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Ein lauer Abend in Recife, 75.750 Zuschauer, tropische Luft, gespannte Gesichter - und am Ende ein einziger Kanadier, der den Unterschied macht: Rodion Arschawin. Der flinke Rechtsaußen der North York Stars schoss in der 40. Minute das Tor des Abends und sorgte dafür, dass Capibaribe Recife trotz kämpferischem Auftritt das Achtelfinal-Hinspiel der Copa Libertadores mit 0:1 verlor. Dabei hatte Trainer Opa Jokel seine Mannschaft vor dem Anpfiff noch mit einem väterlichen "Heute zeigen wir denen, was brasilianischer Fußball ist!" eingeschworen. Seine Spieler verstanden das offenbar als Einladung, es mit Schönheit statt Effizienz zu versuchen. Recife kombinierte sich gefällig durchs Mittelfeld, dominierte phasenweise den Ball - 47 Prozent Ballbesitz sprechen eine knappe, aber stolze Sprache -, doch vor dem Tor blieb alles Stückwerk. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir den Ball in die Wolken gedroschen haben", grinste der enttäuschte Stürmer Marcio Derlei nach dem Spiel. Ganze 13 Torschüsse gingen auf das Konto der Hausherren, aber keiner fand den Weg vorbei an North-Yorks Keeper Guy Letourneur, der eine dieser unauffälligen, aber makellosen Vorstellungen ablieferte, die Torhüter in Geschichtsbüchern unsichtbar machen, aber in Kabinen zu Legenden. Ganz anders die Gäste: nordamerikanisch diszipliniert, taktisch ausgewogen, mit einem Hauch von Eisschrank im Blut. Trainer Roberto Carlos (nicht jener Freistoß-Gott, aber ähnlich selbstbewusst) hatte seine Stars perfekt eingestellt. "Wir wussten, Recife wird versuchen, uns über die Flügel zu knacken. Aber wir haben ihnen einfach den Stecker gezogen", erklärte er trocken auf der Pressekonferenz, während er seinen Espresso umrührte, als wäre das 1:0 eine Selbstverständlichkeit. Und doch war der Sieg alles andere als mühelos. Schon in der zweiten Minute prüfte Arschawin selbst Capibaribes Keeper Eri Sander mit einem flachen Schuss, wenig später antwortete Derlei auf der Gegenseite - lautstark bejubelt, aber ebenso erfolglos. Recife drängte, doch in der 26. Minute sah der junge Leandro Antonio Gelb, weil er zu leidenschaftlich an der Seitenlinie grätschte. Zwei Minuten später folgte Kollege Eric Steinsson seinem Beispiel. Das Publikum im Estádio dos Aflitos ahnte schon, dass diese Aggressivität teuer werden könnte. In Minute 40 kam dann der Moment, der das Spiel entschied: North Yorks Mittelfeldmann Andrew Haddock setzte sich auf links durch, flankte präzise auf Arschawin - der nahm den Ball direkt, und ehe Sander reagieren konnte, zappelte das Leder im Netz. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch, nüchtern, eiskalt, nordamerikanisch. "Ich hab einfach geschossen, weil keiner ’Nein’ gesagt hat", witzelte Arschawin danach mit einem breiten Grinsen. Nach der Pause kam Recife mit frischem Mut, aber wenig Fortune zurück. Fabio Barros musste verletzt raus, der eingewechselte Steinsson verletzte sich kurz darauf selbst - das Drehbuch eines Abends, der einfach nicht für die Gastgeber geschrieben war. Und als Leandro Antonio in der 53. Minute nach wiederholtem Foul mit Gelb-Rot vom Platz flog, war der Abend endgültig gelaufen. Trotz Unterzahl bäumte sich das Team von Opa Jokel auf. Paulo de Almeida und Gabriel Larsson prüften Letourneur mehrfach, doch die kanadische Abwehr hielt stand. Selbst Innenverteidiger Paulo Santos versuchte es in Minute 63 aus der Distanz - ein Schuss, den man als "Mutprobe mit Ball" bezeichnen könnte. Auf der anderen Seite verpasste Diego Makukula die Vorentscheidung gleich dreimal (51., 54., 66.), und Albert Calderon setzte in der 82. Minute noch einen Schuss knapp daneben. Aber der eine Treffer reichte. Nach Abpfiff stand Roberto Carlos mit verschränkten Armen an der Seitenlinie, sah zufrieden aus, aber nicht euphorisch. "Ein gutes Hinspiel ist die halbe Miete, aber in Kanada müssen wir rennen, nicht träumen", sagte er. Opa Jokel hingegen schüttelte den Kopf: "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Leider." Während die Fans von Recife frustriert in die Nacht entließen, summte irgendwo auf den Tribünen ein Zuschauer ironisch die Melodie eines bekannten Trauerlieds - und selbst der Stadionsprecher klang beim Dank an die Zuschauer wie ein enttäuschter Onkel nach einem misslungenen Grillabend. Im Rückspiel in North York wird Capibaribe Recife nun ein kleines Fußballwunder brauchen. Aber wer weiß - vielleicht trifft dann endlich jemand außer dem Kanadier. Und vielleicht lächelt Opa Jokel dann wirklich wieder, statt es nur zu behaupten. 23.10.643987 16:50 |
Sprücheklopfer
Ja, aber das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Holger Fach auf die Frage, ob er schon einmal vor dem DFB-Sportgericht stand