir noch!" zu "Nicht schon wieder". Trainer Karagounis ballte die Fäuste und brüllte etwas, das man wohlwollend als "griechisches Poesiefragment" bezeichnen konnte. Agrotikos versuchte in den letzten Minuten alles, doch die Präzision fehlte. Acht Torschüsse, aber nur einer zählte. Torhüter Hartmut Breuer von Tripolis avancierte zum stillen Helden, parierte sicher und ließ sich auch von der Verzweiflung der Gegner nicht anstecken. "Ich hab einfach das gemacht, was Torhüter so machen - die anderen müssen ja auch mal was tun", sagte er trocken. Als Schiedsrichter Papadakis nach 96 Minuten abpfiff, jubelte Tripolis, während Agrotikos ratlos in den Nachthimmel starrte. Ballbesitz, Chancen, Spielkontrolle - alles schön, aber am Ende zählen die Tore. Und davon hatte Tripolis schlicht eines mehr. Kostas Karagounis fasste es nach dem Spiel treffend zusammen: "Wir waren in der ersten Halbzeit höfliche Gäste - in der zweiten dann unhöflich effektiv." Sein Gegenüber, dessen Name in den Unterlagen nicht überliefert ist, murmelte nur: "Manchmal ist Fußball eben kein Bauernhof, sondern eine Achterbahn." So endete das Astra-Derby mit einem 2:1-Sieg für Tripolis, das sich auf Platz und Tabelle nach oben arbeitet. Agrotikos dagegen muss sich fragen, wie man ein Spiel verlieren kann, das man über weite Strecken bestimmt - aber vielleicht ist das ja die älteste Geschichte des Fußballs überhaupt. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Punkte. Klassisch Astra." 03.05.643987 08:32 |
Sprücheklopfer
Wenn Lothar so weitermacht, wird er Schwierigkeiten haben, für sein Abschiedsspiel gegen die Nationalelf eine Mannschaft zusammenzukriegen.
Mario Basler