Sovetskij Sport
+++ Sportzeitung für Russland +++

Anzhi dreht das Spiel: Späte Wende gegen Vorwärts Kursk

Wer nach neun Minuten schon zwei Tore hinten liegt, braucht entweder Nerven wie Drahtseile oder einen Trainer, der Roberto Carlos heißt. Anzhi Makhachkala hatte am 9. Spieltag der 1. Liga Russland beides - und gewann nach furioser Aufholjagd 3:2 (1:2) gegen Vorwärts Kursk. 11.962 Zuschauer im Stadion von Machatschkala sahen eine Partie, die irgendwo zwischen Chaos, Charakterprobe und brasilianischem Temperament pendelte.

Der Abend begann aus Sicht der Hausherren so, wie man ihn besser nicht beginnen sollte: Bereits in der 3. Minute zappelte der Ball im Netz. Stepan Pereschogin, gerade 22 und offenbar mit Espresso im Blut, traf nach feinem Zuspiel von Jonatan Anderson zur frühen Führung der Gäste. Sechs Minuten später war es wieder Anderson, der den Ball in den Lauf von Dejan Lomic steckte - 0:2. "Da dachte ich kurz, wir machen heute Geschichte - nur leider die falsche", grinste später Anzhi-Trainer Roberto Carlos, der sich auf der Bank demonstrativ die Jacke auszog.

Doch die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. In der 17. Minute drosch Afanas Gorlukowitsch aus der zweiten Reihe den Ball ins Eck, als wolle er die Schmach eigenhändig ausradieren. "Ich hab nur gedacht: Wenn der nicht reingeht, geh ich direkt in die Kabine", scherzte der 32-Jährige nach dem Spiel. Damit war Anzhi wieder im Spiel - und der Glaube zurück.

Vorwärts Kursk blieb jedoch gefährlich. Bis zur Pause hatten die Gäste mehr Ballbesitz (54 %) und wirkten spielerisch reifer. Anzhi dagegen kompensierte Technik mit Temperament und kämpfte sich in jeden Zweikampf - die Tacklingquote von 52 % spricht für eine Mannschaft, die sich nicht unterkriegen lässt. Kurz vor der Halbzeit sah Jeno Nyers Gelb, nachdem er Slawa Ukolow auf rustikale Weise an die Seitenlinie beförderte. "Ich wollte nur den Ball treffen", verteidigte sich der Rechtsverteidiger später - was der Ball allerdings anders gesehen haben dürfte.

Nach dem Seitenwechsel wurde es wild. In der 60. Minute verletzte sich Vitor Carreras, der bis dahin über die rechte Seite gewirbelt hatte. Für ihn kam Potap Rachimow, 34 Jahre alt, graue Schläfen, aber goldener Fuß. Und genau dieser Rachimow wurde zur Schlüsselfigur des Spiels.

Vier Minuten nach seiner Einwechslung leitete er den Ausgleich ein: Er behauptete den Ball im Mittelfeld, steckte ihn zu Edoardo Lorusso durch - der Italiener blieb cool und schob zum 2:2 ein. Roberto Carlos sprang an der Seitenlinie in die Luft, als hätte er selbst gerade einen Freistoß in den Winkel gedroschen. "Ich hab Potap gesagt: Mach’s ruhig, aber mach’s richtig. Und er hat’s gemacht", strahlte der Trainer später.

In der 74. Minute krönte sich Rachimow dann selbst. Nach Vorarbeit von Konstantin Schatalow zog er aus gut 20 Metern ab - der Ball schlug unhaltbar im rechten Eck ein. 3:2, Spiel gedreht. "Ehrlich, ich wollte eigentlich flanken", gab Rachimow hinterher zu, "aber wenn’s so aussieht, als wär’s Absicht, sag ich natürlich nichts dagegen."

Kursk versuchte in der Schlussphase noch einmal alles, doch die Luft war raus. Lomic und Ragulin prüften zwar noch Torwart Zakhar Gorlukowitsch, fanden aber keinen Weg vorbei. In der 86. Minute sah Jeno Nyers Gelb-Rot - sinnbildlich für eine Mannschaft, die nach starkem Beginn den Faden verlor.

"Wir haben einfach aufgehört, mutig zu sein", sagte Vorwärts-Stürmer Lomic enttäuscht. Trainer Andrei Smirnow (der an diesem Abend ungewöhnlich wortkarg blieb) kommentierte trocken: "Zwei Tore reichen nicht, wenn man danach das Verteidigen vergisst."

Anzhi dagegen feierte den Sieg wie einen kleinen Befreiungsschlag. Spieler tanzten, Fans sangen, und Roberto Carlos grinste in die Kameras: "Das war Fußball mit Herz. Und ein bisschen Wahnsinn."

Statistisch hatte Kursk leicht mehr Ballbesitz und zehn Abschlüsse, doch Anzhi war zielstrebiger - 13 Torschüsse, drei Treffer, ein verletzter Flügelspieler und jede Menge Kampfgeist. Es war kein technisches Meisterwerk, aber ein Spiel, das man so schnell nicht vergisst.

Oder, wie es Gorlukowitsch beim Verlassen des Platzes formulierte: "Manchmal gewinnt nicht der Schnellste oder der Schönste - sondern der, der einfach nicht aufhört zu rennen."

Und an diesem Abend rannte Anzhi bis zum Schluss.

30.08.643990 13:47
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